Veränderungen am Festivalhorizont

  • Als neues Loginsystem benutzen wir die Wacken.ID. Damit du deinen jetzigen Account im Wacken Forum mit der Wacken.ID verknüpfen kannst, klicke bitte auf den Link und trage deine E-Mail Adresse ein, die du auch hier im Forum benutzt. Ein User mit deinem Benutzernamen und deiner E-Mail Adresse wird dann automatisch angelegt. Du bekommst dann eine E-Mail und musst deine Wacken.ID bestätigen.

    Sollte es Probleme geben, schreibt uns bitte.

    Klicke hier, um deinen Account in eine Wacken.ID zu migrireren.

firefox_mozilla

W:O:A Metalhead
21 Juli 2016
434
497
88
Gerne möchte ich eine offene Diskussion starten, wie sich der Fetsivalhorizont verändern wird oder verändern kann. Dieses Thema habe ich in anderen Threads bereits angeschnitten, ich denke aber, dass es passender wäre das hier zu diskutieren.

Grundlage für meine Aussagen ist eine interne Präsentation und interne Dokumente von F********* und E****** in die ich und andere (unabsichtlich) Einsicht hatte. Es sind zwei Konzert- und Festivalverantstalter, die im jahr 2024 fusioniert haben. Ich habe mich bewusst dazu entscheiden die Firmen hier zu zensieren, da ich niemanden möchte in Schweirigkeiten bringen. Die Präsentation war zwischenzeitlich auch in einem anderen Forum öffentlich zugänglich, wurde aber unterdessen leider wieder gelöscht.
Die Dokumente sind das Ergebnis einer sehr umfassenden Analyse der Konzert- und Festivalstrukturen in ganz Europa. Es wurde zuerst eine Bestandesaufnahme erstellt, die Herausforderungen für alle Festivals und die eigenen Franchises analysiert und am Ende werden Massnahmen getroffen. Ich werde hier nicht alles 1:1 wiedergeben, aber möchte das wichtigste zusammenfassen.

Bestandesaufnahme:
- In Europa gibt es rund 20'000 Festivals ab 10'000 Besucher. Zählt man die kleineren dazu kommt man auf 80'000+
- Rund 20% der Festivals sind in den letzten Jahren verchwunden. Dies betrifft hauptsächlich kleinere und mittlere Festivals. Aber auch grössere Franchises wurden verkleinert oder sind komplett verschwunden. (Sonisphere, Download)
- Bei den Major-Festivals befinden sich rund 90% der Festivals im Eigentum grosser Veranstalter oder befinden sich zu Mindest in einer strategischen Partnerschaft mit denen
- Das Festival-Publikum ist älter geworden. Festivals ziehen bei jüngeren nicht mehr gleich wie noch vor 20 Jahren.
- Seit Corona gehen die Menschen beim Kauf von Festivaltickets bedachter um.

Herausforderungen:
- Die Inflation setzt in zwei Bereichen zu. Es wird teurer ein Festival zu veranstalten (Band-Gagen, Infrastrukturkosten). Durch teurere Tickets können sich immer weniger ein festival leisten. Wärend früher noch mehrere Veranstaltungn im jahr besucht wurden, sind es heute oftmals nur noch eine.
- Immer weniger Firmen sponsoren Festivals. Der Sponsorenmarkt ist hart umkämpft.
- Viele Bands sind mittlerweile auch direkt bei Veranstalter und Promotern unter Vertrag. Genannt wird Live Nation, die ein Grossteil hiesiger Headliner unter Vertrag haben. Der Zugang zu diesen Acts ist für Drittparteien sehr schwer und teuer.
- Amerikaner haben ebenfalls Festivals entdeckt. Diese drängen immer mehr in die Zeit der europäischen Festivals.
- Die Festivalbesucher fühlen sich mittlerweile eher von einem Line-Up als vom Festival angezogen. Die Marken der Festivals haben gelitten. Man geht nicht ohnehin ans Festival XY wegen Stimmung, Freunden, etc. Sondern reist eher auch als ganze Gruppe zu einem anderen Festival wenn das Line-Up besser ist.
- Tagesticket sind meist hinderlicher wie förderlicher. Ein Tagesgast verursacht überproportional viele Kosten in Bezug auf die Festivalinfrastruktur.Schaff man es an allen Einzeltagen etwa gleichviele Tagesticket zu verkaufen, gleicht sich dies wieder aus.

Massnahmen:

- Die einzelnen Marken sollen gestärkt werden, indem man eine klare Zielgruppe bedient. Heisst das Line-Up soll spezifisch sein, man soll keinen Genres-Mix anbieten. Bei einem Genre-Mix sollte man immerhin tageweise die gleichen genres bedienen.
- Wenn möglich sollte man das ganze Line-Up auf einmal bekannt geben, im Idealfall inkl. Timetable und sämtlichen Glamping-Angebote. Dadurch sei man der Konkurenz voraus. Wer schon ein Ticket hat, muss sich nicht zwischen mehreren Festivals entscheiden.
- Ganz offen wird vorgeschlagen, dass auch Line-Ups bereits 1.5 Jahre oder 2 Jahre im Voraus präsentiert werden sollen. Inkl. VVK. So liessen sich auch unterschiedliche Genres alle 2 Bedienen. Hier seien aktuell aber die Bandmanagements noch sehr zurückhaltend.
- Bekannte, grosse Major-Festivals sollen direkt angegriffen werden. Insbesondere die wenigen unabhängigen.
- Schaffung zusätzlicher Angebot generiert einen zus. Cashflow. (Glamping, VIP-Programme, Aktivitäten mit Bands)
- Man möchte einen Gegenpol zu Live Nation schaffen und möglichst viele Bands selbst unter Vertrag nehmen.


Wichtig: Ich möchte hier weder Gerüchte streuen, oder irgendetwas behaupten. Ich weiss, dass die Dokumente echt waren. Ich finde die angerissenen Themen sehr spannend, auch wenn ich nicht allen Analysen so zustimmen würde. Vieles hat aber auch seine Richtigkeit.
 

MasterChu19155

Moderatorin
6 Aug. 2003
19.717
1.378
128
42
Hamburg & Berlin
Spannendes Thema.
Die aktuelle Entwicklung im Hinblick auf manche Aspekte löst bei mir momentan eher den Impuls aus Major-Festivals ganz sein zu lassen und lieber auf 3-5 kleinere, spezifische Events zu gehen.

Ich wünsche mir einfach ein Metal-Festival im engeren Sinne für 3 Tage, ohne viel Schnick-Schnack, ohne Glamping, ohne VIP, ohne 1 Woche Zelten, ohne 15 Headliner-Major-Acts...dafür solide Mischung aus guten Newcomern aus den verschiedenen Subgenres, Specials, etablieren Bands.
 

firefox_mozilla

W:O:A Metalhead
21 Juli 2016
434
497
88
Was mir zu denken gibt, ist, dass alles auf ein Duopol rauslaufen soll. Da geht es nicht nur um Verträge mit Bands, sondern Venues, die dem Konzern gehören, Rigging, Light&Sound-Verleih, Konzertsecurity etc. Das hebelt den Wettbewerb aus und macht Veranstaltungen schlussendlich noch teurer. Die wenigeen unabhängigen und die kleinen veranstalter müssen dann auf teure Dienst der beiden Grosskonzerne zugreifen.
Live Nation plant derzeit eine neue Gross-Venue in München. Für Dritte dürfte die Miete dort sehr teur werden.
Man kann nur hoffen, dass die europäischen Wettbewerbshüter ein Auge drauf haben. In der Schweiz wurde eben die grösste Eventhalle (Hallenstadion) und Ticketcorner (Eventim) wegen einer strategischen Partnerschaft im Ticketing gebüsst, weil andere Ticketanbieter vom Markt ferngehalten wurden.

Spannendes Thema.
Die aktuelle Entwicklung im Hinblick auf manche Aspekte löst bei mir momentan eher den Impuls aus Major-Festivals ganz sein zu lassen und lieber auf 3-5 kleinere, spezifische Events zu gehen.

Ich wünsche mir einfach ein Metal-Festival im engeren Sinne für 3 Tage, ohne viel Schnick-Schnack, ohne Glamping, ohne VIP, ohne 1 Woche Zelten, ohne 15 Headliner-Major-Acts...dafür solide Mischung aus guten Newcomern aus den verschiedenen Subgenres, Specials, etablieren Bands.
Ich mag auch die keinen und mittleren Nummern, die noch familiär und mit herzblut organisiert sind. So wie Wacken noch vor 20 jahren.
Aber um auf schwarze Zahlen zu kommen, oder ein wenig Gewinn und Rücklagen zu machen geht fast nur noch mit einer Kommerzialisierung. Insbesondere wenn man das oben beschriebene bedenkt, dass selbst Sound&Light bei den grossen Akteuren eingemietet werden muss.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Like
Reaktionen: Saypren_Shepard

MasterChu19155

Moderatorin
6 Aug. 2003
19.717
1.378
128
42
Hamburg & Berlin
Ich mag auch die keinen und mittleren Nummern, die noch familiär und mit herzblut organisiert sind. So wie Wacken noch vor 20 jahren.
Aber um auf schwarze Zahlen zu kommen, oder ein wenig Gewinn und Rücklagen zu machen geht fast nur noch mit einer Kommerzialisierung. Insbesondere wenn man das oben beschriebene bedenkt, dass selbst Sound&Light bei den grossen Akteuren eingemietet werden muss.

Mir geht es schon eher um ein Festival mit 30.000 Besuchern und mehr.
Ich mag es schon in einer größeren Menge zu stehen. Es geht mir auch weniger ums Geld an sich. Darf also auch was kosten.

Aber das Feeling muss halt stimmen und das Festival muss in Sachen Infrastruktur, Stress, Laufwege etc. skalieren und passen. Und ich mag mich nicht so fühlen als sei ich auf einer Werberanstaltung und würde an jeder Ecke gemolken werden.

Man muss halt sehen...wenn Festivals meinen die Kommerzialisierung "ohne Ende" zu betreiben...dann machen sie die Rechnung ja letzendes ohne die zahlenden Besucher. Die spielen in der Gleichung eben auch eine Rolle.
 
  • Like
Reaktionen: firefox_mozilla

Quark

Der Beste
19 Juli 2004
110.485
8.895
170
Best, Nederland. Jetzt Belgien
Es liegt an der Atmophäre. Kleinere Festivals können eine besseren Atmosphäre haben, weil sie einfach übersichtlicher sind. (leider aber nicht immer erreichbar mit dem ÖV).

Aber dazu sind die größere Festivals besser ausgerüstet, mit alles rundherum während des Tages. Rahmenprogramm is besser entwickelt. Dafür is dann auch Budget.

Solange es ein Camping gibt, is et gut für mich.
 
  • Like
Reaktionen: firefox_mozilla

Mörv

W:O:A Metalmaster
8 Mai 2007
30.936
3.205
128
35
Größer wie das Reload 18.500 leute brauch ich nicht mehr. Geiler war es aber tatsächlich als nur ca 14.000 leute dort waren. Da hatte man schon das Gefühl das man irgendwie jeden persönlichen kennt :D