KI Slop beim Metal Battle

  • Als neues Loginsystem benutzen wir die Wacken.ID. Damit du deinen jetzigen Account im Wacken Forum mit der Wacken.ID verknüpfen kannst, klicke bitte auf den Link und trage deine E-Mail Adresse ein, die du auch hier im Forum benutzt. Ein User mit deinem Benutzernamen und deiner E-Mail Adresse wird dann automatisch angelegt. Du bekommst dann eine E-Mail und musst deine Wacken.ID bestätigen.

    Sollte es Probleme geben, schreibt uns bitte.

    Klicke hier, um deinen Account in eine Wacken.ID zu migrireren.

Hirnschlacht

Moderator
14 Mai 2007
44.112
6.710
128
Oz
Ich fange an, dieses Bauchgefühl... ....der Fall ist.
So sehr ich glaube, dass man KI kritisch beäugen und behandeln sollte, glaube ich genauso, dass es ziemlich illusorisch ist, da zu denken, man könne das Rad noch irgendwie zurück drehen. Das wird nicht passieren.

Ich glaube allerdings auch nicht, dass KI der Tod von Kunst ist, sondern ein Katalysator für die Weiterentwicklung, der eventuell einen größeren Einfluss haben wird, als es damals die Fotografie, oder das Bewegtbild auf die Kunst hatte.

Durch KI sind wir aktuell dazu gezwungen, Kunst, ihre Wertigkeit, Bedeutung, Entstehung, Definition und ihren Konsum neu zu denken. Allein die Tatsache, dass Künstler*innen gerade vor einer riesigen Herausforderung und Ungerechtigkeit stehen, die sie irgendwie überkommen werden, wird so viel neues, cooles entstehen lassen.

Es wird Strömungen geben, die mit KI etwas erschaffen, was immer und bewusst genau diesen KI Look hat, weil manche genau den irgendwie toll finden. In 20-30 Jahren, werden heutige Gen Alpha auf solche Bilder, mit einer ähnlichen Nostalgie gucken, wie wir auf 80er/90/er/00er Bilder.

Andere werden sich radikal abwenden und etwas finden, was KI nicht, oder noch nicht reproduzieren kann.

Das ist natürlich eine Sichtweise, die ganz unbeteiligt, über dem ganzen schwebt und es ist räudig und Mist, dass harte Arbeit, die in z.B. Artworks fließt nicht gewürdigt und jetzt auch noch geklaut wird. Das soll dabei nicht runtergespielt, oder entschuldigt werden.

Das Problem fing doch schon weit vor KI an.

Sieh dir doch mal die Popmusik von heute an und vergleich sie mit den frühen 2000ern (ich erwarte nun nicht, dass du aktiv hörst... will dich ja nicht quälen 😅). Aber gibt es da nen echten Unterschied?

Sind die Lieder irgendwie anders geschrieben als damals? Irgendwie nicht, teilweise ist es auch nur das gleiche Lied (oder zwei ineinander gematscht) als "remix".

Man merkt finde ich schon, dass viel Musik, gerade was so standardmäßig im Radio läuft, einfach nur noch generisch ist: so wie immer, bisschen anders abgemischt, vielleicht mal mit ner Männerstimme statt ner Frauenstimme. Und das seit Jahrzehnten. (Gibt es echte Unterschiede zwischen Shakira und Tailor Swift? Abgesehen von der Stimmlage?)

Das ist auch einer der Gründe, warum ich beim Meddl gelandet bin: es hört sich, auch wenn die Band schon ein viertel Jahrhundert alt (oder älter) ist, noch irgendwie "frisch" an. Klar folgen viele Lieder einem Muster (Intro, 2x Strophe+2x Refrain, Bridge, Refrain, Ende), aber man muss ja nicht immer so ausufern wie z.B. Tool. Und ja, es gibt auch "Popmusik beim Metal" (so manche Symphonic- oder Powermetal-Band). Aber gerade das macht es auch so wertvoll Bands wie die von dir genannten (@Norrøn) als Kunst anzusehen. Und dann auch gerne zu hören, auch wenn es ggf. früher gar nicht seine Musikrichtung war (z.B. Behemoth bei mir).
Ich glaube eher, du hast einfach keine der beiden Künstlerinnen je ernsthaft gehört, oder dich irgendwie tiefgreifender mit Popmusik im Allgemeinen auseinander gesetzt.

Eigentlich reicht es, sich überhaupt mal Song der beiden anzuhören, damit sich die Frage erübrigt. Das ist ungefähr so, wie die Leute die meinen, im Metal ist alles nur stumpfe Schreierei.

Shakira macht seit über 3 Jahrzehnten Latin Pop und ist damit seit 2 Jahrzehnten weltweit bekannt und berühmt.

Taylor Swift ist aktuell die wohl einflussreichste Popmusikerin unserer Zeit, hat eigenständig die Musikindustrie verändert und erfindet sich seit Beginn ihrer Karriere immer wieder neu. Die Eras Tour war eine jeweils 3 1/2 Stündige gigantische und unfassbar grandiose Show von der sich so manch eine Metal Band noch einiges abgucken könnte. Swifts Lyrics haben eine ganze Generation Frauen mitgeprägt und sind so voller Anspielungen und Andeutungen, dass es ein ganzes Game dafür gibt.

Nichts gegen dich persönlich, sondern allgemein gesprochen: Mich nervt diese völlig ungerechtfertigt arrogante Haltung, die es gerne unter Metallern gibt, echt tierisch. Irgendwie hat sich diese Haltung festgesetzt, Metal wäre irgendwie so super intellektuelle und die Themen so erhaben und tief und episch und Bla.

Meines Erachtens nach hat Metal (Als gesamte Szene/Subkultur/Musikgenre, nicht auf einzelne Bands bezogen) aktuell keine großartige Relevanz in der Welt. Man verstehe mich nicht falsch: Metal bringt absolut großartige, schöne und mitreißende Musik hervor und ist für viele Menschen super wichtig und alles. Darauf beziehe ich mich gar nicht.

Wenn ich mir zum Beispiel die letzte Halbzeitshow beim Superbowl angucke, wo Bad Bunny einfach so eine unfassbar gute und wichtige, völlig aktuelle und relevante Nachricht mit dieser Show rüber gebracht hat, wie ich sie beim Metal schon lange vermisse. Taylor Swift hat mit ihrer Eras Tour Millionen von (vor allen Dingen) Frauen und Queers einen Safe Space und ein ungeahntes Gemeinschaftsgefühl gegeben. Lady Gaga ist seit dem Anfang ihrer Karriere eine queere Ikone und hat so unfassbar viele andere Künstler*innen von Mode bis Musik beeinflusst.

Metal war mal eine rebellische Gegenkultur gegen eine konservative, spießige und unterdrückende Gesellschaft. Breaking the law! We´re not gonna take it! Etc. Jetzt ist sie Teil dieser Gesellschaft geworden und ist eher Realitätsflucht, als Realitätsherausforderer. Es fühlt sich nicht so an, als ginge es dabei um mehr, als darum ein echt cooles Hobby zu haben und schöne Dinge zu erschaffen. Oder halt in der größeren Sparte dann auch noch darum, echt viel Geld zu verdienen.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich mag Metal nach wie vor sehr gerne, höre es noch und bewege mich in der Szene, usw. und es gibt bei weitem nicht nur schlechte Seiten und Tendenzen. Wenn ich dann aber so unsinnige Überhöhungsversuche höre, muss ich was dazu sagen.

Nur weil man irgendwie Geschichtsreferate über irgendwelche Weltkriege in Songs verwurstet, oder Wikingerschlachten ins Mikro grunzt, oder in 9 Minuten irgendwas über norwegische Natur und Dunkelheit krächzt, ist das nicht automatisch irgendwas super tiefgängiges, oder gar besser und relevanter als etwas anderes. Man tut so, als seien dies alles größere, wichtigere Themen als man selbst, oder die aktuelle Zeit. Bei mir bewirkt das inzwischen eher das Gegenteil. Was will mir denn irgendwer heute von den Schrecken des ersten Weltkrieges erzählen? Oder was will man heute noch das böse und tiefe menschliche Abgründe erforschen? Das sieht man alles jeden Tag in den Nachrichten.

Schaut man sich die Credit z.B. von "Despacito" an, endet die Liste an Beteiligten kaum. Wo ist dann der Unterschied zu KI Slops? Die Eigenleistung geht gegen Null.
Also ich sehe bei dem Song 3 Writer (die drei beteiligten Künstler*innen), sowie noch zwei Produzenten.
 

Norrøn

W:O:A Metalhead
7 Aug. 2011
554
1.100
98
Ich glaube nicht, dass man das Rad zurückdrehen kann, aber ich wehre mich in meinem täglichen Leben mit Händen und Füßen dagegen und werde es, so gut es geht, nicht supporten.
 
  • Like
Reaktionen: Skargon89

Christoph P.

W:O:A Metalhead
20 März 2019
1.491
1.311
108
43
@Hirnschlacht nein, ich habe bei weitem nicht genug gehört von Popmusik oder mich gar damit beschäftigt um mir da eine Objektive Meinung von zu bilden. Ist vieles nur Subjektiv, oft auch weil ich gewisse Lieder (wie Orphelia von Tailor Swift) im Radio drei mal zu oft gehört habe.

Und natürlich gibt Popmusik vielen Leuten etwas, sonst würde es sich nicht so gut verkaufen. Ich hab nur ein gewisses Problem mit der Akustik dieser Lieder, was mal an den Instrumenten, mal am Gesang/Stimmlage/Autotune liegt (so geht mir z.B. Bruno Mars mit seiner "ich bin so traurig und heul gleich los"-Stimmlage tierisch auf die Nüsse). Ich hab z.B. ein ex-Knalltrauma und komme mit Autotune-Stimmen nicht klar: da fehlen einfach Teile vom Sound der Stimme, und das erzeugt bei mir Kopfschmerzen. Klar gibt es beim Metal auch Autotune/Autocorrect, aber viel von dem, was durch die Lautsprecher kommt, ist doch immer noch recht original.

Das man auch bei Metal nicht nur Perlen findet ist mir sehr wohl klar (und ich weiß genau welche Bands Du meinst 😅), und ich hab selbst auch schon so manchen Rohrkrepierer gehört, oder hören müssen. Nightwish oder Avantasia und wirklich Tiefgang? Recht dünnes Eis würde ich meinen.

Was Du auch sagtest, früher war Metal mehr "sign of rebellion and uprising". Und heutzutage beschweren wir uns über die "Touristen" im Camp die einfach mal da sind, um mal da zu sein. Früher "Zeichen setzen", heute eher Realitätsflucht, da gehe ich voll mit (und fühle mich direkt angesprochen!). Diesen Trend könnte die KI mit passender Kommerzialisierung weiter verstärken, davor hab ich Sorge. Vor allem, weil durch die KI die Schlagzahl erhöht werden kann. Aber ggf. kommt da auch mal was neues, erfrischendes raus? Heißt ja nicht, dass man die Texte/Lieder von der KI unreflektiert übernehmen muss (wovor wir bei der Arbeit im Umgang mit der KI immer gewant werden, zum Beispiel beim Verfassen von Emails).

Dieses arrogante "Metal ist besser als alles andere" mag ich auch nicht. Es gibt definitiv tolle Lieder im Blues, Rap und HipHop, ja und selbst bei der oft geflameten Popmusik. Gibt eben Gründe (siehe oben), warum ich Metal lieber (live) höre als die anderen Musikrichtungen.
 

Obur

W:O:A Metalhead
7 Mai 2020
163
116
68
Frankfurt am Main
Das Problem fing doch schon weit vor KI an.

Sieh dir doch mal die Popmusik von heute an und vergleich sie mit den frühen 2000ern (ich erwarte nun nicht, dass du aktiv hörst... will dich ja nicht quälen 😅). Aber gibt es da nen echten Unterschied?

Sind die Lieder irgendwie anders geschrieben als damals? Irgendwie nicht, teilweise ist es auch nur das gleiche Lied (oder zwei ineinander gematscht) als "remix".
Du verwechselst hier was. Was in den Dorfdiscos oder so läuft, hat mit remixen nix zu tun. Produzenten oder DJ´s hängen auch oft Wochen oder Monate dran, bis ein Remix fertig ist.
 

Hans A._Kapitaen_zur_See

W:O:A Metalhead
23 Juli 2025
1.198
1.583
108
Neben die Frage nach der Kunst und welchen Wert KI dabei hat (oder eben nicht), bleibt bei KI auch noch die Frage nach der Überausbeutung.
Die Kobaldminen - Arbeiter und die clickworker in Afrika zum Beispiel.
 
  • Like
Reaktionen: firefox_mozilla

Mocco

Newbie
5 Apr. 2026
4
10
3
Hi, ich habe den Reddit-Thread erstellt 😇

Metal Battle Japan hat heute den Running-Order für das Finale geposted...mit Neon Oni. Finde ich echt fragwürdig, dass da nicht in irgendeiner Art agiert wird. Auf die Jury dort scheint ja kein Verlass zu sein, denn dass die Band KI ist, ist ja nun wirklich kein Geheimnis und sollte ja deshalb schon beim Auswahlprozess auffallen (eine Googlesuche reicht) . Wäre ja mega peinlich für die Metal Battle, wenn die in Japan gewinnen würden...
 

Farbwanze

W:O:A Metalhead
3 Aug. 2023
119
240
68
Super schade, dass die Band zugelassen wurde. Japan hat so eine tolle Metalszene und zurecht einige der besten Metal Battle Gewinner der letzten Jahre gehabt (Sable Hills, Phantom Excaliver). Da sollte es nicht schwer sein eine Band nach Wacken zu schicken, die ihre Musik selbst schreibt.
 
  • Like
Reaktionen: DaSeppl

harry1980

W:O:A Metalhead
3 Nov. 2003
4.471
514
98
46
Ist wohl ein Experiment und wird sich von selbst regeln . Wenn die Hütte bei denen voll ist , gibts mehr davon - ansonsten eher nicht .
 
  • Like
Reaktionen: Stalker

Stalker

W:O:A Metalmaster
14 Aug. 2015
12.577
10.680
128
Durch eine aufstrebende echte Band ersetzen.

Das ist grundlegend ja auch die bessere Variante, da bin ich ja auch bei dir. Aber da erwartest du etwas viel bei einem Metal Festival, dass z.B. Electric Bassboy aufs Infield setzt und auch sonst genug Genre fremde Bands auf gute Slots setzt.

Die werden entsprechend Leute ziehen, sonst hätte man die wahrscheinlich garnicht zum Vorentscheid gelassen.
 
  • Like
Reaktionen: Patzh0r

Norrøn

W:O:A Metalhead
7 Aug. 2011
554
1.100
98
Das ist grundlegend ja auch die bessere Variante, da bin ich ja auch bei dir. Aber da erwartest du etwas viel bei einem Metal Festival, dass z.B. Electric Bassboy aufs Infield setzt und auch sonst genug Genre fremde Bands auf gute Slots setzt.

Die werden entsprechend Leute ziehen, sonst hätte man die wahrscheinlich garnicht zum Vorentscheid gelassen.

Ich erwarte gar nichts. Würde mir zwar klare Kante wünschen, aber wenn das nicht geschieht, komm' ich in Zukunft halt erst recht nicht mehr. Kann dem Veranstalter ja auch völlig bums sein, wenn weiterhin kontinuierlich sold out sein sollte. Wenn... ;)