Australien
Wenn WM in Deutschland ist, darf Australien mitmachen. Die letzten Male ist man immer knapp in den Playoffs gegen eine Mannschaft aus Südamerika rausgeflogen, diesmal konnte man Uruguay knapp besiegen. Vor Freude hat man gleich den Verband gewechselt und spielt fürderhin in Asien mit - was Restozeanien zu einem noch sinnloseren Verband macht als er eh schon war, aber das soll uns nicht interessieren. Bei Olympiaden, Confederation-Cups und Jugend-WMs hat man schon oft zeigen dürfen, dass man mit dem Rest der Welt mithalten kann. Die Begeisterung im Land ist riesig, und wir dürfen uns auf eine große Anzahl trinkfreudiger Fans aus Down Under freuen, Australier reisen nämlich sehr gerne zu Sportereignissen.
Was man spielt:
Britischer als die Briten, das war schon immer in allen Mannschaftssportarten das Motto Australiens. Kick and Rush wie die Schotten, Einsatz wie die Iren und beinhart wie die Waliser. Also eigentlich Fußball von vorgestern, aber hoch sympathisch. Durch die starke Einwanderung aus Italien und dem Balkan hat die Mannschaft allerdings noch zwei weitere Einflüsse - erhebliche Spielkultur, und noch erheblichere Foulkultur. Gegen Australien spielen heißt Leiden, worauf man durchaus stolz ist. Man hat oft den Eindruck das die australischen Nationalspieler sich vor ihren Fans mit besonderer Härte als wahre Männer beweisen müssen, da sie ja, im Gegensatz zu echten Sportarten wie Rugby oder Australian Football, einem Mädchensport nachgehen. Man spielt deutlich lieber 3-5-2 als 4-4-2, da man so zwei gemeine defensive Mittelfeldspieler einsetzen kann.
Das Personal
Torwart: 8,5
Mark Schwarzer (FC Middlesbrough) ist ein richtig Guter seines Faches. Einer der besten und erfahrensten Torhüter in der Premier League, mit der richtigen Statur für die harten Duelle im Strafraum. Dazu ein echter Gentleman, irre beliebt bei den Fans. Zeljko Kalac (Ersatzmann beim AC Milan) ist sogar ein noch größerer Hühne, genauso erfahren und eigentlich nicht viel schlechter. Mit Ante Covic (Hammarby IF, Schweden) und Michael Petkovic (Sivasspor, Türkei) stehen zwei weitere gute Männer zur Verfügung. Ein Torwartproblem hat man also wahrlich nicht.
Abwehr: 6,5
Tony Vidmar (NAC Breda, Niederlande) leitet seit Menschengedenken die australische Abwehrkette, seien es drei oder vier Mann. Der bei den Rangers gestählte Abwehrbrocken ist kopfballstark und zuverlässig, allerdings nicht mehr schnell genug. Trotzdem wohl sicher in der Stammelf. Lucas Neill (Blackburn Rovers, England) ist der Mann für rechts, ein gutes Beispiel für die beinharte australische Verteidigerschule. Für ihn könnte auch Rechtsverteidiger Jade North (Beim australischen Newcastle United), einer der wenigen, der noch in der Heimat kickt, spielen. Er bringt Schnelligkeit in die Abwehr, was die zum Teil etwas hüftsteifen Kollegen manchmal gebrauchen können. Stan Lazaridis (Birmingham City) erledigt seinen Job da deutlich eleganter, er kann auch im Mittelfeld spielen und gehört zur Sorte "niemals murrender Wasserträger wie man ihn immer gerne mal aufstellt". Im Falle einer Viererkette wird wohl Tony Popovic (Crystal Palace, England) den zweiten Innenverteidiger geben, ein typischer Britenabwehrklon, kopfballstark und so anhänglich wie ein Stuart Pierce. Oder man will nicht ganz so ungecshlacht zu Werke gehen, dann hat man in John McCain (Politechnica Timisoara, Rumänien) wiederum eine jüngere und schnellere Variante. Weitere Optionen für hinten: Michael Thwaite (National Bukarest), Craig Moore (vom englischen Newcastle United), Ljubo Milicevic (FC Thun, Schweiz) oder Kevin Muscat (Melbourne Victory). Das klingt kämpferisch klasse, aber spielerisch für ne WM etwas mau und außerdem wohl zu langsam.
Mittelfeld: 8,0
Hier wird es hochkarätiger. Die Australier verteilen ihr Spiel auf mehrer kluge Köpfe mit sehr verschiedenen Eigenschaften. Da ist der schwierig-geniale Harry Kewell vom FC Liverpool, der sich auf der linken Seite oder gleich als Aussenstürmer austobt. Technisch der stärkste Australier, aber mit Hang zu hochmütigem Spiel. Ganz anders sein Gegenpart auf rechts, Brett Emerton (Blackburn Rovers), ein auferopferungsvoller Kämpfer der für Australien immer alles gibt und in seinen besten Spielen an Damien Duff erinnert. Nicht minder einsatzfreudig ist Vince Grella (AC Parma), bei Australien meißt zentral spielender Wüterich mit dem Auftrag das gegnerische Spiel zu unterbinden. Unterstützt wird er dabei wohl vom extrem torgefährlichen Tim Cahill (FC Everton), ebenfalls ein feines Rauhbein aber klar offensiv orientiert. Bei einem 5-er Mittelfeld wird die Mitte zusätzlich mit Josip Skoko besetzt, der so ne Art Mittelpart aus Cahill und Grella spielt, mit Aufgaben nach vorne und hinten. Sein Platz ist allerdings etwas wackelig geworden. Sollte Jewell ganz vorne im Sturm spielen, übernimmt Scott Chipperfield vom FC Basel die linke Seite. Nicht ganz so offensiv, aber Tore schiessen und vorbereiten kann der auch. Als Ersatz für beide Seiten kommt auch Jason Culina in Frage, der bei PSV Eindhoven klasse eingeschlagen hat. Der quirlige Mann ist technisch hervorragend und ein wahres Laufwunder. Mark Bresciano (AC Parma) ist eigentlich auch zu Schade um ihn draussen zu lassen, er ist aber vielleicht für die Anfangsformation zu offensiv ausgerichet. Nur: Kann eine Mannschaft wie Australien wirklich den Mann draussen lassen, der den AC Parma mit seinen grandiosen Leistungen erst von einem Abstiegskandidaten zu einer aufstrebenden Mannschaft gemacht hat? Für die Ersatzbank kommen außerdem noch in Frage: Ahmad Elrich (Lyn Oslo), Simon Colosimo (Perth Glory), Luke Wilkshire (Bristol City), Danny Tiatto (Leicester City) oder Joel Griffiths (Leeds United). Ein Klasse-Mittelfeld mit vielen Variationsmöglichkeiten. Beim Confederationscup waren gleich mehrere Stützen ausgefallen, deshalb die dort eher mittelmäßigen Leistungen vielleicht nicht zu ernst nehmen. Die Playoffs gegen Uruguay waren superstark.
Sturm: 6,0
Von so einer Personaldecke wie im Mittelfeld kann man bei den Stürmern nur träumen, weshalb hier Kewell oft aushilft. Tatsächlich war man im letzten Jahr forsch genug, hin und wieder wenigstens für eine Halbzeit mit drei Spitzen anzutreten, und das sah gut aus. Egal ob zwei oder drei Stürmer, zwei Mann sind vorne ganz klar gesetzt: John Aloisi (CD Alaves, Spanien) und Mark Viduka (FC Middlesbrough). Beide sind sich nicht unähnlich im Spiel, klassiche britische Stürmer die mehr mit Wucht denn Grazie arbeiten. Beide scheinen auch ein, zwei Jährchen über ihren Zenit hinaus zu sein, spielen und treffen aber immer noch regelmäßig. Dahinter wird es etwas düsterer - Massimiliano Vieri (Bruder vom Christian) sitzt mittlerweile beim AC Arezzo (Italiens zweite Liga) auf der Bank, und wird deshalb wohl nicht zur WM fahren. Archie Thompson sitzt immerhin beim PSV Eindhoven auf der Bank, und hat letztes Jahr in Lierse (Belgien) und die erste Halbsaison dieses Jahres bei Melbourne Victory gut getroffen. Damit dürfte er es bei zum derzeitigen Stand auf die Bank schaffen. David Zdrilic (Sydney FC) ist so ausser Form, das das wohl für ihn nichts wird. Der Mann ist aber auch in Bestform einfach nicht gut genug für eine WM. So steigen die Chancen für Mile Sterjovski (FC Basel), Alex Brosque (Queensland Roar), Brett Holman (Excelsior Rotterdam) und Scott McDonald (FC Motherwell, Schottland). Die jungen Holman und McDonald machen für mich hinter Aloisi und Viduka den weitaus besten Eindruck, da sie beide erst dieses Jahr ihre ersten Einsätze hatten wird es wohl eng werden mit ihrer Nominierung. Bei der augenblicklichen Form von Thompson und Co ist man hoffentlich wagemutig. Dieser Sturm verbreitet nicht gerade Angst und Schrecken, auch wenn die ersten beiden Leute schon richtig gut sind.
Chancen:
Man hat eine sehr gestandene Mannschaft, die körperlich enorm stark ist und kämpferisch fast alle anderen Teams in den Schatten stellen wird. Dazu kann man hart und böse spielen, wenn man will. Leider hat man eine extrem spielstarke und technische Gruppe erwischt, was einem garnicht entgegen kommt. Das erste Spiel gegen Japan ist gleich ein Endspiel, ein Kampf zweier völlig unterschiedlicher Philosophien, mit nur einer Gemeinsamkeit: Man läuft gerne viel. Brasilien wird man nicht ernsthaft fordern können, zu langsam die Verteidigung. Gegen Kroatien ist dann wieder was drin - wenn es da noch um was geht wird das die härteste Partie des Turniers. Sollte man es wider erwarten weiter schaffen, warten Tschechen oder Italiener, mit anderen Worten ist dann also Schluss.
*Tiara noch mehr zu tun geb*
