Hirnschlacht
Moderator
So sehr ich glaube, dass man KI kritisch beäugen und behandeln sollte, glaube ich genauso, dass es ziemlich illusorisch ist, da zu denken, man könne das Rad noch irgendwie zurück drehen. Das wird nicht passieren.Ich fange an, dieses Bauchgefühl... ....der Fall ist.
Ich glaube allerdings auch nicht, dass KI der Tod von Kunst ist, sondern ein Katalysator für die Weiterentwicklung, der eventuell einen größeren Einfluss haben wird, als es damals die Fotografie, oder das Bewegtbild auf die Kunst hatte.
Durch KI sind wir aktuell dazu gezwungen, Kunst, ihre Wertigkeit, Bedeutung, Entstehung, Definition und ihren Konsum neu zu denken. Allein die Tatsache, dass Künstler*innen gerade vor einer riesigen Herausforderung und Ungerechtigkeit stehen, die sie irgendwie überkommen werden, wird so viel neues, cooles entstehen lassen.
Es wird Strömungen geben, die mit KI etwas erschaffen, was immer und bewusst genau diesen KI Look hat, weil manche genau den irgendwie toll finden. In 20-30 Jahren, werden heutige Gen Alpha auf solche Bilder, mit einer ähnlichen Nostalgie gucken, wie wir auf 80er/90/er/00er Bilder.
Andere werden sich radikal abwenden und etwas finden, was KI nicht, oder noch nicht reproduzieren kann.
Das ist natürlich eine Sichtweise, die ganz unbeteiligt, über dem ganzen schwebt und es ist räudig und Mist, dass harte Arbeit, die in z.B. Artworks fließt nicht gewürdigt und jetzt auch noch geklaut wird. Das soll dabei nicht runtergespielt, oder entschuldigt werden.
Ich glaube eher, du hast einfach keine der beiden Künstlerinnen je ernsthaft gehört, oder dich irgendwie tiefgreifender mit Popmusik im Allgemeinen auseinander gesetzt.Das Problem fing doch schon weit vor KI an.
Sieh dir doch mal die Popmusik von heute an und vergleich sie mit den frühen 2000ern (ich erwarte nun nicht, dass du aktiv hörst... will dich ja nicht quälen). Aber gibt es da nen echten Unterschied?
Sind die Lieder irgendwie anders geschrieben als damals? Irgendwie nicht, teilweise ist es auch nur das gleiche Lied (oder zwei ineinander gematscht) als "remix".
Man merkt finde ich schon, dass viel Musik, gerade was so standardmäßig im Radio läuft, einfach nur noch generisch ist: so wie immer, bisschen anders abgemischt, vielleicht mal mit ner Männerstimme statt ner Frauenstimme. Und das seit Jahrzehnten. (Gibt es echte Unterschiede zwischen Shakira und Tailor Swift? Abgesehen von der Stimmlage?)
Das ist auch einer der Gründe, warum ich beim Meddl gelandet bin: es hört sich, auch wenn die Band schon ein viertel Jahrhundert alt (oder älter) ist, noch irgendwie "frisch" an. Klar folgen viele Lieder einem Muster (Intro, 2x Strophe+2x Refrain, Bridge, Refrain, Ende), aber man muss ja nicht immer so ausufern wie z.B. Tool. Und ja, es gibt auch "Popmusik beim Metal" (so manche Symphonic- oder Powermetal-Band). Aber gerade das macht es auch so wertvoll Bands wie die von dir genannten (@Norrøn) als Kunst anzusehen. Und dann auch gerne zu hören, auch wenn es ggf. früher gar nicht seine Musikrichtung war (z.B. Behemoth bei mir).
Eigentlich reicht es, sich überhaupt mal Song der beiden anzuhören, damit sich die Frage erübrigt. Das ist ungefähr so, wie die Leute die meinen, im Metal ist alles nur stumpfe Schreierei.
Shakira macht seit über 3 Jahrzehnten Latin Pop und ist damit seit 2 Jahrzehnten weltweit bekannt und berühmt.
Taylor Swift ist aktuell die wohl einflussreichste Popmusikerin unserer Zeit, hat eigenständig die Musikindustrie verändert und erfindet sich seit Beginn ihrer Karriere immer wieder neu. Die Eras Tour war eine jeweils 3 1/2 Stündige gigantische und unfassbar grandiose Show von der sich so manch eine Metal Band noch einiges abgucken könnte. Swifts Lyrics haben eine ganze Generation Frauen mitgeprägt und sind so voller Anspielungen und Andeutungen, dass es ein ganzes Game dafür gibt.
Nichts gegen dich persönlich, sondern allgemein gesprochen: Mich nervt diese völlig ungerechtfertigt arrogante Haltung, die es gerne unter Metallern gibt, echt tierisch. Irgendwie hat sich diese Haltung festgesetzt, Metal wäre irgendwie so super intellektuelle und die Themen so erhaben und tief und episch und Bla.
Meines Erachtens nach hat Metal (Als gesamte Szene/Subkultur/Musikgenre, nicht auf einzelne Bands bezogen) aktuell keine großartige Relevanz in der Welt. Man verstehe mich nicht falsch: Metal bringt absolut großartige, schöne und mitreißende Musik hervor und ist für viele Menschen super wichtig und alles. Darauf beziehe ich mich gar nicht.
Wenn ich mir zum Beispiel die letzte Halbzeitshow beim Superbowl angucke, wo Bad Bunny einfach so eine unfassbar gute und wichtige, völlig aktuelle und relevante Nachricht mit dieser Show rüber gebracht hat, wie ich sie beim Metal schon lange vermisse. Taylor Swift hat mit ihrer Eras Tour Millionen von (vor allen Dingen) Frauen und Queers einen Safe Space und ein ungeahntes Gemeinschaftsgefühl gegeben. Lady Gaga ist seit dem Anfang ihrer Karriere eine queere Ikone und hat so unfassbar viele andere Künstler*innen von Mode bis Musik beeinflusst.
Metal war mal eine rebellische Gegenkultur gegen eine konservative, spießige und unterdrückende Gesellschaft. Breaking the law! We´re not gonna take it! Etc. Jetzt ist sie Teil dieser Gesellschaft geworden und ist eher Realitätsflucht, als Realitätsherausforderer. Es fühlt sich nicht so an, als ginge es dabei um mehr, als darum ein echt cooles Hobby zu haben und schöne Dinge zu erschaffen. Oder halt in der größeren Sparte dann auch noch darum, echt viel Geld zu verdienen.
Man verstehe mich nicht falsch: Ich mag Metal nach wie vor sehr gerne, höre es noch und bewege mich in der Szene, usw. und es gibt bei weitem nicht nur schlechte Seiten und Tendenzen. Wenn ich dann aber so unsinnige Überhöhungsversuche höre, muss ich was dazu sagen.
Nur weil man irgendwie Geschichtsreferate über irgendwelche Weltkriege in Songs verwurstet, oder Wikingerschlachten ins Mikro grunzt, oder in 9 Minuten irgendwas über norwegische Natur und Dunkelheit krächzt, ist das nicht automatisch irgendwas super tiefgängiges, oder gar besser und relevanter als etwas anderes. Man tut so, als seien dies alles größere, wichtigere Themen als man selbst, oder die aktuelle Zeit. Bei mir bewirkt das inzwischen eher das Gegenteil. Was will mir denn irgendwer heute von den Schrecken des ersten Weltkrieges erzählen? Oder was will man heute noch das böse und tiefe menschliche Abgründe erforschen? Das sieht man alles jeden Tag in den Nachrichten.
Also ich sehe bei dem Song 3 Writer (die drei beteiligten Künstler*innen), sowie noch zwei Produzenten.Schaut man sich die Credit z.B. von "Despacito" an, endet die Liste an Beteiligten kaum. Wo ist dann der Unterschied zu KI Slops? Die Eigenleistung geht gegen Null.


