Toffi Fee schrieb:
Am liebsten alleine zu Haus, drei Tage Dauerfernsehen und Bier und Fertignudeln und Pizza. Aber dieses Jahr werde ich wohl zu einem "Kochen und Essen mit Freunden" genötigt...
Ich freu mich wie jedes Jahr auf unser kitschiges Familienweihnachtsfest....
Am 23. wird der Tannenbaum geschmückt.
Am 24. kommen meine Geschwister aus fernen Landen. An diesem Tag ist außerdem die Stube verschlossen, der Schlüssel versteckt und keiner kann da rein (außer der Weihnachtsmann und die Wichtel und mein Vater, dem ich übrigens die Geschenke morgens gegeben habe, damit er sie unter den Baum legt). Mittags gibt es dann Berliner und ab dem frühen Nachmittag riecht es unheimlich gut im gaaaaanzen Haus nach Gans und nach Wein und nach Sauce mit Wein für die Gans. Außerdem gibt es jedes Jahr traditionell ein Krabbencocktail.
Meine Schwester will wie jedes Jahr zum Zeitvertreib in die Kirche gehen und manchmal lassen sich mein Vater oder mein Bruder dazu überreden. Mein Schwager war aber noch nie mit ihr in der Kirche.
Im Radio sowie im Fernsehen läuft der letzte Dreck, also hänge ich wie jedes Jahr im Forum rum, während der Geruch der Gans und des Weins und der Weinsauce für die Gans meiner Nase äußerst schmeichelt. Außerdem bin ich tierisch aufgeregt und die Zeit vergeht nicht.
Irgendwann gehe ich dann in die Küche, obwohl es erst in 2-3 Stunden Essen gibt, aber durch das Dabeistehen hoffe ich, dass es irgendwie schneller geht.
Endlich wird die Tür zur Stube aufgeschlossen. Wie jedes Jahr seit ich denken kann ist der Weihnachtsmann mal wieder abgehaun, ohne dass ich ihn sehen konnte. Aber er hat einen Haufen Geschenke da gelassen, die aber natürlich noch nicht aufgemacht werden dürfen, man darf sich auch nicht die Schildchen angucken.
Denn erst gibt es den Krabbencocktail. Dazu wird Musik gespielt, meistens barocke Trompetenkonzerte. Dieses Jahr hab ich Händel's Messia vorgeschlagen, was wir wahrscheinlich auch hören werden.
Nach dem Krabbencocktail kommt die Gans. Das Essen ist vorzüglich, obwohl ich eigentlich kein Geflügel mag. Aber da es Weihnachten ist, schmeckt es gut. Und gut gerochen hat es nunmal auch schon.
Langsam sind wir alle pappsatt, der Sauerstoff in der Stube ist knapp, es ist heiß. Alle warten auf die Geschenke.
Allerdings gibt es noch Nachtisch, meistens Saftpudding, aber mir ist eh schon schlecht. Ich such schonmal den großen schwarzen Würfel.
Aufs Klavier und Trompete spielen verzichten wir dieses Jahr, früher haben wir das aber immer gemacht.
Nachdem ungefähr 8 Stunden vergangen sind, in denen die Familie am Essen, Teller dekorieren und Abwaschen war, geht es dann endlich los.
Wir fangen mit dem Würfeln an. Vor ein paar Jahren hatte ich bis 3 Uhr morgens nur drei Sechsen gewürfelt, dafür aber zillionenmal soviele Dreien. Also haben wir uns darauf geeinigt, dass die neue Geschenkezahl die 3 ist. Aber manchmal nehmen wir auch die 1.
Die Bescherung geht dann ungefähr bis 3 Uhr morgens, die Luft wird immer stickiger, es wird immer heißer, der Kamin verbrennt das geschenkpapier in tausend bunten Farben und die große Stube ist ein einziger riesengroßer Berg voller Zeug.
Manche Geschenke sind mit Wachs beträufelt, weil manche Kerzen am Baum nicht ganz gerade sind (natürlich haben wir echte Kerzen am Baum, hatten wir schon immer).
Dann versucht jeder seine Sachen irgendwie alle gleichzeitig auf den Arm zu nehmen und nach oben in sein Zimmer zu tragen. Man bemüht sich erster zu sein, denn es gibt auch noch Stau im Badezimmer.
So um 4 ist dann Feierabend.