Keine Chance für "Y Asi"
Der Schunkel-Sound der Global Kryner konnte in Kiew nicht überzeugen.
Mit dem Halbfinale des Eurovision Song Contest am Donnerstagabend hat das Musikfieber in der ukrainischen Hauptstadt Kiew einen ersten Höhepunkt erreicht. Vertreter aus 25 Ländern bewarben sich um den Einzug ins Finale.
Österreich ist am Samstagabend allerdings nicht mehr dabei: Die sechsköpfige Schunkel-Popband Global Kryner ist bei der Vorausscheidung ausgeschieden.
Zu wenige SMS- und Telefon-Stimmen
Die sechsköpfige Band, die sich im Vorfeld gute Chancen ausgerechnet hatte, ging mit dem undankbaren ersten Startplatz ins Rennen. Mit ihrem Song "Y Asi", einer Mixtur aus Samba, Polka und Jodeln, lieferten sie einen zwar etwas bemühten, aber souveränen Auftritt.
Das internationale TV-Publikum, das via Telefon- und SMS-Voting die besten Zehn des Semifinales wählte, goutierte den Global-Kryner-Sound allerdings nicht.
"Es ist ein Spiel"
Kryner-Mastermind Christof Spörk reagierte unmittelbar nach Bekanntgabe des Halbfinalergebnisses gefasst: "Es ist ein Spiel. Man kann nicht immer gewinnen." Das Konzept der Band habe bisher Erfolg gehabt, aber es sei vermutlich in drei Minuten medial nicht transportierbar.
Spörk musste allerdings zugeben: "Die Überraschung bei uns ist doch sehr groß." Mit Israel, Dänemark und Norwegen hätten nur drei jener Vertreter den Final-Aufstieg geschafft, die unter den Musikern favorisiert worden wären.
Ergebnis bleibt geheim
Wie schlecht "Y Asi" tatsächlich abgeschnitten hat, bleibt vorerst geheim: Die Top Ten - und damit auch die 15 Verlierer - wurden ohne Wertung bekannt gegeben, damit auch im Finale Chancengleichheit für alle Teilnehmer garantiert ist.
Dass Österreich auch im nächsten Jahr die Vorausscheidung passieren wird müssen, ist allerdings so gut wie fix.
15 Verlierer, 24 Finalisten
Ausgeschieden sind neben Österreich außerdem Litauen, Portugal, Monaco, Weißrussland, die Niederlande, Island, Belgien, Estland, Finnland, Andorra, Bulgarien, Irland, Slowenien und Polen.
Am Samstag treffen die zehn neuen Kandidaten auf die zehn bestplatzierten Länder des Vorjahres sowie auf Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien, die größten Beitragszahler der Eurovision, die immer fix im Finale sind.
Beim ersten Versuch ins Finale
Moldawien feierte heuer Song-Contest-Premiere. Das Land schickte die alteingesessene Band Zdob si Zdub nach Kiew. Dass bei dem Punk-Pop-Song "Boonika Bate Toba", zu deutsch "Oma haut auf die Pauke", tatsächlich eine ältere Dame in moldawischer Tracht die Trommel spielte, überzeugte auch das TV-Publikum: Zdob si Zdub wurde ins Finale gewählt.
Zu den Favoriten am Samstag dürfte auch die Glam-Rock-Parodie Wig Wam gehören, die sich in bester Europe-Manier mit dem 80er-Jahre-Metalsong "In My Dreams" qualifizierte.
Trotz Chart-Skandal weiter
Ein Hauch von Skandal umweht die Kandidaten der Schweiz: Die eigentlich estnische Girlband Vanilla Ninja - in Kiew ganz in weiß und auf Bombast-Band getrimmt - wird vom Plattenproduzenten David Brandes gemanagt, der in Deutschland gerade wegen möglichen Hitparadenbetrugs unter Beschuss ist. "Cool Vibes" ist trotzdem eine Runde weiter.
Balladen ...
Lettland setzte auf Simon-&-Garfunkel-Stimmung: Walter & Kazha posierten mit akustischen Gitarren und sangen die Schunkelballade "The War Is Not Over". Das Duo mit dem Boyband-Look kam damit ins Finale.
Für Israel qualifizierte sich Shiri Maimon mit der soliden Ballade "The Silence that Remains"; die Sängerin wurde im Vorfeld von der Presse bereits zur angeblich "sympathischsten Teilnehmerin" gekürt.
... und Krawall
Die Sängerin Luminita Anghel und die Band Sistem aus Rumänien überzeugten mit Krawall: Bei "Let Me Try" wurde auf der Bühne gehämmert und geschweißt. Der dänische Sänger Jacob Sveistrup tritt mit dem fröhlichen Popsong "Talking to You" am Samstag ein zweites Mal auf.
Ungarn schickte wie viele osteuropäische Länder eine zuhause bereits etablierte Band ins Rennen: NOX ist in Ungarn mit folkloristisch angehauchtem Rock erfolgreich, der Song "Forogj vilag" brachte sie auch beim Song Contest eine Runde weiter.
Orientalischer Einschlag
"Make My Day", der Beitrag Mazedoniens, stammt aus der Feder des mazedonischen Fernsehdirektors höchstpersönlich - und Interpret Martin Vucic ist dessen Sohn. Die Dancenummer mit orientalischem Einschlag hat die Vorausscheidung ebenfalls passiert.
Die Ethno-Welle, seit einigen Jahren der populärste Song-Contest-Trend, macht auch vor Kroatien nicht halt. Percussion, Flöten und Dudelsäcke bestimmten Boris Novkovics Beitrag "Vukovi umiri sami" alias "Wölfe sterben einsam".
Trend zu Ethno-Sound
Der ukrainische Superstar Ruslana sorgte im Vorjahr mit "Wild Dances" dafür, dass der Wettbewerb heuer in Kiew stattfand. Die Sängerin war auch in die Organisation der diesjährigen Veranstaltung stark involviert.
Und sie hatte musikalisch großen Einfluss auf das Teilnehmerfeld, wie die Show am Donnerstagabend zeigte. Fast keiner der Beiträge kam ohne folkloristische Sounds und ausgefallenes Schlagwerk aus.
Volksfeststimmung in Kiew
Das Halbfinale im Kiewer Sportpalast war auch die erste Bewährungsprobe für das Moderatoren-Duo Pascha und Mascha - den Kiewer DJ Pasha und die ukrainische TV-Moderatorin Maria Jefrosinina.
Die Eintrittskarten für die beiden Hauptrunden im Palast des Sports in Kiew waren trotz hoher Preise fast ausverkauft. An vielen Plätzen im Stadtzentrum Kiews sind Leinwände und Bühnen errichtet, auf denen Tausende den Musikwettbewerb verfolgen. Seit Tagen herrscht in Kiew Volksfeststimmung bei hochsommerlichen Temperaturen.