Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand
Die gingen immer Hand in Hand
Und selbst in einer Herzensfrage
Trat ihre Einigkeit zutage
Sie liebten beide Nachbars Kätchen
Ein blondgelocktes, kleines Mädchen
Einst sagte die verschmitzte Dirne:
Wer holt mir eine Sommerbirne?
Recht saftig, aber nicht zu klein?
Hernach soll er der Beste sein
Der Fritz nahm seinen Freund beiseit
Und sprach: Das machen wir zuzweit
Da drüben wohnt der alte Schramm
Der hat den schönsten Birnenstamm
Du steigst hinauf und schüttelst sacht
Ich lese auf und gebe acht
Gesagt, getan. Sie sind am Ziel
Schon als die erste Birne fiel
Macht Fritz damit sich aus dem Staube
Denn eben schlich aus dunkler Laube
In fester Faust ein spanisch Rohr
Der aufmerksame Schramm hervor
Auch Ferdinand sah ihn beizeiten
Und tät am Stamm heruntergleiten
In Ängstlichkeit und großer Hast
Doch eh er unten Fuß gefasst
Begrüßt ihn Schramm bereits mit Streichen
Als wollt er einen Stein erweichen
Der Ferdinand, voll Schmerz und Hitze
Entfloh und suchte seinen Fritze
Wie angewurzelt blieb er stehn
Ach hätt' er es doch nie gesehn
Die Käthe hat den Fritz geküsst
Worauf sie eine Birne isst
"Die schmeckt gar nicht!"
Sagt sie und schmatzt
Das war jetzt alles für die Katz
Nun haut die Kätze Fritz eins rein
Und küsst den Ferdinand aufs Bein
Der Knabe wird jetzt rot vor Liebe
Vergisst dabei schon fast die Hiebe
Seit dies geschah ist Ferdinand
Mit Fritz nicht mehr so gut bekannt
Wilhelm Busch feat. FallenOne, 10 Jahre