Weniger ist manchmal mehr - mein Fazit zum WOA 2010

Dieses Thema im Forum "W:O:A 2011<br>Verbesserungsvorschläge / Suggestion" wurde erstellt von Ailis, 09. August 2010.

  1. Ailis

    Ailis Member

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    Moin,

    ich wollt auch mal 2 bis ganz viele Cents zum diesjährigen Festival loswerden.
    Es war erst mein zweites Mal auf Wacken, von daher kann ich zur Entwicklung über die Jahre kein faires Urteil geben.
    Mir kam nur es annähernd so vor, als wären sowohl mehr Oldies, als auch mehr Saufjugend u16 dort gewesen, aber das ist nur ein vager Eindruck und liegt auch nicht direkt in der Verantwortung des Veranstalters.

    Zum Camping:
    Die Zeltplatzorganisation hätte deutlich schlechter sein können, aber das Gelbe vom Ei war sie definitiv nicht. Die labbrigen Fähnchen mit Buchstaben waren teils Donnerstag schon weg. Mehrere davon aufzustellen nutzt zur Orientierung nicht die Bohne, wenn man trotzdem 'nen Hektar nach dem fünftausendsten Schmeiß-mich-hin-und-ich-steh-toll-da-Zelt absuchen musst.
    Da waren immerhin nachts die fetten Scheinwerfer praktisch.
    Von den unglaublichen Dimensionen des Geländes und den ewigen Wegen, die man und vor allem frau zum Pullern oder Wasser holen zurücklegen muss, fang ich auch nicht mehr an, das wurde schon oft genug bemängelt.
    Das sind zwar nur Kleinigkeiten, aber generell täte es wohl der Stimmung auf dem Gelände gut, wenn es kleiner gehalten würde.
    Man muss nicht auf Teufel komm raus noch 5000 Besucher mehr reinquetschen um noch toller und größer zu werden. Härter wird's höchstens für die Füße, die jeden Tag Kilometermärsche zurücklegen müssen.
    Die Spülklos waren so weit immer sauber *thumbsup*, wenn auch meist überfüllt. Ich kann's nachvollziehen, aber sich über fehlende Seife und Co. aufzuregen ist in meinen Augen Erbsenzählerei und vermutlich eine der kleinsten Baustellen des Festivals.

    Wir waren auf Zeltplatz E und haben bis dort hin abends die Musik von den Bühnen gehört. Laut, jepp, aber ich bin genau dazu auf einem Festival: Um Musik mit Wumms zu haben. Und bis spät in die Nacht lief höchstens das Gedudel von uneinsichtigen Zeltnachbarn, die einfach zu trve zum Schlafen zu sein scheinen. Ernsthaft, wer braucht schon Energie um als mehr oder weniger zierliches Persönchen einen ganzen Abend zwischen schubsenden und grabschenden Menschlein zu überstehen?
    Nein, ich bin nicht auf einem Festival, um jede Nacht 10 Stunden in einem wohligwarmen, duftendem Bett in ruhiger Umgebung zu schlafen. Aber so ein bisschen Ein- und Umsicht sind schon was Feines.
    Warum wurde die Cleanzone eigentlich wieder abgeschafft? War die zu uncool? Find ich schade. Bin deutlich motivierter meinen Müll direkt vernünftig zu entsorgen als Müllsäcke hunderte von Meter weit über das Gelände zu schleifen. Kein Mensch erwartet dass jeder Fetzen Klopapier und jeder Dosendeckel sofort zum Recyclinghof wandert, Müll gehört dazu, blahh. Man kann's auch übertreiben - in beide Richtungen.

    Musik/Konzertgelände:
    Fand die Bandauswahl toll. Ehrlich. Viel Gutes Zeug dabei gewesen.
    So viel, dass teilweise 4 Bands gleichzeitig gespielt haben und man sich dann wahlweise vierteln oder 3 davon sausen lassen.
    Wozu?! Klar, je mehr Bands sind, desto eher findet jeder, genau was er will. Is' aber nu kein Wunschkonzert. Lasst uns einfach 10 Bühnen hinstellen, für jedes größere Genre eine. Optional könnte man auch Subfestivals in Gribbohm ansiedeln, damit die verirrter Hopper, Atzen und Utz-Utz-Utz-Heinis auch auf ihre Kosten kommen. Daneben noch einen Spielplatz, einen künstlichen Strand mit Erlebniswelt von jedem Kontinent und der Jahresurlaub ist perfekt *gähn*
    Ich als Weibchen kann mit dem ganzen Wrestling/Oil-Catching Kladderadatsch eh nix anfangen, aber ich frag mich auch ernstlich, wer das überhaupt kann. Pubertierende Bubis, die auf ihre drei Brusthaare stolz wie Bolle sind und "voll fett Party machen" wollen? Geht kacken, aber nicht Wacken.
    Türlich, zum Beispiel das komplette Bullhead Zelt rauszunehmen wäre ein totales Risiko, es gäb ganz viel Geweine und "aber letztes Jahr war das doch!!!!11einself". Drauf geschissen. Fragt doch mal rum, wie viele der Besucher happy damit sind, das mit dem Ticketpreis zu finanzieren. Und jahaaa, das mag _mal_ ganz witzig, unterhaltsam und männlich sein.
    Der einzige Vorteil solcher Einrichtungen ist, dass er noch ein klein wenig der Massen abfängt, die sich vor Fressbuden, Bierständen und was nicht noch alles tummeln, um überhaupt was zu sehen.
    Ebenmäßiger Boden rockt by the way auch total. Wenn schief, dann bitte zur Bühne hin abfallend.
    Und bitte, wenn eine Band gerade vom Label ins Himmelreich gepusht wird, stellt sie NICHT auf eine winzige Bühne. Gedränge und Atemnot vorne bei Maiden? Okay, klar, absehbar. Nicht toll, aber nichts ist perfekt.
    Nur, Equilibrium hatten auf der Wackinger Stage nichts verloren, das war der pure Wahnsinn. Als kleiner Mensch hatte man die Wahl zwischen Hochleistungssport, um nicht zermatscht zu werden und der Rückansicht tausender Menschen. Wunderbärchen.

    Trotz allem Gemecker, was man vermutlich genauso weit ausdehnen könnte, wie das Festival selbst, möchte ich die Tage auf dem WOA 2010 absolut nicht missen. Es ist und bleibt ein realitätsfernes Gebilde, eine andere Welt und mit gutem Willem und drei Schlag dazu auch noch eine mit guter Musik und vielen, vielen netten Menschen.
    Neben allen Pöblern, "Posern" und Nervensägen findet man auch immer Hilfsbereite (ich hab aufgehört zu zählen wie viele Menschen mich im Gedränge vor Knochenbrüchen bewahrt haben, vielen Dank an dieser Stelle), freundlich Gesinnte und tolle Zeitgenossen.
    Genauso wie der Veranstalter trotz aller mehr oder minder cleveren Entscheidungen einfach ein verdammt geiles Event auf die Beine gestellt hat.

    Fahrt einen Gang runter.
    Es wird immer genug Leute geben, die mit Freunde einfach nur zum Musikhören, trinken und Spaß haben kommen - und das in einem gesunden Maße.
    Ein Weihnachtsbaum ist geschmückt auch schöner, aber ich will darunter noch das Grün sehen.
    Schenkt den trivialen Dingen wie Musik und familiärer Atmosphäre doch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, dann passt das schon.
     

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