Litauen - Lietuva
1.Tag Klaipeda (Memel als wir uns da noch rumgetrieben haben)
Memel wurde im 2.Weltkrieg arg zerstört, und bisher wollte das niemand so richtig aufbauen. Macht aber nix, trotzdem nett. Die Klaipedaner ignorieren die relative Hässlichkeit des kleinen Städtchens und leben recht zufrieden vor sich hin. Die Restaurants, Bars, Kneipen die wir sahen waren alle ausnahmslos nett und geschmackvoll, kann man sogar guten Jazz hören. Fast jeder spricht Deutsch und das lokale Bier gehört zu den ganz Großen in Europa. Ein Hoch auf Memelis, exzellente Mikrobrauerei fast direkt am Hafen. Wenn man nett zu den sehr hübschen Bedienungen im Restaurant der Brauerei ist, nehmen sie einen später in verruchte Jazzlokale mit. Daumen Hoch dafür!
2.Tag Kurische Nährung
Alle deutschen Bildungsbürger müssen von Klaipeda auf die kurische Nährung übersetzen, weil Thomas Mann im Städtchen Nida mal ein Strandhaus hatte und dort über die Höhe der Dünen und das blau der Nidaer Häuser staunte. Wir also auch dahin, in einem netten Haus untergekommen (Ja, da war es schon, das wirklich niedliche dunkelblau von Nida) und erst mal rumgegangen und über das berühmte Nidaer Blau (Nerv) und die verdammten Dünen gestaunt. Alles sehr nett, nur leider war gerade am Vortag eine lokale Nidaer Fliege geschlüpft, und es war eher schwierig sich zwischen Blau und Dünen fortzubewegen, da man öfter mal die Nährung vor lauter Fliegen nicht sah. Schliesslich aufgegeben, Bier und Champions-League-Final, zwei italienenische Mannschaften, Danke für das 0:0 ihr Catenacciodeppen! Generell ist die Nährung eher ein Ort für Leute ab 60, Langhaarige werden etwas komisch angeguckt und die Preise sind für Normallitauer eine Ohrfeige ins Gesicht. Wird sowas werden wie St.Peter-Ording, nur niedlicher.
3.Tag Kaunas
Yes! Weg von den Fliegen und ab in eine supercoole Stadt - Kaunas dürfte eines der geilsten unentdeckten Schmuckstücke Europas sein. Hat so 4000000 Einwohner, eine Riesenuniversität und eine unfassbare Museums- und Theaterdichte. Der Hammer aber ist die Innenstadt - nirgendwo ein Auto, Kilometerweites Gehen über Boulevards und Plätze, und um einen herum tobt das Leben in allen Facetten. Man ziehe durch die Stadt, setze sich in jedes zweites Kaffee, schaue fassungslos den Damen hinterher - um dann ernsthaft drüber nachzudenken ob man sich hier nicht verlieben sollte. Ja man sollte, aber stattdessen geht man dann doch ins Teufelmuseum und in die nächste Kneipe und dann stellt man fest das man ja schon im Bus nach Vilnius sitzt. Verliebt man sich halt beim nächsten Mal.
4. und 5. Tag Vilnius
Vilnius ist genauso schön wie Kaunas, nur das mit dem Verkehr haben sie nicht hingekriegt. Dennoch, genau wie in Kaunas lebt man auch hier bei Sonne fast komplett auf der Strasse. Wir sind in den flashigsten Hotels meines Lebens untergebracht - ein verrückter Sammler mit Englandfaible hat jeden Raum nach anderen Themen eingerichtet - ich lande im Edwardianischen Zeitalter, komplett mit Büchern über Landschaftsarchitektur und Bildern alter Adeliger. Kult! Am Abend wird der Vater mal ins Bett geschickt, der harte-Gitarren-Entzug geht schon zu lang. Dank Lucis Seite bin ich bestens informiert und gehe so um 11 zu Bix. Unten im Keller hol ich mier mein Bierchen und setz mich ins Eck um erstmal die Lage zu checken, aber man lässt mich nicht.

Gerade als ich gemerkt habe das ausser mir nur Frauen im Tanzraum sind, werde ich auch schon zugequatscht. Und weitergereicht. Und so beginnt ein sehr lustiger Abend (Der Frauenanteil überwiegt übrigens bis zum Schluss stark) mit viel Wodka, Tanz, Bier, Drama und ganz lustiger Musik. Nich so ganz hart, aber ne nette Mischung und Turbonegro kennt der Litauer auch schon. ich lerne ganz viele Frauen kennen, darf keine einzige einladen, aber dafür küsst mich eine später und zwei andere geben mir e-mail-adressen mit. Das schüchterne mono war mit der Situation selbstverständlich völlig überfordert, machte aber mal mit und bewahrte auch die Fassung als es durch das Küssen zu Eifersuchts- und fast Prügelszenen kam. Jungs, wenn ihr euch mal wie Graf Koks fühlen wollt - im Blix sind die Chancen nicht ganz schlecht.
Am nächsten tag schlepp ich mich mit Mörderkater an den Prachtbauten vorbei und in manche hinein, jaja, sehr prächtig das alles und ne Menge Geschichte haben diese Litauer, aber mir ist schlecht und ich schlepp mich nur so durch. Fast hätt ich von der Burg gekotzt. Mehr war nicht, der letzte Teil erzählt dann vom seltsamen Warschau.