Südkorea
Den vierten Platz im eigenen Land hat Südkorea in den letzten vier Jahren eher nicht ganz bestätigen können. Bei der Asienmeisterschaft gab es ein frühes Aus gegen den Iran, in der Qualifikation war es zunächst knapp gegen den Libanon (nicht gerade eine Fussballweltmacht), dann etwas überzeugender in der Endrunde. Geglänzt hat man aber nicht, genauso wenig wie in den Freundschaftsspielen seit der geschafften Qualifikation. Das größte Plus, im Vergleich zu vor vier Jahren, ist sicherlich das es gleich mehrere Spieler geschafft haben, richtige Leistungsträger bei ihren europäischen Clubs zu werden. Auf der anderen Seite fehlt diesmal der Luxus der Intensivvorbereitung - vor vier Jahren hatte im Vorfeld der WM sogar die südkoreanische Liga pausiert.
Was man spielt:
Der südkoreanische Fussball ist wohl bekannt, und baut auf extreme Laufbereitschaft basierend auf einer großartigen Fitness. Da man oft körperliche Defizite wettmachen muss (man ist halt nicht so groß), ist ständiges Stören im Mittelfeld ein Muß. Dafür hat man klasse Leute, gerade auf den defensiven Mittelfeldpositionen ist Südkorea traditionell mehr als gut besetzt. Manchmal sieht das südkoreanische Spiel etwas bieder aus, da spektakuläre Einzelaktionen nur wenigen Offensivkräften vorbehalten sind. Wir können also, wie eigentlich immer, "Die Mannschaft ist der Star"-Fussball basierend auf schnellem Kurzpaßspiel erwarten.
Das Personal
Torwart: 6,0
Woon-Jae Lee von Suwon Samsung, ganz erfahrener Mann, harmoniert gut mit seiner Abwehr, seit Jahren der beständigste südkoreanische Tormann. Nicht der Größte, aber wie alle Südkoreaner sprungkräftig. Sein erster Ersatzmann ist Young-Kwan Kim (Chunnam Dragons), nach der WM wohl die neue Nummer 1. Keine große Torhüternation, was vorerst auch so bleibt.
Abwehr: 6,0
Man agiert meißt eher mit Dreier- als Viererkette, und hat dafür ein verstärktes defensives Mittelfeld. Man setzt hinten auf große, robuste Spieler. Am bekanntesten ist wohl Veteran Jin-Cheul Choi (Chonbuk Motors), als Organisator des Abwehrzentrums. Neben ihm erwartet man Kyung-Youl Yoo (Ulsan Tigers) und den jungen Jin-Kyu Kim (Jubilo Iwata in Japan), die im letzten Jahr erfahrenere Spieler wie Sang-Chul Yoo verdrängt haben. Young-Chul Kim (Seongnam Ilhwa) scheint der letzte gesetzte Spieler ganz hinten zu sein, es könnte Platz sein für einen der Debütanten von diesem Jahr. Warscheinlichster Kandidat ist Hak-Young Jang von Seongnam Ilhwa, der auch links spielen, und damit die Abwehr zur Viererkette erweitern, kann. Da mehrere der defensiven Mittelfeldspieler auch in der Abwehr fungieren können, könnte es das auch schon gewesen sein mit reinen Abwehrspielern. Eine relativ neue Formation, die wahrlich nicht immer sattelfest in den letzten Monaten aussah.
Mittelfeld: 7,5
Hier steht oder fällt das südkoreanische Spiel. Entweder setzt man auf die offensive Raute mit drei Stürmern oder es gibt ein dichtbepacktes defensives Mittelfeld mit zwei bis drei wütenden Terriern. Letztere Variante hat einen vor vier Jahren stark gemacht, kann gut sein das wir genau dieses Spiel wieder zu Gesicht bekommen. Im Endeffekt ist es aber fast egal, im Spiel wird man in jedem System versuchen in einem engen Mittelfeld mit jeweils drei angreifenden Spielern den ballführenden gegnerischen Spieler zu attackieren, und das 90 Minuten lang. Zwei phantastische Spieler, die jeder Mannschaft der Welt gut zu Gesicht ständen, sind Garant für diesen Kampf um jeden Mittelfeldmillimeter. Da ist zum einen Young-Pyo Lee von Tottenham, einer der wohl bissigsten Spielantreiber der Premier League. Er kann natürlich auch (wie bei Tottenham, wo er oft links hinten spielt) in der Abwehr eingesetzt werden. Beim PSV ist Lee auf Anhieb Stammspieler gewesen, bei Tottenham ebenso. Kein Wunder, der Mann ist ein taktischer Riese, der sich immer voll in den Dienst der Mannschaft haut. Zum anderen ist da Ji-Sung Park von Manchester United, er eher für die Offensive und das Flügelspiel zuständig. Ebenfalls mit einem Riesenkämpferherz gesegnet, ebenfalls auf Anhieb in der Premier League Fuß gefasst. Neben diesen beiden, auf jeden Fall gesetzten Spielern, hat man eine große Auswahl an tüchtigen, taktisch variablen Mitstreitern. Dong-Jin Kim (FC Seoul) wird wohl ins defensive Mittelfeld rücken, er ist einer diesaer Spieler bei denen man jetzt schon weiss das sie nach der WM keinesfalls mehr in Südkorea spielen werden. Wie Young-Pyo Lee kann auch er problemlos in die Abwehr rücken, als kopfballstarker Mann ist er eine echte Alternative fürs Zentrum. Beeindruckt durch seine Abgeklärtheit. Chun-Soo Lee ist nach einer eher mäßig erfolgreichen Zeit in Spanien zu Ulsan zurückgekehrt, und scheint für die rechte Seite prädestiniert. Er ist ein klassisches südkoreanisches Aufziehmännchen. Auch Nam-Il Kim (Suwon Samsung) hat den Sprung zurück ins Team geschafft, der immer wie von Sinnen rackernde Mann mit Hang zu grellen Haarfarben ist manchen vielleicht noch mit seinen famosen Auftritten bei der letzten WM in Erinnerung. Ähnliches gilt für Eul-Young Lee (Trabzonspor in der Türkei), erste Alternative für die linke Seite, oder auch für die Defensive. Für rechts kommt noch Jung-Woo Kim in Frage, junger Mann von Nagoya Grampus (Japan), für das Zentrum Do-Heon Kim (Seongnam), für die Defensive das Küken Ji-Hoon Baek (FC Seoul). Das ist insgesamt ganz schön stark, die nachrückende Generation scheint den schon hohen Standard des südkoreanischen Spiels halten zu können. Noch läuft nicht alles so gut geölt wie vor vier Jahren, von der Substanz her ist man aber sogar stärker geworden.
Sturm: 5,0
Ich nenne zwei Namen, und wir kennen das Problem: Jung Hwan Ahn (MSV Duisburg) und Doo-Ri Cha (Eintracht Frankfurt). Man trifft also nicht oft genug. Ahn hat eine ganz indiskutable Saison bei Duisburg, Cha eigentlich eine gute bei Frankfurt, torgefährlich wird der aber nicht mehr in diesem Leben. Immerhin, ballgewandt und schnell sind bekanntlich beide. Etwas besser läuft es für Aussenstürmer (Südkorea bringt traditionell 5 Flügelstürmer pro Mittelstürmer heraus, das dürfte nur in Mexico ähnlich schlimm sein) Ki-Hyeon Seol von den Wolverhampton Wanderers in der zweiten englischen Liga, ein Goalgetter ist halt auch der nicht. Damit bleibt für das Sturmzentrum wohl vor allem Dong-Gook Lee (Ja, Werder-Fans, ihr dürft jetzt grinsen), derzeit bei den Pohang Steelers. In der Nationalmannscht hat Lee eigentlich immer gut gespielt, Topstürmer sehen aber anders aus. Vor diesem Hintergrund steigen die Chancen für Chu-Young Park (FC Seoul), ähnlich wie Ahn eigentlich ein sehr offensiver Mittelfeldspieler, aber so jemand wird bei Südkoreas Stürmernot sofort umfunktioniert. Wohl zurecht, Park hat zuletzt am besten getroffen. Weitere Alternativen: Kyung-Ho Chung (Gwangju Sangmu), Jae-Jin Cho (Shimizu S-Pulse, Japan) und Jo-Guk Jung (FC Seoul). Man hat damit jede Menge wuseliger, spielstarker Stürmer, die aber eher selten das Tor treffen, das Portugalsyndrom der 90er also. Bei der letzten WM hat man diesen Umstand durch viel Mittelfeldunterstützung wettmachen können, mal gucken ob das wieder gelingt.
Chancen:
Es wird ganz schön schwer werden, aber man hat in der Gruppe durchaus nicht so schlechte Chancen. Togo sollte man beherrschen, alleine schon durch die überlegene Organisation. Gegen Frankreich haben kompakte, kampfstarke Mannschaften, wie wir aus den letzten Jahren wissen, ganz hervorragende Aussichten, und die jungen Schweizer sind zwar sicherlich brillianter, werden aber von den alten südkoreanischen Hasen auf ne arge Probe gestellt werden. In der Runde danach könnte man auf Spanien treffen, den Viertelfinalgegner von 2002. Ein Duell, welches die nach Revanche dürstenden Iberer sehnlichst herbeiwünschen dürften.