Wer hätte das gedacht!??!!?
Ohrenschmalz offenbart genetische Unterschiede
Neue Erkenntnisse zur Ausbreitung des Menschen
Nagasaki - Die Wiege der Menschheit stand einst in Afrika. Von dort aus verbreitete sich der Homo sapiens vor etwa 100 000 Jahren und trat seinen weltweiten Siegeszug an. Im Verlauf der Evolution veränderten sich seine Gene leicht, so daß sich heute auch regionale Unterschiede im Genom finden. Oft stehen Krankheiten damit in Zusammenhang, nun haben japanische Forscher ein harmloses Beispiel gefunden. Ausgerechnet im Gehörgang hat ein Team der Universität in Nagasaki nun neue Hinweise für die Wanderbewegungen des Menschen entdeckt: Die Konsistenz von Ohrenschmalz ist in Asien anders als in Afrika, weil auf Chromosom 16 ein Gen mutierte.
In "Nature Genetics" berichten die Forscher um Koh-ichiro Yoshiura und Norio Niikawa jetzt über die geringfügige Abweichung im ABCC11-Gen, das für die Bildung eines Zellkanals zuständig ist. An einer einzigen Stelle in dessen DNA-Sequenz wurde im Verlauf der Evolution der Baustein G gegen ein A ausgetauscht. Haben beide Exemplare von Chromosom 16 diesen SNP genannten Wandel vollzogen - die G-Variante wirkt dominant -, so wird trockenes Ohrwachs im Gehörgang von Betroffenen gebildet. Das ist bei Ostasiaten (insbesondere Chinesen und Koreanern) und ihren Nachfahren auf den amerikanischen Kontinenten sowie bei den Inuit der Fall. Dort zeigt sich auch eine seltene Deletion. Dagegen ist in den Ohren von Afrikanern und Europäer eher feuchtes Schmalz üblich.
Die japanischen Wissenschaftler haben die Erbinformationen von Individuen aus 33 Regionen der Erde untersucht und dabei für die A-Genvariante ein Ost-West- sowie ein Nord-Süd-Gefälle entdeckt - offenbar ist sie in Nordostasien entstanden. Warum, ist unklar, einem möglichen Zusammenhang zwischen Achselschweiß und feuchtem Ohrenschmalz wird nachgegangen. ska