Schweden
Als absoluter WM-Dauerbrenner hat man sich bereits zur zehnten WM qualifiziert, man konnte sich einen relativ lockeren Zweikampf mit den Kroaten liefern, aus dem am Schluß beide Mannschaften erfolgreich hervorgingen, da man den Rest der Gruppe in Grund und Boden schoss. Die Schweden bringen in regelmäßigen Abständen Mannschaften heraus, die mit der Weltelite mithalten können, die Spieler gehen gerne ins Ausland und spielen in allen großen Ligen. Die Leistungen der Mannschaft schwanken allerdings sehr stark, mal ist man Weltklasse, mal konfuser Hühnerhaufen.
Was man spielt:
Traditionell baut man auf eine starke Abwehr mit langen Kerls auf, spielt körperbetonten Systemfußball und gewinnt viele Kopfbälle. Ein Spiel wie Ikea. Seit einigen Jahren funktioniert das nicht mehr, da die spektakulären Offensivspieler derzeit nicht nur klar in der Mehrheit sind, man hat noch dazu Probleme mit der Stabilität in der Abwehr. Es ist also alles anders, man spielt vollkommen durchgeknallten, überragenden Offensivfussball, aufbauend auf einer mehr als wackeligen Defensive. Die individuellen Fähigkeiten vieler Spieler verführen leider auch dazu, taktisch sehr schlampig zu agieren - eigentlich spielt man schon fast wie Brasilien, bzw. halt das was dabei rauskommt wenn kühle Nordmänner Brasilien spielen. Man agiert gerne mit drei Stürmern, wobei das gerne getoppt wird mit zu Mittelfeldspielern umfunktionierten Stürmern. Mal gibt es eine Dreierkette, mal ist man zu viert, aber hinten wird vor allem gekämpft.
Das Personal (Endgültiger Kader)
Torwart: 8,5
Andreas Isaksson von Stade Rennes ist die klare Nummer 1, der erste der dies nach dem großen Thomas Ravelli mit Fug und Recht behaupten kann. Feinste skandinavische Torhüterschule. Die zwei Ersatzmänner sind überraschend im Team, es sind dies der junge John Alvbage (Viborg FF, Dänemark) und Rami Shabaan (Fredrikstad FK, Norwegen). Mit Shaaban hat wohl niemand gerechnet, der gebürtige Ägypter hatte sehr wenig erfolgreiche Jahre in England. Egal, zum Einsatz wird er wohl nicht kommen, die beiden anderen sind Klasse.
Abwehr: 7,0
Trotz eigentlich guter Besetzung sieht die Abwehr verwundbar aus. Angeführt wird so von Olof Mellberg (Aston Villa), spielt entweder innen oder ganz rechts. Letzteres ist nach dem überraschenden Verzicht auf Alexander Östlund sogar sehr warscheinlich. Mellberg ist ein harter Hund wie man ihn im englischen Fußball liebt, ein echtes Konditions- und Einsatzwunder. Teddy Lucic (Häcken Göteborg) gibt entweder einen echten Innenverteidiger oder rückt links raus - bei dem Herrn, der wie bekannt für Leverkusen viel zu langsam war, fragt man sich wirklich ob die Schweden da inzwischen nichts besseres haben, aber falls ja, lassen sie es uns nicht wissen. Der eigentliche Mann für die linke Abwehrseite heißt aber Erik Edman, spielt bei Stade Rennes, und tut dies ganz hervorragend. Wenn die Schweden so etwas wie einen eleganten Verteidiger haben, dann ist es Edman, der hinten dringend benötigte Spielkultur bringt. Den zweiten Innenverteidiger wird wohl Petter Hansson (SC Heerenveen) geben, unspektakulärer und kopfballstarker Standardschwedenverteidiger. Mikael Nilsson (Panathinaikos Athen) könnte rechts einspringen, oder auch als rechter Mittelfeldspieler Verwendung finden. Er ist ein unaufgeregter, solider Spieler. Die letzten zwei Leute sind wieder etwas überraschend an Bord, ist ja eher seltsam das man eine Verjüngung (die wirklich nötig war) einfach mal direkt bei einem Turnier unternimmt, aber die Schweden tun es. Und so hat Fredrik Stenman von Bayer Leverkusen den Sprung geschafft, ohne bisher ein Länderspiel auf dem Konto zu haben. Stenman ist als Linksallrounder aber natürlich auch interessant als Ersatzspieler. Karl Svensson (IFK Göteborg) ist ein großes Talent auf der Innenverteidigerposition, ne WM kommt aber vielleicht etwas früh. Der Versuch, die in den letzten Jahren offenkundigen Probleme abzustellen, ist sichtbar und ehrenhaft. Obs gelingt wird man sehen, gegen schnelle Stürmer erscheint man doch sehr angreifbar.
Mittelfeld: 7,5
Der bekannteste Mann spielt auf der linken Seite, Freddy Ljungberg von Arsenal London. In seinen besten Spielen definiert Ljungberg wie ein linker offensiver Mittelfeldakteur spielen muss, in seinen schlechten Spielen ist er immer noch in Ordnung, weil der Einsatz stimmt. Viel wichtiger für Erfolg und Mißerfolg des Teams ist aber sicherlich Tobias Linderoth (FC Kopenhagen), Abfangjäger im defensiven Mittelfeld. Wenn Linderoth gut spielt, gewinnt Schweden meißtens, so einfach ist die Rechnung. Ist ja auch klar, bei den ganzen Offensivhanseln im schwedischen Mittelfeld. Christian Wilhelmsson (RSC Anderlecht) ist da der nächste Kandidat. Er ist sozusagen das Pendant zu Ljungberg auf rechts, ebenfalls heillos offensiv. Offensiv dürfte Anders Svensson (Elfsborg Boras, nach starken Jahren bei Southampton) das Mittelfeld komplettieren, so denn man 3-4-3 oder 4-4-2 spielt. Svensson ist gefürchtet für seine Distanzschüsse, im schwedischen Spiel allerings vor allem der Mann für den letzten und vorletzten Pass in die Spitze. Auf der Ersatzbank finden wir dann ein buntes Gemisch aus sehr verschiedenen Alternativen. Niclas Alexandersson (IFK Göteborg), der inzwischen 34-jährige Veteran für die rechte Seite, als defensivere Variante zu Wilhelmsson. Der alte Mann ist bombenfit und bekommt immer noch erstaunlich viel Spielzeit. Kim Källström, der nächste aus der schwedischen Riege bei Stade Rennes, ist der Ersatzmann fürs zentrale oder offensive Mittelfeld. Er ist enorm torgefährlich und eigentlich viel zu stark für die Bank, aber man kann halt nicht nur Verrückte aufstellen. Will man noch mehr Ruhe ins Geschehen bringen, so schlägt die Stunde für Daniel Andersson (Malmö FF), erfahrener Ballhalter und großer Kämpfer. Und schließlich hat man noch Mattias Jonson (Djurgarden Stockholm)dabei, noch ein Ex-Stürmer-Veteran, der sich im Laufe seiner Karriere zu einem linken Flügelstürmer/Außenspieler entwickelt hat. Er wird oft im Laufe des Spieles eingewechselt. Das ist ein offensivstarkes Mittelfeld, in dem sich keiner der defensiver ausgerichteten Männer verletzen darf. Etwas zu wagemutig für ein großes Turnier, aber schon sehr sympathisch.
Sturm: 9,0
Henke Larsson (FC Barcelona) und Zlatan Ibrahimovic (Juventus Turin) bilden eines der internationalen Sturmduos die wirklich Angst und Schrecken verbreiten. Larsson ist seit seinem Comeback für Schweden so eine Art Gute-Laune-Onkel mit eingebauter Torgarantie, Ibr5ahimovic wohl einer der gerissensten Instinktfussballer im aktuellen Geschehen. Zusammen treffen sie seit Jahren wie doof für die Nordländer. Ewiger Einwechselmittelstürmer ist Marcus Allbäck (FC Kopenhagen), der in den stärksten Ligen Europas immer etwas Probleme hatte, bei den Vereinen der zweiten Reihe aber normalerweise trifft - genauso wie für Schweden. Offensivallrounder Johan Elmander (Bröndy Kopenhagen) hat sich in den letzten Jahren zunehmend in den Vordergrund gespielt, der sehr mannschaftsdienliche Spieler hatte eine starke Saison mit Bröndby. Letzter Mann, und ein Riesentalent, ist Markus Rosenberg, Flügelstürmer von Ajax Amsterdam. Rosenberg ist wie eine Bombe bei Ajax eingeschlagen, hat glänzend getroffen und ist erst in den letzten Wochen ein ganz klein wenig eingeknickt - ansonsten wäre er fast schon ein Kandidat für die Stammelf geworden. Einen Supersturm haben die Schweden da, sicherlich eines der offensiv am stärksten besetzten Teams der Welt.
Chancen:
Bei der EM hat man schon groß aufgetrumpft, bei der WM will man Larsson mit einem guten Abschneiden das Karriereende versüßen. Dazu hat man sich eine bis auf Trinidad gemeine Vorrundengruppe ausgesucht, in der die Schweden einiges tun werden müssen um weiterzukommen. Im zweiten Spiel gegen Paraguay geht es schon um sehr viel, die Defensivkünstler aus Südamerika scheinen sich mit den Schweden ungefähr auf Augenhöhe zu befinden. Sollte das schief gehen, so hat man im letzten Gruppenspiel gegen England die Chance Landsmann Sven-Göran Eriksson einen richtigen Scheißabschied von der Insel zu bereiten. Wenn das Turnier normal läuft, ist Schweden der warscheinlichste Gegner von Deutschland im Achtelfinale. Harter Brocken.