Apropos Arbeit :
Die Kunst des Faulseins
Ein französischer Bestseller enttarnt das Arbeitsethos in großen Konzernen
von Gesche Wüpper
Paris - Sie träumen von einer Beförderung? Dann sollten Sie am besten so wenig wie möglich arbeiten, empfiehlt die französische Volkswirtin Corinne Maier. Denn es würden immer ausgerechnet die Mitarbeiter befördert, die am wenigsten machen, damit sie in einer höheren Position weniger Schaden anrichten können.
"Bonjour paresse" ("Sei gegrüßt Faulheit") heißt das Buch, mit dem Maier in Frankreich gerade für Aufsehen sorgt. Erschienen ist das ironische Werk mit dem Untertitel "Von der Kunst und der Notwendigkeit, so wenig wie möglich in einem Unternehmen zu tun" bereits Ende April. Damals hatte sich die Autorin nicht träumen lassen, dass sie eines Tages auf der Bestsellerliste landen würde.
Zu verdanken hat sie das ihrem Arbeitgeber, dem Energieversorger Electricité de France (EdF). Der Staatskonzern machte Werbung für das Buch - allerdings unfreiwillig, denn er droht Maier mit Sanktionen.
Die Autorin, die als Teilzeitkraft bei EdF arbeitet, macht sich in dem sarkastischen Buch über das Arbeitsverhalten leitender Angestellter in großen Konzernen lustig. Immerhin, erklärt sie in der Einleitung, hätte eine Umfrage 2003 ergeben, dass sich 17 Prozent der französischen Führungskräfte innerlich von ihrer Arbeit losgesagt hätten. Dagegen würden sich nur drei Prozent aktiv für ihre Arbeit einsetzen. Aber genau die, die am wenigsten leisteten, würden befördert, kritisiert Maier.
Gleichzeitig seien die Top-Positionen in französischen Unternehmen den Absolventen der Elite-Hochschule ENA vorbehalten. Viele Punkte, die die 40-Jährige aufs Korn nimmt, gelten jedoch überall auf der Welt. Da ist zum Beispiel die wichtigtuerische, aufgeblähte Verwaltungs-Sprache oder die Praxis, für viel Geld externe Berater zu engagieren, damit die das feststellen, was das Unternehmen hören will. Maiers Schlussfolgerung lautet, das System böte keine Zukunft mehr. Deshalb müsse man es von innen heraus bekämpfen, indem man so wenig wie möglich arbeitet, selbstverständlich geschickt getarnt. So könnten Mitarbeiter den Eindruck erwecken, fleißig zu sein, indem sie das Büro abends spät verlassen, dort aber in Wirklichkeit private Telefonate oder Korrespondenz erledigen. "Gehen Sie nie ohne einen dicken Stapel Akten auf den Flur" und "wählen Sie in großen Unternehmen die überflüssigsten Posten wie Forschung oder Beratung", lauten andere Empfehlungen. Je überflüssiger, desto weniger lasse sich der Beitrag zum Unternehmensgewinn messen.
Von ihrem eigenen Arbeitgeber spricht Maier nicht. Und doch fand EdF das Buch alles andere als lustig und droht der 40-Jährigen nun im Rahmen eines Disziplinarverfahrens mit Sanktionen. Maier habe während Besprechungen Zeitung gelesen, die Konferenzen vor Ende verlassen und zudem nicht die Erlaubnis eingeholt, auf dem Buchcover EdF als ihren Arbeitgeber nennen zu dürfen, wirft das Staatsunternehmen ihr vor. Einen offiziellen Kommentar will der Konzern allerdings nicht abgeben, da das Verfahren noch läuft. Die für den 17. August geplante Anhörung der Autorin wurde jetzt auf den 6. September verschoben, weil Maier gerade Urlaub macht.