Viel zu früh und doch schon da: WM 2006-Thread

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Rain said:
*malvorsichtigumdieeckeschielunddabeiaugenundohrenlieberzuhalt*

Das muss ich jetzt ja mal loswerden: nachdem ich schon vorweg von der WM total genervt war wegen der ganzen doofen Werbung und dem Fimmel, dass zur Zeit überhaupt alles irgendwie Fußballfarbe oder Form oder Länderfarbe oder weiß der Geier was nicht noch alles (wahrscheinlich gibt es bald auch Fußballgeschmack...) hat, hab ich mich gestern mit der WM versöhnt!:)

Das hier is nämlich echt lecker! Und es erinnert mich an Norwegen, da gabs nämlich so ein ähnliches Eis!:):D:p


Hmm, Fußballgeschmack. Ist das dann so Old-School-Lederflavour mit einem Tick Bienenwachs vom Lederöl oder eher so wie Kunststoffsachen riechen, wenn sie neu sind? Dann möchte ich bitte erstere Geschmacksrichtung haben.

Aber es gibt so einen Ecken-Joghurt "Weltmeister-Ecke", mit grünem Joghurt und so Knusper-Schoko-Kugeln, die Fußbälle darstellen sollen. Auch lecker. Was soll man mit Plüschtieren ohne Hose, wo die Hersteller nur dran pleitegehen? :(
Dann doch lieber den Merchandise-Scheiß zum Essen, das ist dann auch irgendwann wieder weg, spätestens zur nächsten EM muß es aus dem Regal verschwunden sein, weil's abgelaufen ist... :D
 

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Aug 15, 2002
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Schweden

Als absoluter WM-Dauerbrenner hat man sich bereits zur zehnten WM qualifiziert, man konnte sich einen relativ lockeren Zweikampf mit den Kroaten liefern, aus dem am Schluß beide Mannschaften erfolgreich hervorgingen, da man den Rest der Gruppe in Grund und Boden schoss. Die Schweden bringen in regelmäßigen Abständen Mannschaften heraus, die mit der Weltelite mithalten können, die Spieler gehen gerne ins Ausland und spielen in allen großen Ligen. Die Leistungen der Mannschaft schwanken allerdings sehr stark, mal ist man Weltklasse, mal konfuser Hühnerhaufen.

Was man spielt:
Traditionell baut man auf eine starke Abwehr mit langen Kerls auf, spielt körperbetonten Systemfußball und gewinnt viele Kopfbälle. Ein Spiel wie Ikea. Seit einigen Jahren funktioniert das nicht mehr, da die spektakulären Offensivspieler derzeit nicht nur klar in der Mehrheit sind, man hat noch dazu Probleme mit der Stabilität in der Abwehr. Es ist also alles anders, man spielt vollkommen durchgeknallten, überragenden Offensivfussball, aufbauend auf einer mehr als wackeligen Defensive. Die individuellen Fähigkeiten vieler Spieler verführen leider auch dazu, taktisch sehr schlampig zu agieren - eigentlich spielt man schon fast wie Brasilien, bzw. halt das was dabei rauskommt wenn kühle Nordmänner Brasilien spielen. Man agiert gerne mit drei Stürmern, wobei das gerne getoppt wird mit zu Mittelfeldspielern umfunktionierten Stürmern. Mal gibt es eine Dreierkette, mal ist man zu viert, aber hinten wird vor allem gekämpft.

Das Personal (Endgültiger Kader)

Torwart: 8,5
Andreas Isaksson von Stade Rennes ist die klare Nummer 1, der erste der dies nach dem großen Thomas Ravelli mit Fug und Recht behaupten kann. Feinste skandinavische Torhüterschule. Die zwei Ersatzmänner sind überraschend im Team, es sind dies der junge John Alvbage (Viborg FF, Dänemark) und Rami Shabaan (Fredrikstad FK, Norwegen). Mit Shaaban hat wohl niemand gerechnet, der gebürtige Ägypter hatte sehr wenig erfolgreiche Jahre in England. Egal, zum Einsatz wird er wohl nicht kommen, die beiden anderen sind Klasse.


Abwehr: 7,0
Trotz eigentlich guter Besetzung sieht die Abwehr verwundbar aus. Angeführt wird so von Olof Mellberg (Aston Villa), spielt entweder innen oder ganz rechts. Letzteres ist nach dem überraschenden Verzicht auf Alexander Östlund sogar sehr warscheinlich. Mellberg ist ein harter Hund wie man ihn im englischen Fußball liebt, ein echtes Konditions- und Einsatzwunder. Teddy Lucic (Häcken Göteborg) gibt entweder einen echten Innenverteidiger oder rückt links raus - bei dem Herrn, der wie bekannt für Leverkusen viel zu langsam war, fragt man sich wirklich ob die Schweden da inzwischen nichts besseres haben, aber falls ja, lassen sie es uns nicht wissen. Der eigentliche Mann für die linke Abwehrseite heißt aber Erik Edman, spielt bei Stade Rennes, und tut dies ganz hervorragend. Wenn die Schweden so etwas wie einen eleganten Verteidiger haben, dann ist es Edman, der hinten dringend benötigte Spielkultur bringt. Den zweiten Innenverteidiger wird wohl Petter Hansson (SC Heerenveen) geben, unspektakulärer und kopfballstarker Standardschwedenverteidiger. Mikael Nilsson (Panathinaikos Athen) könnte rechts einspringen, oder auch als rechter Mittelfeldspieler Verwendung finden. Er ist ein unaufgeregter, solider Spieler. Die letzten zwei Leute sind wieder etwas überraschend an Bord, ist ja eher seltsam das man eine Verjüngung (die wirklich nötig war) einfach mal direkt bei einem Turnier unternimmt, aber die Schweden tun es. Und so hat Fredrik Stenman von Bayer Leverkusen den Sprung geschafft, ohne bisher ein Länderspiel auf dem Konto zu haben. Stenman ist als Linksallrounder aber natürlich auch interessant als Ersatzspieler. Karl Svensson (IFK Göteborg) ist ein großes Talent auf der Innenverteidigerposition, ne WM kommt aber vielleicht etwas früh. Der Versuch, die in den letzten Jahren offenkundigen Probleme abzustellen, ist sichtbar und ehrenhaft. Obs gelingt wird man sehen, gegen schnelle Stürmer erscheint man doch sehr angreifbar.

Mittelfeld: 7,5
Der bekannteste Mann spielt auf der linken Seite, Freddy Ljungberg von Arsenal London. In seinen besten Spielen definiert Ljungberg wie ein linker offensiver Mittelfeldakteur spielen muss, in seinen schlechten Spielen ist er immer noch in Ordnung, weil der Einsatz stimmt. Viel wichtiger für Erfolg und Mißerfolg des Teams ist aber sicherlich Tobias Linderoth (FC Kopenhagen), Abfangjäger im defensiven Mittelfeld. Wenn Linderoth gut spielt, gewinnt Schweden meißtens, so einfach ist die Rechnung. Ist ja auch klar, bei den ganzen Offensivhanseln im schwedischen Mittelfeld. Christian Wilhelmsson (RSC Anderlecht) ist da der nächste Kandidat. Er ist sozusagen das Pendant zu Ljungberg auf rechts, ebenfalls heillos offensiv. Offensiv dürfte Anders Svensson (Elfsborg Boras, nach starken Jahren bei Southampton) das Mittelfeld komplettieren, so denn man 3-4-3 oder 4-4-2 spielt. Svensson ist gefürchtet für seine Distanzschüsse, im schwedischen Spiel allerings vor allem der Mann für den letzten und vorletzten Pass in die Spitze. Auf der Ersatzbank finden wir dann ein buntes Gemisch aus sehr verschiedenen Alternativen. Niclas Alexandersson (IFK Göteborg), der inzwischen 34-jährige Veteran für die rechte Seite, als defensivere Variante zu Wilhelmsson. Der alte Mann ist bombenfit und bekommt immer noch erstaunlich viel Spielzeit. Kim Källström, der nächste aus der schwedischen Riege bei Stade Rennes, ist der Ersatzmann fürs zentrale oder offensive Mittelfeld. Er ist enorm torgefährlich und eigentlich viel zu stark für die Bank, aber man kann halt nicht nur Verrückte aufstellen. Will man noch mehr Ruhe ins Geschehen bringen, so schlägt die Stunde für Daniel Andersson (Malmö FF), erfahrener Ballhalter und großer Kämpfer. Und schließlich hat man noch Mattias Jonson (Djurgarden Stockholm)dabei, noch ein Ex-Stürmer-Veteran, der sich im Laufe seiner Karriere zu einem linken Flügelstürmer/Außenspieler entwickelt hat. Er wird oft im Laufe des Spieles eingewechselt. Das ist ein offensivstarkes Mittelfeld, in dem sich keiner der defensiver ausgerichteten Männer verletzen darf. Etwas zu wagemutig für ein großes Turnier, aber schon sehr sympathisch.


Sturm: 9,0
Henke Larsson (FC Barcelona) und Zlatan Ibrahimovic (Juventus Turin) bilden eines der internationalen Sturmduos die wirklich Angst und Schrecken verbreiten. Larsson ist seit seinem Comeback für Schweden so eine Art Gute-Laune-Onkel mit eingebauter Torgarantie, Ibr5ahimovic wohl einer der gerissensten Instinktfussballer im aktuellen Geschehen. Zusammen treffen sie seit Jahren wie doof für die Nordländer. Ewiger Einwechselmittelstürmer ist Marcus Allbäck (FC Kopenhagen), der in den stärksten Ligen Europas immer etwas Probleme hatte, bei den Vereinen der zweiten Reihe aber normalerweise trifft - genauso wie für Schweden. Offensivallrounder Johan Elmander (Bröndy Kopenhagen) hat sich in den letzten Jahren zunehmend in den Vordergrund gespielt, der sehr mannschaftsdienliche Spieler hatte eine starke Saison mit Bröndby. Letzter Mann, und ein Riesentalent, ist Markus Rosenberg, Flügelstürmer von Ajax Amsterdam. Rosenberg ist wie eine Bombe bei Ajax eingeschlagen, hat glänzend getroffen und ist erst in den letzten Wochen ein ganz klein wenig eingeknickt - ansonsten wäre er fast schon ein Kandidat für die Stammelf geworden. Einen Supersturm haben die Schweden da, sicherlich eines der offensiv am stärksten besetzten Teams der Welt.

Chancen:
Bei der EM hat man schon groß aufgetrumpft, bei der WM will man Larsson mit einem guten Abschneiden das Karriereende versüßen. Dazu hat man sich eine bis auf Trinidad gemeine Vorrundengruppe ausgesucht, in der die Schweden einiges tun werden müssen um weiterzukommen. Im zweiten Spiel gegen Paraguay geht es schon um sehr viel, die Defensivkünstler aus Südamerika scheinen sich mit den Schweden ungefähr auf Augenhöhe zu befinden. Sollte das schief gehen, so hat man im letzten Gruppenspiel gegen England die Chance Landsmann Sven-Göran Eriksson einen richtigen Scheißabschied von der Insel zu bereiten. Wenn das Turnier normal läuft, ist Schweden der warscheinlichste Gegner von Deutschland im Achtelfinale. Harter Brocken.
 

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Aug 15, 2002
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Deutschland

Eine der größten Fussballnationen lädt nach Hause zur WM - dann muss auch der Titel her. So zumindest die Theorie. In der Praxis hat international die Deutschen niemand so richtig auf der Rechnung, schließlich war man nach dem Titelgewinn 1990 nur noch zweimal Turniermannschaft, und die Ergebnisse gegen die arrivierten Teams der Weltspitze sind seit Jahren nicht berauschend. Jürgen Klinsmann übernahm zwei Jahre vor der WM einen ziemlichen Trümmerhaufen, und wagte notgedrungen (mit ungefähr 10 Jahren Verspätung) den großen Schnitt. Die junge deutsche Mannschaft schien bis zum Confederations-Cup auf dem richtigen Weg, seitdem stimmten die Leistungen aber nur noch ab und zu. Irgendwann man mal muss das Feuer gezündet werden, das bis zum Finale brennen soll.

Was man spielt:
Unter Klinsmann spielt man sehr viel offensiver als gewohnt, entweder ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute, oder ein 4-3-3. Anfängliche Experimente mit Dreierketten wurden recht schnell verworfen. Eine erste Elf scheint noch nicht ganz endgültig gefunden zu sein, hier werden wohl erst die letzten Vorbereitungsspiel wirklich Aufschluss geben. Ein konservativeres 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern ist eher schwer vorstellbar, da auf dieser Position sensationellerweise Mangel herrscht. Mangel an defensiven Mittelfeldspielern? In Deutschland? Das ist ungefähr so als ob Paraguay keine harten Innenverteidiger mehr produziert. Man ist also fast zur Offensive verdammt, was bei einem langen Turnier schwer werden könnte.

Das Personal

Torwart: 9,5
Jens Lehmann (Arsenal London) darf seine erste und letzte WM spielen. Er ist genauso ein Spitzenmann wie Oliver Kahn (Bayern München) und Timo Hildebrand (VfB Stuttgart). Ganz hinten nichts Neues, im deutschen Tor stehen bis auf Bodo Illgner keine Nieten, und sogar mit dem konnte man ja Weltmeister werden.

Abwehr: 7,0
Seinen Platz in der Innenverteidigung sicher hat wohl nur Per Mertesacker (Hannover 96). Das nüchterne Kopfballwunder ist wohl die Entdeckung des deutschen Teams in den letzten Jahren, und somit in in einer oft wackligen Abwehr eine echte Größe. Um den zweiten Platz streiten sich Christoph Metzelder (Borussia Dortmund), nach langwierigen Verletzungen immer besser in Schuss und der Last-Minute-Rückkehrer Jens Nowotny (Bayer Leverkusen). Robert Huth (Chelsea London) ist durch Nowotnys Mitnahme wohl ins zweite Glied gerutscht, die Vorstellung als Ersatzmann lediglich das bullige Sicherheitsrisiko Huth an Bord zu haben, hat Klinsmann dann wohl doch nicht schlafen lassen. So bleiben nur drei nominelle Plätze für die Außenverteidigerpositionen. Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), ursprünglich auch mal ein Mann für die Zentrale gewesen, spielt in der Nationalelf fast schon notgedrungen auf rechts, und macht dies im allgemeinen gut, ohne dabei besonders herauszuragen. Philipp Lahm (Bayern München) ist für links vorgesehen (und als Ersatzmann für die rechte Seite bzw. das defensive Mittelfeld), hat sich aber gerade verletzt und ist in dieser Hinsicht ja eh anfällig. So könnte die Stunde für Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach)schlagen, nach einer sehr starken Bundesligasaison eine spannende Option. Es lief nicht immer alles Rund in Deutschlands Verteidigung, und es ist schwer zu sehen wie man das jetzt noch abstellen will. Eigentlich ist das eine Verteidigung für 2008 oder 2010. Sie wird sehr weit über sich hinauswachsen müssen, will man eine Chance haben.

Mittelfeld: 8,0
Messias, Kopfballgott, Retter und offensiver Mitteldspieler in einem soll Michael Ballack (Bayern München) sein. Ob er wirklich so ein Gigant ist, wie es die Bildzeitung seit Jahren wissen will, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Er führt ein Mittelfeld an, bei dem ansonsten viele Fragezeichen hinter Spielsystem und Positionen stehen. Zwei sichere Kandidaten für die erste Elf sind aber noch im Kader: Bernd Schneider von Bayer Leverkusen und Torsten Frings von Werder Bremen. Schneider spielt in der Nationalelf fast immer rechts, selten rückt ér auch mal in die Zentrale. Frings spielt eigentlich immer da wo Platz frei ist, zentral, defensiv, rechts, egal eigentlich, er ist jedenfalls für den Kampf zuständig. Alle weiteren Spieler kommen je nach System und Spielvorstellungen hinzu. Bastian Schweinsteiger (Bayern München) kommt ins Spiel wenn man offensiv oder zentral Akzente setzen will, bei Tim Borowski (Werder Bremen) liegt der Fall ähnlich, nur ist der auch noch defensiv verwendbar, was auf Schweinsteiger wahrlich nicht zutrifft. Im defensiven Mittelfeld und auf links könnte Sebastian Kehl (Borussia Dortmund) Akzente setzen. Für diese Positionen kommt ansonsten nur noch Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart) in Frage, der nach einer quälenden Saison wohl nur mitreist weil den deutschen auf seinen Positionen halt Alternativen fehlen. Völlig überraschend ist auch noch David Odonkor (Borussia Dortmund) im Team, ein echter Rechtsaußen. Bei dem nicht allzu schnellen deutschen Mittelfeld möglicherweise eine interessante Idee. Ein recht spielfreudiges Mittelfeld hat man da, dem aber die große Klasse im internationalen Vergleich noch etwas abgeht, und das offensiv deutlich stärker erscheint als defensiv.

Sturm: 7,5
Über allen Konkurrenten strahlt hell der Stern von Miroslav Klose, der in den letzten Jahren die Entwicklung von einem starken Stürmer zu einem echten Ausnahmemann vollzogen hat. Vielleicht der kopfballstärkste Stürmer der Welt. Wahrscheinlichster Sturmpartner ist wohl Lukas Podolski (noch 1.FC Köln), und zwar nicht um den geklauten Polensturm vollzumachen, sondern um möglichst viele T-Shirts zu verkaufen und die WM mit strunzblöden Kommentaren in Dialekt zu versüßen. Bzw. weil der junge Mann halt in der Nationalelf trifft. Rückt ein dritter Stürmer in die Mannschaft, so weicht Podolski auf einen der Flügel aus. Der andere flügel wird dann von Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach) oder Gerald Asamoah (Schalke 04) übernommen, je nachdem obs filigran oder brachial funktionieren soll. Den letzten Platz hat sich überraschenderweise Mike Hanke (VfL Wolfsburg) gesichert, der erstmal noch für zwei Spiele gesperrt ist. Bis auf klose und mit Abstrichen Podolski fehlen auch hier die wirklich furchteinflößenden Namen.

Chancen:
Fortuna hat es gut gemeint, die Vorrundengruppe ist eigentlich nichts, denkt man. Aber in einer Hinsicht sind alle drei Gegner den Deutschen überlegen - die Spieler haben viel mehr Erfahrung. Trotzdem, das muss man packen. Und danach wird viel davon abhängen ob man sich bis dahin gefunden hat, und ob das mit dem Heimvorteil funktioniert. Spätestens im Viertelfinale gibt es die ganz unangenehmen Gegner, und bis dahin muss man also anders Fussball spielen als bisher. Gut möglich, das am Ende zwei Jahre zum Aufbau einer Mannschaft einfach nicht reichen werden.
 

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Aug 15, 2002
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Portugal

Im letzten Jahrzehnt hat Portugal seine traditionellen Probleme (sinnlose Schönspielerei, keine Stürmer) zunehmend überwunden, und ist seit 96 mit einer Ausnahme für alle Turniere qualifiziert gewesen. Die goldene Generation um Figo ist bis auf den Chef inzwischen abgetreten, aber die vorzügliche Jugendarbeit Portugals hat das Land in den letzten Jahren kontinuierlich mit Ausnahmespielern versorgt, die die alten Recken vergessen lassen. Die Qualifikation war ein Spaziergang, man zeigte den wohl überragendsten Fußball aller europäischen Mannschaften, nur gegen Liechtenstein tat man sich ausgerechnet etwas schwer. Man hat sich viel vorgenommen für die WM, der ziemlich klägliche Auftritt 2002 soll sich nicht wiederholen.

Was man spielt:
Man ist derzeit sehr offensiv ausgerichtet, und schwankt zwischen einem 4-4-2 und einem 4-3-3. Allerdings werden gerade im Mittelfeld und auf den Flügeln ständig die Positionen gewechselt, kein Wunder bei dieser Ansammlung von außergewöhnlich begabten Balltretern. Portugal versucht gegen jede Mannschaft immer Dominanz auszuüben und versteckt sich nie. Wenn die Mannschaft überhaupt Schwächen hat, dann bei Physis und Disziplin. Gerade wenn es nicht rund läuft, neigen die Portugiesen zum verzweifeln und beginnen sinnlose Dinge zu tun. Unter Scolari ist das aber viel besser geworden, und zumindest beim Trainer ist man sich sicher das er Weltmeister werden will.

Das Personal

Torwart: 7,5
Ricardo (Sporting Lissabon) ist die klare Nummer 1 - so einen hat Portugal sich schon lange gewünscht, groß und noch dazu extrem unaufgeregt. Quim (Benfica Lissabon) hatte sich als sein Ersatzmann etabliert, ist aber im Verein nur noch zweite Wahl und strahlt derzeit nicht viel Sicherheit aus. Dritter Mann ist der junge Bruno Vale, vom FC Porto an Estrela Amadora ausgeliehen und international noch unbekannt. Ricardo sollte sich besser mal nicht verletzen.

Abwehr: 8,0
Der wichtigste Mann fehlt verletzt - Jorge Andrade von Deportivo La Coruna. Eine harte Schwächung. Aber auch so hat man formidable Namen aufzubieten. Ricardo Carvalho (Chelsea London) rückt damit zum Abwehrchef auf, bekanntlich auch kein Schlechter. Rechts spielt sein Vereinskamerad Paulo Ferreira, links wohl Nuno Valente vom FC Everton. Die Abwehr hat also einen starken Premier-League-Anstrich, und erfüllt kämpferisch alle Erwartungen. Um den Platz neben Ricardo Carvalho streiten sich Caneira (Sporting Lissabon, kann auch auf rechts ausweichen), ein schneller und agressiver Mann, und Fernando Meira vom VfB Stuttgart, der derzeit etwas die Nase vorn zu haben scheint. Als Ersatz für rechts (Abwehr und Mittelfeld) ist noch Miguel im Aufgebot, der eine so starke Saison für den FC Valencia gespielt hat das Paulo Ferreira sogar etwas zittern muss. Die Abwehr wird abgerundet von Ricardo Costa (FC Porto), einem klassischen Innenverteidiger. Trotz des Ausfalls von Jorge Andrade ist das eine starke und eingeschworene Truppe ohne die typischen portugiesischen Krankheiten (Mickrige Innenverteidiger, schlimme Treter die immer rot bekommen).

Mittelfeld: 9,5
Luis Figo (Inter Mailand) bittet zu seinem letzten internationalen Tanz, und er tut dies immer noch als Rechtsaussenregisseurmittelfeldspieler oder wie auch immer seine Position heißt. Er scheint diesmal fit zu sein, und dann gehört er, wie man weiß, immer noch zu den Meistern seines Faches. Er spielt im 4-3-3 einen Rechtsaußen, im 4-4-2 bildet er ein offensives Mittelfeldpärchen mit dem eigentlichen Spielgestalter, Deco vom FC Barcelona. Besser kann man im offensiven Mittelfeld nicht aufgestellt sein, allenfalls die Tschechen waren da in den letzten Jahren ebenbürtig. Hinter diesen beiden, im zentralen oder rechten Mittelfeld, ist die Domäne von Maniche (Chelsea London). Der kleine Kämpfer ist spätestens durch seine fulminanten Auftritte bei der Euro 2004 ein Begriff. Die zweite Absicherung ist eigentlich seit Jahren Costinha, der ist aber nach seiner Zeit bei Dinamo Moskau derzeit ohne Verein und deshalb mit einem leichten Fragezeichen versehen. So könnte Petit (Benfica Lissabon) ins Team rutschen, der Mann spielt zwar oft jenseits der Grenze des erlaubten, seine Qualitäten als Abfangjäger sind aber unbestritten. Eher als Ergänzungsspieler sind die letzten zwei Herren zu sehen. Da ist zum einen Tiago von Olympique Lyon, so eine Art Ersatzspielgestalter, oder zum anderen die defensivere Variante Hugo Viana (FC Valencia), den es eher auf die linke Seite zieht. Meine Herren, was eine Ansammlung an Granaten!

Sturm: 8,5
Zentraler mann ist seit bald einem Jahrzehnt die Tormaschine Pauleta (FC Paris Saint Germain). Sein Platz im Zentrum ist völlig unangefochten, zurecht nachdem er mal wieder einsamer französischer Torschützenkönig geworden ist. Neben ihm ist der Platz von Cristiano Ronaldo (Manchester United), entweder als ständig die Position wechselnder zweiter Stürmer, oder noch öfter als Linksaußen. Der nächste Flügelstürmer heißt Simao, kommt von Benfica Lissabon und ist sozusagen erster Figoersatz, kann aber links wie rechts spielen. Der Pauletaersatz ist ebenfalls gut bekannt, Nuno Gomes hatte ein Superjahr bei Benfica Lissabon, im Nationalteam waren seine Leistungen ja fast immer herausragend. Für die linke Seite, aber eigentlich generell als Notnagel für fast alle Offensivpositionen, steht Boa Morte (FC Fulham) bereit. Als großer Kämpfer ist er in Portugals Team ein Mann für die entscheidenden Momente. Etwas überraschend hat als letzter Mann Helder Postiga den Sprung in den Kader geschafft, bei AS Saint-Etienne lief nicht alles rund für den eigentlich so unendlich talentierten Stürmer. Aber was solls - auch im Sturm hat Portugal nach vielen Jahren, in denen man Chancentoden wie Sa Pinto bei ihrer "Arbeit" zugucken mußte, inzwischen eine absolute Weltklassetruppe zusammen.

Chancen:
Portugal wird immer erst in der zweiten Gruppe der Favoriten genannt - ein schlimmer Fehler. Die Vorrundengruppe mit Mexiko, dem Iran und Angola ist nicht ohne, aber das Weiterkommen natürlich Pflicht. Danach kommt wohl ein Kracher - Argentinien, Holland oder eine Mannschaft die stark genug war eine dieser beiden auszuschalten. Den Portugiesen wird es recht sein, schließlich will man ganz weit kommen, da muss man die guten Teams eh früher oder später besiegen.
 

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Aug 15, 2002
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Argentinien

Die Gauchos konnten in den letzten Jahren nicht an die Erfolge der 70er und 80er anknüpfen. Obwohl man immer extrem spielstarke, vor Stars nur so strotzende Mannschaften vorweisen konnte, blieben die Erfolge aus. Bis auf den Jugendbereich, wo Argentinien einsame Spitze ist. Und so hat man den erfolgreichsten Jugendcoach der letzten Jahre für die erste Mannschaft verpflichtet, Jose Pekerman, dessen Erfolge wohl auf die Senioren abfärben sollen. Außerdem kennt er natürlich die meißten Spieler aus ihrer Zeit in den Jugendauswahlmannschaften. Die Qualifikation war souverän, aber so ganz sicher sitzt Pekerman dennoch nicht im Sattel. Zu gemischt waren die Leistungen der Gauchos, außerdem scheint man weit von einer Stammformation entfernt zu sein.

Was man spielt:
Argentiniens Fußball kann bekanntlich alles - wenn er denn läuft. Eigentlich ist es die perfekte Synthese aus taktischer Intelligenz und spielerischer Raffinesse, man kann im allgemeinen fast alle Positionen gut besetzen und ist physisch extrem stark. Fast alle Spielsysteme wurden in der letzten Zeit ausprobiert, man schwankt momentan zwischen 3-5-2 und 3-4-3, aber sicher ist nichts. Die beiden größten Probleme im argentinischen Spiel kennt dieses Team auch schon - Nervenschwäche und zu große Härte. Diese Mannschaft sollte keine Elfmeterschießen anstreben, da kann man die Verballerkandidaten jetzt schon fast benamsen. Wie so oft in den letzten Jahren, das Potential ist da, die Abrufung aber zweifelhaft.

Das Personal

Torwart: 6,5
Traditionell gerne eine unsichere Position, und diesmal macht man da keine Ausnahme. Roberto Abbondanzieri (Boca Juniors Buenos Aires) scheint eher eine Übergangsnotlösung als eine Antwort auf die quälende Torwartfrage, er war in letzter Zeit immer klarer die Nummer 1. Was überrascht, denn der Herr fliegt gerne mal vogelwild durch seinen Strafraum. Leo Franco macht da bei Atletico Madrid eine wesentlich bessere Figur, ist aber aus wohl nur Pekerman bekannten Gründen lediglich Ersatz. Den dritten Platz hat sich mit Oscar Ustari (Independiente Buenos Aires) ein ganz junger Nachwuchsmann gesichert. Kritische Position.

Abwehr: 7,5
Je nach Gegner und Taktik spielt man mit Dreier- oder Viererkette. In jedem Fall sollte Roberto Ayala (FC Valencia) seinen Platz im Zentrum sicher haben, auch wenn die jungen Leute nachdrängen. Gabriel Heinze (Manchester United), sein nomineller Partner, ist zwar im Kader, allerdings nach einem Kreuzbandriss gerade erst wieder fit geworden. Heinze spielt entweder links oder zentral neben Ayala. Erste Alternative für Heinze und inzwischen eh Kandidat für die Startelf ist Fabricio Coloccini (Deportivo La Coruna), beinhart und elegant zugleich, wie es argentinische Innenverteidiger ja gerne mal sind. Gabriel Milito (Real Saragossa) steht als Alternative für links zur Verfügung, Nicolas Burdisso (Inter Mailand) für die rechte Seite, falls man mit Viererkette spielen will. Dort könnte auch Lionel Scaloni (West Ham United) eingesetzt werden, wobei der auch ins Mittelfeld aufrücken kann. Scaloni ist ziemlich überraschend in das Aufgebot gerückt, er hatte zuletzt wenig Spielzeit. Nicht ganz so wenig wie die eigentliche Überraschung unter den Abwehralternativen: Leandro Cufre vom AS Rom ist nach starker Saison in Deutschland mit dabei, er spielt entweder zentral hinten, oder, falls man Beton anrühren will, als Abräumer vor der Abwehr. Einige bekannte Namen fehlen (Samuel, Placente, Demichelis), und einige der Spieler im Aufgebot hatten entweder Verletzungssorgen oder nicht immer einen Stammplatz. So ist es kein Wunder das die argentinische Abwehr, trotz all der großen Namen, in jüngster Zeit recht wacklig war.

Mittelfeld: 9,5
Der Mann für die linke Seite (auch gerne mal in der abwehr, aber dann sehr offensiv) ist seit vielen Jahren bekannt, einer der letzten großen Mattenträger des internationalen Fußballs: Juan Pablo Sorin, vom FC Villareal. Dort nicht immer erste Wahl, aber schon klar mitverantwortlich für den Höhenflug des Clubs. Das Spiel leiten soll der zentrale Mann, Sorins Mannschaftskamerad Juan Riquelme. Der hat bei Villareal groß aufgespielt, und sich so endlich in der argentinischen Nationalelf ganz durchsetzen können. Rechts ist die Domäne von Luis Gonzalez (FC Porto), vielleicht der derzeit torgefährlichste rechte Mittelfeldspieler überhaupt. Der Offensivdrang dieser Herren braucht natürlich Absicherung, und dafür bietet man oft gleich zwei Mann in einem immens starken 5er-Mittelfeld auf. Zum einen Esteban Cambiasso (Inter Mailand), der eher die klugen, kurzen Pässe an den Mann bringt und sich immer ganz in den Dienst der Mannschaft stellt, zum anderen Pablo Aimar (FC Valencia), der für den Rythmus des Spiels, den Kampf und viele Ausflüge nach vorne verantwortlich ist. Klar, mit diesen großartigen Spielern kann man auch taktisches Bäumchen-wechsel-dich spielen, so jemand wie der Aimar ist ja bekanntlich zentral fast überall verwendbar. Als Ersatzallrounder für die Zentrale fährt der junge Javier Mascherano (Corinthians Sao Paulo) noch mit, ein kleiner Giftzwerg der mit seiner unangenehmen Spielweise ganz sicher seinen Weg gehen wird. Eine Alternative für rechts ist zuletzt noch Maxi Rodriguez von Atletico Madrid, wie sein Konkurrent Luis Gonzalez extrem schnell und fast genauso torgefährlich. Kein Zanetti, kein Kily Gonzalez, kein D'Allessandro, und trotzdem ist das natürlich absolute Weltklasse.

Sturm: 9,5
Hernan Crespo (Chelsea London) soll es bei seiner wohl letzten WM reißen. Trotz starker Trefferquote (29 Tore in 57 Spielen) fehlt im bisher der Erfolg in der Nationalelf, und jetzt muss es also klappen. Das Kopfballwunder befindet sich jedenfalls in recht guter, wenn auch nicht exzellenter Form. Crespos Platz ist ganz vorne im Zentrum, da wo es weh tut. Der Platz seines Sturmpartners Javier Saviola (FC Sevilla) ist nach Pekermanscher Logik überall da wo Crespo gerade nicht ist, also im Endeffekt Linksrechtsaußenstürmer. Gerne bringt man mit Carlos Tevez (Corinthians Sao Paulo) einen dritten Stürmer, der dann auch auf den Saviolapositionen agiert. Tevez gilt als einer der heißesten jungen Stürmer der Welt, wir können gespannt sein. Lionel Messi (FC Barcelona) ist mit seinen 18 Jahren sogar noch ein Stück jünger als Tevez, der kleine, quirlige Mann wird vermutlich bei mehreren Kurzeinsätzen seinen Gegnern Knoten in die Beine spielen. Aus der heimischen Liga kommt Rodrigo Palacio (Boca Juniors Buenos Aires), genauso überraschend im Team wie der Veteran Julio Cruz, der bei Inter Mailand seinen dritten Frühling erlebt. Beide sind Leute fürs Zentrum, Palacio eher der komplatte, schußstarke Stürmertyp, während Cruz ein echter Brecher ist. Sie haben wohl wegen ihrer ausgezeichneten Form den Vorzug vor Leuten wie Cesar Delgado oder Luciano Galletti bekommen. Nur sehr wenige Teams haben sechs reine Stürmer im Aufgebot - das spricht für (berechtigtes) Selbstvertrauen.

Chancen:
Wenn die Probleme in der Defensive nicht existieren würden, Argentinien wäre mit der erste Anwärter auf den Titel. So schaut man eher mißtrauisch auf die Mannschaft - das Freundschaftsspiel gegen Kroatien unlängst (2:3) war bezeichnend: Schon toller Fussball, aber meine Herren, bekommen die Dinger. Überhaupt kassiert man ne Menge Tore und tauscht die Pfeife zwischen den Pfosten nicht aus - so etwas ist arrogant, und Argentinien wird fast immer bestraft wenn sie arrogant spielen. Dazu noch diese Vorrundengruppe, mit den abgezockten Serben, den spielstarken Ivorern und zu allem Überfluss dem Finalgegner von 78, Holland. Scheint eigentlich alles bereitet für ein sensationelles Vorrundenaus. Sollte man die Abwehr dicht bekommen, kommt man natürlich weit, wahrscheinlich sogar ganz weit.
 

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Aug 15, 2002
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Italien

Es ist schon eine Crux - da hat man endlich das uralte Spielsystem verändert, nach und nach eine neue, spielstarke Mannschaft aufgebaut, immer stärker aufgespielt und war auf dem besten Weg einer der WM-Favoriten zu werden - da erschüttert der größte Fußballskandal Italiens das Nationalteam bis ins Mark. Noch weiß keiner, inwiefern Trainer und Spieler jetzt in die Vorgänge verwickelt sind, aber dringend ersehnte Ruhe bekommen die Italiener auch bei dieser WM so ganz sicher nicht.

Was man spielt:
Catenaccio ist out, kontrollierte Offensive in. Lippi lässt ziemlich genau das Spiel der Deutschen in den 90ern nachspielen, nur mit deutlich stärkerem und taktisch sehr viel flexibleren Spielern. So kann man fast auf jede Situation noch reagieren. Die Mannschaft spielt extrem abgeklärt, versucht den Gegner laufen zu lassen und mit vielen blitzgefährlichen Nadelstichattacken zu düpieren. Ein sehr reifer Fußball, den die Italiener mit einer Menge Leben anfüllen. Das Geheimrezept von Lippi war dabei, ähnlich wie bei van Basten, die Integration von Spielern aus der Provinz, besonders Palermo und Udinese. Die sind gelaufen wie die Ochsen und haben sich richtig reingehängt, und die meißten der geleckten Jungstars aus dem Team verdrängt. Man scheint eine optimale Mischung aus Schönspielern und Arbeitstieren gefunden zu haben, ist also eigentlich ein Turnierfavorit - wenn da die angesprochenen Probleme nicht wären.

Das Personal:

Torwart: 10,0
Gianluigi Buffon (Juventus Turin) ist neben Petr Cech der wohl im Augenblick kompletteste Torhüter der Welt, eigentlich ohne wirkliche Schwächen, nur leider verletzungsanfällig. Diesmal scheint aber alles zu klappen. Erster Ersatzmann ist die Torwartlegende Angelo Peruzzi (Lazio Rom), auch im Alter noch ein sehr sicherer Rückhalt. Der dritte Platz ging an einen Nachwuchsmann, Marco Amelia vom FC Livorno, nach einer sehr starken Saison bei dem Provinzverein. Italien tritt also, wie gewohnt, mit dem Tafelsilber im Tor an.

Abwehr: 9,5
Chef der Abwehrkette (meißtens drei, manchmal vier Mann) ist Alessandro Nesta vom AC Mailand, die breiteste Brust im Weltfußball. Er bildet seit vielen Jahren mit Fabio Cannavaro (Juventus Turin) wohl eines der überragenden Innenverteidigerduos. Bei einer Dreierkette werden sie wohl durch Marco Materazzi, dem Hühnen von Inter Mailand, unterstützt. Sollte man mit Viererkette antreten, so ist Cristian Zaccardo (US Palermo) für rechts erste Wahl, dieser kann aber auch (wie fast alle italienischen Verteidiger) einen reinen Innenverteidiger spielen. Oder Massimo Oddo (Lazio Rom) rückt auf der rechten Position ins Team, der ist aber die schon sehr offensive Variante. Fabio Grosso (US Palermo) ist sein Pendant auf der linken Seite, entweder in der Viererkette oder auch im Mittelfeld. Grosso hält ziemlich stur seinen Platz an der Außenlinie, was ihn bei Lippi beliebt gemacht hat. Andrea Barzagli (US Palermo) schließlich ist der Ersatzmann für die Zentrale, einer wie ihn fast jede Mannschaft gerne hätte, da auch er, wie die meißten Jungs aus Palermo, seinen Job gut und unspektakulär erledigt. Beton vom Feinsten, aber nichts anderes erwarten wir von den Italienern.

Mittelfeld: 8,5
Gianluca Zambrotta (Juventus Turin) ist seit vielen Jahren der Mann für alle Außenbahnfälle, sei es links oder rechts, Abwehr oder Mittelfeld. In der Nationalelf spielt er meißtens links. Zambrotta ist ein Wasserträger im besten Sinne, läuft viel für besser bezahlte Kollegen. Gennaro Gattuso (AC Mailand), wird entweder im zentral/defensiven Mittelfeld oder ganz rechts eingesetzt. Gattuso ist aufgrund seiner erfrischend körperlosen Spielweise beim Gegner seit vielen Jahren beliebt, ungefähr so wie Schusternägel in den Fußballschuhen. Er streitet sich um den Sympathiepokal aber mit dem großen Offensivstar der Italiener, Francesco Totti. Totti leitet das Spiel entweder im offensiven Mittelfeld, oder rückt gleich mit in die Spitze. Mit Ball kann der Mann alles, ohne Ball hat er leider auch jeden miesen Trick drauf den das Spiel so hergibt. Diese Saison war er lange verletzt, seine Form ist daher fraglich. Etwas hinter Totti agiert Daniele de Rossi (AS Rom), die große Entdeckung der Qualifikation. Der junge Mann hat eine blendende Spielübersicht, und ist für das Spiel der Italiener mittlerweile so wichtig wie Totti oder Gattuso. Neben ihm hat sich im dichten Mittelfeld Italiens Andrea Pirlo (AC Mailand) etabliert, noch einer der den Rhythmus eines Spieles unheimlich gut spürt und bei Bedarf anpassen kann. Der gebürtige Argentinier Mauro Camoranesi (Juventus Turin) kann auf die rechte Seite rücken wenn Gattuso zentraler spielen soll. Als letzte Alternativen hat Lippi noch Simone Barone (US Palermo), einen braven Schwerstarbeiter im zentralen Mittelfeld, und Simone Perrotta (AS Rom), einen Mann für links, ins Team berufen. Vernünftige Ergänzungen, aber eher nicht das große Spektakel. Spielstarkes, agressioves und abgeklärtes Mittelfeld.

Sturm: 9,0
Hier ist das große Gerangel um ein bis drei Plätze (Je nachdem wo Totti spielt und wie man spielt) ausgebrochen. Fürs Sturmzentrum ist Alberto Gilardino (AC Mailand), in den letzten Jahren ein absoluter Strafraumserientäter, vorgesehen. Erster Anwärter auf den Platz neben ihm ist der Torschützenkönig Italiens, Luca Toni vom AC Florenz, der mit sagenhaften 31 Toren in der Serie A die beste Quote seit der Saison 57/58 hatte. So sieht wohl Topform aus, zumal Toni auch in der Nationalelf trifft. Vincenzo Iaquinta (Udinese Calcio) hat den Sprung auch geschafft, Lippi ist Fan von seinem Einssatz und bringt ihn gerne mal. Alessandro del Piero (Juventus Turin) ist etwas in die Jahre gekommen, aber als Mann der sowohl auf den Flügeln als auch im offensiven Mittelfeld agieren kann ist er immer noch sehr nützlich für Italien. Und dann hat mit Filippo Inzaghi (AC Mailand) noch der Spieler den Sprung geschafft, der im letzten Jahrzehnt wohl wie kein zweiter den Geist des Spieles beleidigt hat. Der ist gerade rechtzeitig noch mal in die Gänge gekommen, und fiel so schön durch Italiens Strafräume wie in seinen besten Tagen. Genau der richtige Mann für die letzten 20 Minuten. Eine Klasse-Offensivabteilung hat man also auch wieder, mit Schwächen auf den Flügeln. Was wohl egal ist, Italien macht bei der ganzen 4-4-2-Ödflankerei nicht mit und kommt mit anderen Wegen zum Ziel.

Chancen:
Eigentlich hervorragend, man spielt so gut wie ewig nicht mehr. Mit dem Wirbel, der im Augenblick in Italien um den Fußball herum abgeht, wird das allerdings wohl keine ganz normale WM. Eine "Jetzt erst recht"-Trotzreaktion ist allerdings natürlich auch vorstellbar. In den letzten 20 Jahren hat es Italien eigentlich fast immer geschafft, sich durch dumme Querelen selber zu schwächen, könnte gut sein das wir den Höhepunkt des ganzen in den kommenden Wochen erleben. Ghana, USA und die Tschechen ergeben eine feine, gemeine Vorrundengruppe. Und man will auf keinen Fall Zweiter werden, denn dann geht es wohl gegen Brasilien. Trotz allen Querelen, mit der Mannschaft ist man Mitfavorit.
 

Netfreak63

W:O:A Metalmaster
Jul 19, 2002
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Krefeld / NRW
Wat ich mal anpranger:

Die Preise für Trikots, Kappen und div. anderen Merchandise Krempel ham ja schon Festivalcharakter ... :mad:

47 Tacken für'n Doitschland Trikot in XXL find ich abgewichst! :confused: :mad:
 

Geisteskrank

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Netfreak63 said:
Wat ich mal anpranger:

Die Preise für Trikots, Kappen und div. anderen Merchandise Krempel ham ja schon Festivalcharakter ... :mad:

47 Tacken für'n Doitschland Trikot in XXL find ich abgewichst! :confused: :mad:

Völlig normal...die Trikots haben "damals" auch schon 89,90 DM gekostet...
 

Netfreak63

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Geisteskrank said:
Völlig normal...die Trikots haben "damals" auch schon 89,90 DM gekostet...

"Normal" find ich dat nich ... :rolleyes:

Einfache Shirts, unterster Qualität, Bundesgeier drauf und kleines Rechteck in D-Farben 27 Euronen ... grösse S ... nee, is klar ... :o

Käppi - 18,95 € .... *lol*
 

Geisteskrank

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Netfreak63 said:
"Normal" find ich dat nich ... :rolleyes:

Einfache Shirts, unterster Qualität, Bundesgeier drauf und kleines Rechteck in D-Farben 27 Euronen ... grösse S ... nee, is klar ... :o

Käppi - 18,95 € .... *lol*

Nee, hast recht. "Normal" wäre besser gewesen. Ich wollte sagen, daß ist leider der Preis, den man schon seit längerer Zeit dafür zahlen muß...und den ich nicht zahle! ;)
 
*anfeuer*

NUR NOCH SECHS, NUR NOCH SECHS....


ich weiss nicht, waurm ich mir immer die dämlichen sonderhelfte vom kicker gekauft haben! diese WM übersicht wird dem wort non-plus-ultra nicht nur gerecht, sie übertrifft diese wertung auch noch....

endlich mal fussballbezogene leitartikel; manschaftseinschätzungen mit der sprachlichen brillianz UND dem humor eines jungen matt ruffs. :) :) :)

wobei jeder vergleich einfach nur abwertend klingen kann!

Mono, du bist ein Teufelskerl, Mono, du bist ein Fussballgott!!!
 

Netfreak63

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Schlossvippach said:
*anfeuer*

(...)

Mono, du bist ein Teufelskerl, Mono, du bist ein Fussballgott!!!

Wennste da ma nich voll inne Scheisse trittst ... ich mein aus dem sein Geposte rauszulesen, dat der garkein Gott sein will ... ;):D
 

Netfreak63

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Geisteskrank said:
Nee, hast recht. "Normal" wäre besser gewesen. Ich wollte sagen, daß ist leider der Preis, den man schon seit längerer Zeit dafür zahlen muß...und den ich nicht zahle! ;)

Ich auch ned .... bisken Bügelfolie innen Drucker rein funzt bestens :D
 

monochrom

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Aug 15, 2002
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Schlossvippach said:
*anfeuer*

NUR NOCH SECHS, NUR NOCH SECHS....


ich weiss nicht, waurm ich mir immer die dämlichen sonderhelfte vom kicker gekauft haben! diese WM übersicht wird dem wort non-plus-ultra nicht nur gerecht, sie übertrifft diese wertung auch noch....

endlich mal fussballbezogene leitartikel; manschaftseinschätzungen mit der sprachlichen brillianz UND dem humor eines jungen matt ruffs. :) :) :)

wobei jeder vergleich einfach nur abwertend klingen kann!

Mono, du bist ein Teufelskerl, Mono, du bist ein Fussballgott!!!


Danke, danke - ich persönlich bin auch ganz zufrieden, nur leider hab ich nicht mehr die Zeit die Dinger ordentlich Korrektur zu lesen, was schon etwas schmerzt.

*Rotwerd @ Matt Ruff-Vergleich*