Mexiko
Es ist schon die dreizehnte Teilnahme für die Dauerbrenner aus Mittelamerika, und in den letzten zwei Jahrzehnten hat man meißtens die Vorrunde überstehen können. Die Qualifikation konnte man lässig nebenher erledigen, und war auf dem besten Weg sich unter den besten Teams der Welt zu etablieren. Seit dem Confederations-Cup ist der Motor aber etwas ins Stocken geraten, es wurde viel mit dem Kader experimentiert, es gab Streit mit unzufriedenen Altstars, vor allem (wie immer) mit Cuautehmoc Blanco. Dabei ist der mexikanische Fussball eigentlich so stark wie noch nie, man spielt seit einigen Jahren in den südamerikanischen Clubwettbewerben und in der Copa America mit, und das hat dem immer etwas isolierten mexikanischen Fußball sehr gut getan.
Was man spielt:
Mexikos Fußball ist gut bekannt, er basiert auf hervorragender Technik, einem vorzüglichen taktischen Verständnis und kommt meißtens als feines, schnelles Kurzpaßspiel gewandet daher. Man bevorzugt tendenziell ein 4-4-2, ist aber gerade im Mittelfeld dank der fußballerischen Klasse der Spieler sehr variabel. Man neigt zu Undiszipliniertheiten und Nervenschwäche in entscheidenden Momenten, was Mexiko immer davon abgehalten hat mal den ganz großen Triumph einzufahren. Auf der anderen Seite kann man mit wirklich allen Teams der Welt mithalten, man hat in den letzten Jahren gegen fast alle großen Teams gespielt, und oft bestanden.
Das Personal (Vorläufiger 26-Mann-Kader)
Torwart: 7,5
Oswaldo Sanchez (CD Guadalajara) ist die klare Nummer 1, vielleicht der beste Torhüter den Mexiko je hatte, da er nicht so verrückt wie der legendäre Jorge Campos ist. Ungewöhnlich ruhig und abgeklärt für einen lateinamerikanischen Tormann. Die Ersatztorhüterposten wurden regelmäßig gewechselt, letzendlich durchgesetzt haben sichl Jose Corona (UAG Tecos Guadalajara) und der junge Francisco Ochoa von America Mexiko City. Für Mexiko ist das relativ beruhigend, wir haben da ja schon unfassbare Gurken gesehen.
Abwehr: 8,0
Klarer Chef ist Rafael Marquez vom FC Barcelona, einer der besten und elegantesten Innenverteidiger der Welt. Unnötig ihn zu loben, hat praktisch keine Schwächen bis auf sein Temperament. Sein nomineller Partner ist Francisco Rodriguez (CD Guadalajara), ein auch sehr sicherer und kopfballstarker Spieler, der allerdings angeschlagen ist. Kann deshalb sein das ihn Ricardo Osorio (Cruz Azul Mexiko City) in die Startelf rückt, nicht so kopfballstark wie Rodriguez, hat ihn aber meißtens sehr gut vertreten. Carlos Salcido (CD Guadalajara) spielt auf der rechten Verteidigerposition, die erste von traditionell sehr vielen schnellen Wuselmäusen im mexikanischen Spiel und ein großer Kämpfer. Für ihn spielt manchmal auch der erfahrenere Mario Mendez (CD Monterrey), ein ähnlicher Spielertyp. Gonzalo Pineda hat sich zuletzt immer mehr auf der mexikanischen Problemseite, also links, durchgesetzt. Der junge Mann vom CD Guadalajara ist zwar aufgrund seiner harten Spielweise (Die kleinsten Mexikaner treten oft am schlimmsten) ein latentes Risiko, gibt aber schon die Portion Extrabiss mit die man bei einer WM gerne hat. Sein Ersatzmann ist der ruhigere Jose Castro (America Mexiko City). Dazu hat man in Joel Huiqui (Cruz Azul Mexiko City) noch den kommenden Mann auf der Innenverteidigerposition im vorläufigen Aufgebot, sowie Jose Guardado, ein Spieler für alle Positionen auf der linken Seite von Atlas Guadalajara. Und dann ist für alle Nostalgiker da noch ein ganz besonderer Name, nämlich der vom 37-jährigen Claudio Suarez (CD Chivas USA). Falls der Veteran den Sprung nach Deutschland schafft, könnte er dort möglicherweise die 180 Länderspiele vollmachen. Eine feine Verteidigung hat sich Mexiko da aufgebaut, alle Positionen wird man wohl stark besetzen können.
Mittelfeld: 8,0
Hier war viel experimentieren angesagt, einige Veteranen schwächelten, der Nachwuchs drängte sich nicht so stark auf wie in der Verteidigung. Das wichtigste neue Gesicht ist auch ein älteres, nämlich das des eingebürgerten Brasilianers Antonio Matias, genannt Zinha (Toluca). Zinha spielt direkt hinter den Spitzen, er ist ein echter Spielmacher mit großer Übersicht und einer fantastischen Ballverwertung. Dazu ein übles Rauhbein - und leider noch verletzt. Es wird knapp mit ihm und der WM, im vorläufigen Aufgebot ist er aber. Jaime Lozano spielt im linken Mittelfeld, oder rückt, weil es da ja etwas mangelt, auf die linke Verteidigerposition. Da ist der extrem torgefährliche Lozano allerdings immer etwas verschenkt. Sein Gegenpart auf rechts wird wohl Luis Perez (CD Monterrey), wobei der auch Spielmacherqualitäten hat, hinter Zinha aber zurückstecken muss. Sollte Zinha ausfallen, rückt Perez in die Mitte und rechts kommt mit Pavel Pardo der nächste altbekannte Name ins Spiel. Pardo ist mit fast 30 ein genauso humorloser und bissiger Spieler wie gehabt. Gerrardo Torrado (Cruz Azul Mexiko City) ist eine weitere zentrale Option, er gibt eher den defensiven Part neben den offensiven Zinha oder Perez. Nach ein paar mäßigen Jahren in Spanien ist Torrado zu Hause wieder zu absoluter Höchstform aufgelaufen, und wird in der Nationelf zumeißt mindestens eingewechselt. Eine weitere Alternative für die rechte Seite ist Israel Lopez (Toluca), noch einer der fehlende Körpergröße mit Hang zur Überhärte meint kompensieren zu müssen. Völlig überraschend steht auch wieder Jesus Arellano (CD Monterrey) im Kader, aber der alte Herr hat halt in der Liga aufgetrumpft wie selten. Mit Ramon Morales (CD Guadalajara) und Jose Rafael Garcia (Atlas Guadalajara) hat man noch zwei Veteranen für die linke Seite im vorläufigen Aufgebot, die für ihr spektakuläres Spiel bekannt sind. So wie man überhaupt loben muss, das Trainer La Volpe sich im Mittelfeld eher für risikoreiche Spieler entschieden hat. Allerdings größtenteils auch für alte Säcke, bei denen nicht klar ist ob die Luft für ein langes Turnier reicht. Ansonsten ist diese Vorauswahl von neun Leuten der feuchte Traum von Volker Finke - bessere Leute für Kurzpasspiel gibt es nicht.
Sturm: 7,5
Cuauhtemoc Blanco ist draussen - und in Mexiko tobt der Boulevard. Der Supertrickser hat sich wohl einmal zu oft mit dem Trainer überworfen. So scheint das erste Sturmduo jetzt völlig klar, Borgetti und Fonseca müssen ran. Jared Borgetti trifft für Mexiko wie noch nie ein Stürmer zuvor, seine Saison bei den Bolton Wanderers war allerdings enttäuschend, da war Borgetti nur einer von vielen. Seine legendäre Kopfballstärke werden wir trotzdem bewundern dürfen, in der Nationalelf ist er völlig unumstritten. Genauso wie seit einiger Zeit Francisco Fonseca (Cruz Azul Mexiko City), der sich glänzend mit Borgetti versteht und in Mexikos Liga sowie international seit Jahren beständig trifft. Beide sind Leute fürs Zentrum. Mehr über die Flügel kommt Guillermo Franco (FC Villarreal, da voll eingeschlagen), obwohl er der deutlich größte mexikanische Stürmer ist. Franco ist gebürtiger Argentinier, und darf erst seit 2004 für Mexiko ran. Der letzte im Bunde ist Allrounder Omar Bravo (CD Guadajara), lange Zeit klassischer Einwechselmann, aber seit Anfang des Jahres mit immer mehr Einsatzzeit. Das ist für Mexiko ein sehr starker Sturm, und rundet die Mannschaft gut ab.
Chancen:
Ob man mal mehr sein kann als ein sich gut schlagender Geheimfavorit? Die Vorrundengruppe wird in der mexikanischen Presse im allgemeinen als lachhaft angesehen, den Iran redet man sich kleiner als er ist, wird da doch von Pflichtsieg geschrieben. Angola ist sicherlich keine Konkurrenz, das letzte Spiel gegen Portugal muss dann um den Gruppensieg entscheiden - so zumindest die Theorie. Ganz so einfach wird das mit Gruppenplatz zwei dann wohl doch eher nicht, der Iran ist kein Spaziergang. In Runde zwei warten Argentinien oder Holland - da steht uns ein technisch feines Duell ins Haus. Warscheinlich ist Achtelfinale mal wieder ein guter Tip.