Das nächste Schulmassaker in den USA

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MetalBasstard

W:O:A Metalmaster
1 Mai 2002
9.785
3
83
42
Dülmen NRW
www.torturedspirit.de.ms
Sister Vulcana schrieb:
ich glaube, ihr/wir mißverstehen GRRR! einfach.
genau aus dem grund hab ich ja ne frage gestellt*g*

und um des nochmal klarzustellen, ich bezog mich auf diesen satz:

dass die Computerspiele zwar oft das Muster vorgeben, aber auf gar keinen Fall Hauptauslöser der Tat sind, sonder eher im Sinne des "Schlüssel-Schloss"-Prinzips zu sehen sind also quasi der bekannte "letzte Tropfen".
woher kommt die annahme?
ich denke, es könnte auch sein, dass computerspiele NUR des Muster vorgeben und der antrieb vom täter kommt.
des is jetzt keine behauptung, sondern nur ne these
und ich wüsst gern, was für GRRRR!!'s annahme spricht.
Überzeug mich;)
 

GRRRR!!

W:O:A Metalmaster
4 Dez. 2001
5.826
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MetalBasstard schrieb:
genau aus dem grund hab ich ja ne frage gestellt*g*

und um des nochmal klarzustellen, ich bezog mich auf diesen satz:

dass die Computerspiele zwar oft das Muster vorgeben, aber auf gar keinen Fall Hauptauslöser der Tat sind, sonder eher im Sinne des "Schlüssel-Schloss"-Prinzips zu sehen sind also quasi der bekannte "letzte Tropfen".
woher kommt die annahme?
ich denke, es könnte auch sein, dass computerspiele NUR des Muster vorgeben und der antrieb vom täter kommt.
des is jetzt keine behauptung, sondern nur ne these
und ich wüsst gern, was für GRRRR!!'s annahme spricht.
Überzeug mich;)
Das kommt aus Forschungen hauptsächlich der letzen 10 Jahre (wie ich bereits sagte), basierend auf Erkenntnissen der letzen 80 Jahre. Und zwar aus den Bereichen der Psychologie, Soziologie, Verhaltensforschung, Medienwirkungsforschung etc.
Im Endeffekt kannst du immer sagen, der Antrieb komme vom Täter. Was von einem existenzialistischen Standpunkt aus auch das einzige ist, was zählt. Wäre nur etwas zu einfach, denn damit ist noch immer nicht geklärt, warum es zu genau diesem Antrieb kommt.

Das mit dem "Schlüssel-Schloss-Prinzip" ist übrigens ein "Argument" aus der "Pro-Gamer-Szene" und zugegebenermaßen übertrieben. Es lässt sich natürlich höchstens auf die Methode des School Shootings anwenden und auf gar keinen Fall auf die eigentliche Wirkung der CS (also mehr, weil die Täter keine eigene Phantasie haben, holen sie sich die Inspiration da). Aber im Grunde nebensächlich, weil die Wirkung der medialen Gewalt woanders zu suchen ist.
Dass Fernsehen und Computerspiele einen Einfluss auf die Psyche des Menschen haben, ist inzwischen erwiesen und auch für Laien kaum abzustreiten (außer mit dem beliebten "Das ist nicht so und damit basta!"). Gerade bei jüngeren (Vorschul-)Kindern, die noch nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können ist dieser Einfluss nahezu fatal.
Das ist zu früh angesetzt? Mit Sicherheit nicht, da von allen Tätern bisher bekannt ist, dass sie aus zerrütteten Familien kommen und man von daher schon fast davon ausgehen kann, dass sie durch den Fernseher erzogen wurden (man verzeihe mir diese Verallgemeinerung, aber ich muss mich erst noch durch die Presse zu Erfurt durcharbeiten). Wenn jetzt also das Kind durch das Fernsehen lernt, dass Gewalt eine durchaus legitime Lösung ist, die in den meisten Fällen positiv sanktioniert wird und dies auch noch in der eigenen Familie als bestätigt sieht, wäre doch schon mal die Richtung, in die sich das Kind später entwickeln könnte, vorgegeben. Jetzt hat das Kind schon eine verkorkste Erziehung und trifft dann aus erschreckend realistische Computerspiele, bei denen wieder Gewalt die einzig legitime Lösung ist (ich kenne jedenfalls keinen Ego-Shooter, in dem mit Geiselnehmern verhandelt wird, aber ich stecke auch nicht so sehr in der Materie drin, vielleicht gibt's das ja doch). Jetzt wäre es natürlich wieder einfach, zu sagen, da hätte man ja die eigentlichen Täter: Die Familie und die Gesellschaft, die sich nicht um das Kind kümmern. Ist durchaus richtig, da das Jugenschutzgesetz schließlich für solche Fälle da ist, ist aber kein Argument gegen den Einfluss von CS und Gewaltvideos.
Will man die Ursachen für ein solches "School Shooting" herausfinden, muss man in der Biographie der Täter verdammt weit zurück gehen. Und dann wird es ziemlich einfach, den Spielen und Videos jegliche Schuld abzusprechen, da sie scheinbar nur ein kleines unwichtiges Element in einer langen Kausalkette sind. Am Ende steht dann nämlich immer die Frage "Und woher hatte er die Waffen?", womit mal wieder alles aufgelöst wäre. Im Endeffekt sind die USA mit ihren dummen Waffengesetzen selber schuld.
Aber unwichtig ist dieses Element auf gar keinen Fall. Jetzt kommt bestimmt wieder: "Aber warum gibt es dann nicht mehr solcher Taten?" Zum einen finde ich, dass die wenigen reichen, zum anderen habe ich nie von einem monokausalen Zusammenhang gesprochen. Wenn die Täter einen besseren Familienzusammenhalt gehabt hätten, würden die Jugendschutzgesetze hier und in den USA besser greifen, würden indizierte Computerspiele nicht trotzdem auf den Markt kommen etc. wäre das alles höchstwahrscheinlich nicht passiert. Und deswegen gibt es auch so wenige dieser Fälle. Aber deswegen ist es auch so verdammt einfach, die Ursachen woanders zu suchen und sich mit "Das ist nicht so und damit basta!" zufrieden zu geben.

Wen das Thema interessiert, dem seien "Das Beta-Kind" von Michael Millner, "Die neuen Kriege" von Herfried Münkler (keine Angst, es geht da nicht um die bösen Computerspiele), "Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" von Berger/Luckmann, "Constructing the Child Viewer" von Carmen Luke (vor allem interessant für Gegner der Medienwirkungsforschung, geht allerdings nur bis 1980), "Medienwirkungsforschung I" von Heinz Bonfadelli (für einen aktuellen Überblick über den Stand der Medienwirkungsforschung), ans Herz gelegt. Von "Wir amüsieren uns zu Tode" von Neil Postman und "Amok- Kinder der Kälte" von Reimer/Groenemeyer rate ich allerdings ab.

Vielleicht sollte man mal an die Verantwortung der Gamer appellieren, die Spiele nicht an Minderjährige abzugeben, auf LANs niemanden unter 18 zuzulassen und sich mehr um die Leute zu kümmern. Schließlich reden die ja auch immer von einer "Community". Aber es ist ja einfacher, wenn etwas passiert, dem bösen Staat die Schuld zu geben. ;)
 

Fyodor

W:O:A Metalmaster
2 Juni 2003
11.719
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GRRRR!! schrieb:
...Vielleicht sollte man mal an die Verantwortung der Gamer appellieren, die Spiele nicht an Minderjährige abzugeben, auf LANs niemanden unter 18 zuzulassen und sich mehr um die Leute zu kümmern. Schließlich reden die ja auch immer von einer "Community". Aber es ist ja einfacher, wenn etwas passiert, dem bösen Staat die Schuld zu geben. ;)
So ähnlich ist es doch schon?

Das Problem liegt nicht in der Community, denn keiner der Täter ging auf große LAN-Partys oder zockte im Clan. Das waren Leute, die zu Hause alleine vor dem bildschirm sitzen. Und da sind wieder die Eltern gefragt, die verhindern müssen, daß ein Kind solche Sachen in die Finger bekommt bevor es zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Einem halbwegs gefestigten Charakter kann sowas nämlich nichts mehr anhaben, aber die Wirkung kann bei Kindern oder Zurückgebliebenen wirklich fatal werden.