FOREVER_MA
W:O:A Metalgod
wart mal - ich hab da vorhin n Review gefunden, welches das ganze ganz toll beschreibt:Master of Hades schrieb:Was´n das so für ne Musikrichtung?????
Der Bandname Kind Tot mag provoziernd wirken, doch sein Ursprung könnte harmloser nicht sein: Er stammt aus einem Gedicht des berühmten österreichischen Dadaisten Ernst Jandl (1925-2000), der u.a. solche Werke wie "Ottos Mops" veröffentlichte. Der Name kostete der Band wohl auch den Durchbruch, denn zu Lebzeiten hatten Kind Tot mit Boykotten von allen Seiten zu kämpfen und kamen so trotz tollen und zahlreichen Liveshows keinen Schritt weiter.
Auch sonst sind Kind Tot nicht die typische deutschsprachige Band. Das einzige Album der Truppe aus Wuppertal steht immer noch für sich allein. Es gibt keine Band mit der man Kind Tot musikalisch vergleichen könnte, obwohl zu dieser Zeit, 1995, auch Bands wie Rammstein, die Schweisser, Fleischmann oder Rinderwahnsinn groß wurden. Der Vergleich mit Rinderwahnsinn wäre wohl noch am zulässigsten, hinkt allerdings auch etwas.
Kind Tot hatten ihre eigene Nische entdeckt, so dass das Album mit Einflüssen aus Pop, Metal, Grunge, Blues, und ein wenig Indie spielt. Mit "Lebenserfahrung" haben die Jungs sogar einen astreinen Thrasher mit leichten Hardcore-Einflüssen aufgenommen, der vielleicht die Schweisser zu ihrem brachialsten Song, "Mannstopwirkung", inspiriert haben könnte. Vorallem Gitarrist Thorsten Sala überzeugt immer wieder durch grandiose Ideen und tolle Einfälle. Ein kleines Lick hier, ein komischer Effekt dort - sein Spiel erweitert den Bandsound um Dimensionen. Manchmal erinnern Kind Tot an die ganze innovativen Alternative Metal-Bands, die Anfang der Neunziger aufkeimten. Jane´s Addiction, The Big F, Last Crack und wie sie alle hießen.
Der große Trumpf jedoch im Bandgefüge war Sänger Unkas, der nicht über eine tolle, unaufdringliche, aber doch prägnante Stimme verfügt, sondern auch, beeinflusst von Ernst Jandl, Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) oder Kurt Schwitters, beeindruckende Spielchen mit der deutschen Sprache anstellte, so dass die Texte teilweise kryptisch bis verschlossen anmuten, sich allerdings trotzdem wunderbar in den muskalischen Trott einfügen. Die Texte, auch wenn man sie nicht auf Anhieb verstehen sollte, machen den Reiz von "Kind Tot" aus. Fernab von jeglicher Plattheit, wie sie die Onkelz so gut beherrschten, wettert Unkas gegen Ex-Freundinnen, Mitläufer, Nazis, Pseudointellektuelle, Idioten oder erzählt einfach tragische Geschichten, die das Leben manchmal so schreibt.
"Rache" ist der Song, der Kind Tot am meisten Ärger einbrachte und dadurch natürlich auch der Auffälligste auf dem Album ist. Auch musikalisch zählt das dynamische, wunderbar durchdacht arrangierte Stück mit seinen sechs Minuten zu den Besten auf dem Album. Wieder ist es Thorsten, der den Song zum gewissen Etwas verhilft.
Schon allein die Inbrunst und psychopathische Ausstrahlung mit der Unkas gegen Ende des Songs die Wörter "Mach mich nicht nervös" singt, lösen normalerweise Ganzkörpergänsehaut aus. Vorallem weil Unkas keine verrückten Stilelemente braucht, um wirklich geisteskrank rüber zu kommen. Er macht das einfach durch seine Intonation und Wortwahl. Ganz groß. Daran sollten sich manche Pseudopsychos mal ein Beispiel nehmen.
Doch auch die anderen zehn Songs stehen "Rache" in wenig nach. Der Opener "Pack Doch Aus" reißt vorallem durch seinen unglaublichen Groove mit und die Detailverliebtheit in Punkto Einarbeitung des unlogischen Gesangs in logische Rhythmen. "Pack Doch Aus" steht zurecht an erster Stelle, wenn es darum geht, sich in "Kind Tot" einzuhören. Ebenfalls super ist "Liebe im Kanu" geworden. Ein tragischer Song, naiv und fies vorgetragen, der gegen Ende in einem Wall aus Krach und freejazzigen Elementen völlig aus den Angeln gehoben wird und in "Seemann" übergeht. Ein Song, der nur aus Gesang besteht und komplett von Drummer Björn Krüger ausgeheckt wurde, welcher soweit bewiesen hat, dass er Unkas als Texter in wenig nachsteht. Ebenso fies und tragisch - und absolut faszinierend. Beide Songs haben Wasser und den Tod eines geliebten Menschen zum Inhalt. Anders umgesetzt, aber genauso packend und sarkastisch witzig.
Neben den beiden Schwanensee-Alben ist "Kind Tot" defintiv das Beste und Intelligenteste, was deutschsprachige Bands jemals zustande gebracht haben.
Auch wenn es Kind Tot längst nicht mehr gibt: Thorsten Sala und Bassist Theo Fotiadis haben mit Heyday eine neue Band am Start, die zwar nichts mehr mit Kind Tot gemeinsam hat, aber trotzdem ansprechende Mucke macht. Und zum Glück auch zwei, drei Stufen erfolgreicher als Kind Tot.
Ich hab die mal live als Vorgruppe von SCHWEISSER gesehen und da waren sie wirklich genial





