Multimedia-haus mal anders.... :D

Dieses Thema im Forum "Talk" wurde erstellt von Bluetiful Zero, 12. Juli 2005.

  1. Bluetiful Zero

    Bluetiful Zero Member

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    Das total vernetzte Haus


    Vor Jahren schon haben meine Frau und ich uns entschlossen, unser
    Haus komplett zu vernetzen. Wenn ich sage komplett, meine ich auch
    komplett. Also vom Keller übers Scheißhaus bis unters Dach. Hat ne
    Menge Geld gekostet, viel Arbeit gemacht, aber auch Spaß gemacht.
    Wenn so eine Installation fertig ist, freut man sich über das
    Geleistete.

    Sämtliche Fenster wurden mit Sensoren ausgestattet, die Wärme,
    Luftfeuchte, Luftzug und Zustand des Fensters registrieren und die
    Daten an einen Centralcomputer senden. Der soll erkennen ob der
    Luftzug ins Haus hinein oder aus dem Haus hinaus geht, ob das Fenster
    gekippt, ganz geöffnet oder geschlossen und verriegelt ist.
    Alarmsensoren brauche ich ja nicht extra erwähnen.

    Bei allen Türen das gleiche. Vom Centralcomputer aus konnte ich
    abrufen, welche Türen geöffnet sind, welche noch nicht verriegelt
    sind, ob Scheiben kaputt sind, ob der Alarmsensor an ist. Abends wird
    zu einer bestimmten Zeit automatisch alles geschlossen und
    verriegelt.

    Im ganzen Haus sind solche Sensoren verteilt. Und zwar in
    verschiedenen Höhen: am Boden, in 1,20m Höhe und unter der Decke. An
    der Decke sind in jedem Raum auch Feuer- und Rauchmelder, die laufend
    den Centralcomputer füttern.

    Im Klo geht die Spühlung automatisch nachdem der Drucksensor das
    Verlassen der Sitzung registriert hat. Die Klorolle wickelt
    automatisch ab, wenn der Wärmesensor eine Hand registriert. Aber
    eigentlich braucht man die Rolle gar nicht mehr, weil nach dem
    Geschäft ein feiner Wasserstrahl automatisch den Pürzel reinigt und
    ein Luftzug ihn trocknet. Wasserhahn und Seifenspender brauche ich
    natürlich auch nicht mehr betätigen. Nur das Handtuch greife ich noch
    selbst. Wir haben aber seither nur noch weiße Handtücher, wo ein
    optischer Sensor an der Wand abhängig vom Lichteinfall, den
    Verschmutzungsgrad des Handtuches registriert und das Teil
    automatisch von der Stange in den Wäscheschlucker in der Wand zieht.
    Von dort aus gehts per Unterdruck in die Waschküche.

    Die Küche ist mein Liebling. Mikrowelle, Kühlschrank, Herd,
    Kaffeemaschine - alle Geräte stehen permanent mit dem Centralcomputer
    in Verbindung und informieren über ihren Zustand. Im Kühlschrank
    befindet sich ein Barcodescanner, der ständig den Warenbestand
    überprüft und per Internet beim örtlichen Händler ausgleicht. Die
    Zahlung erfolgt automatisch über Standleitung zur Bank. Ist eine Ware
    abgelaufen, was eigentlich nie vorkommt, weil der Kühlschrank
    rechtzeitig informiert, weist er mich auch darauf hin.
    "Verfallsdatum Danone Joghurt Erdbeergeschmack erreicht". Oder "Bitte
    Milch aufbrauchen." Meine Frau findet das praktisch. Einkäufe haben
    sich seither eigentlich erledigt. Unnötige Wege auch.

    Kaffee wird morgens automatisch gebrüht, wenn ich das Bett verlasse.
    Radio geht an, Nachrichten wurden zuvor schon aufgenommen und dann
    außerhalb der Zeit abgespielt. Licht brennt wo es nötig ist. Überall
    Energiesparlampen.
    Wenn ich was kochen will, aber nicht weiß was, gebe ich einfach
    "Kochrezepte.de" ins Display am Kühlschrank ein - oder an der
    Mikrowelle oder am Herd und schon bekomme ich leckere Vorschläge
    gemacht wo meine Vorlieben berücksichtigt werden. Dabei achtet der
    Centralcomputer auf ausgewogene Ernährung und Sonderangebote.

    In jedem Raum habe ich Musik. Wir wohnen zwar sehr ruhig, aber sie
    paßt sich automatisch der Umgebungslautstärke an. Außerdem
    registrieren Sensoren die Stimmung der Personen im Haus und spielen
    gegebenenfalls beruhigende Klassik oder auch mal was Rockiges.

    In jedem Raum stehen Bildschirme über die man alle Daten abrufen
    kann. Meine Frau und ich sind dafür extra vor ein paar Jahren in die
    USA gefahren um dort geschult zu werden.

    Dummerweise ist unser Haus vor drei Monaten abgebrannt.

    Ich hatte abends noch ein wenig die vom Centralcomputer
    vorgeschlagenen Filme angesehen und war müde geworden. Der Computer
    machte mich darauf aufmerksam, daß ich doch ins Bett gehen könnte.
    Aber ihr wißt ja wie das ist, man murmelt was von "ja ja" und bleibt
    trotzdem liegen. Meine Gelenke schmerzten ohnehin weil ich in den
    Jahren seit der Vernetzung rund 40 Kilo zugelegt hatte, (man spart in
    so einem Haus ja so manchen Weg). Also blieb ich liegen.

    Dabei habe ich wohl mit einer Handbewegung im Schlaf ein volles
    Bierglas umgestoßen dessen Inhalt sich über den Teppich ergoß. Das
    wurde vom CC registriert der auch gleich die Reinigungsmaschine
    losschickte. Die konnte aber das Wohnzimmer nicht erreichen, weil
    meine Frau die Schranktür unvorsichtigerweise mit einer Kiste Altglas
    blockiert hatte. Also meldete die Maschine wohl an den CC, daß sie
    nicht starten könne. Der CC gab der Maschine aber wohl weiterhin den
    Startbefehl. Dabei wurd sie wohl heiß und verursachte einen
    Kabelschmorbrand. Gleichzeitig drehte der CC die Heizung hoch weil
    die Feuchtigkeit im Teppich nicht weichen wollte.

    Von der unerträglichen Hitze wach geworden versuchte ich ein Fenster
    zu öffnen, was aber wegen der von CC gesperrten Einbruchsicherung
    mißlang. Also wollte ich den CC mit anderen Anweisungen füttern und
    ging an einen der Bildschirme. Um die Fenster zu öffnen, mußte ich
    erst mal die Einbruchsicherung ausschalten. Dafür mußte aber erst mal
    das Paßwort zwei Mal bestätigt werden. Aber ich hatte wohl schon zu
    viel Bier intus und der Versuch scheiterte. Das System wurde gesperrt
    und unerlaubte Manipulation registriert. Die Heizung ging höher. Der
    Kabelschmorbrand im Schrank der Reinigungsmaschine setzte sich
    unbemerkt fort und erreichte die Datenleitung zur Mikrowelle. Diese
    ging an und bereitete imaginäre Speisen. Allerdings meldete sie dem
    Kühlschrank den Verbrauch von Lebensmitteln, der dann wohl sogleich
    mit neuen Bestellungen loslegte.

    Der Kabelbrand mußte aber irgendwann auch Herd und Kaffeemaschine
    erreicht haben und in deren Datenkabeln einen Kurzschluß verursacht
    haben. So schaltete der Herd den Wasserhahn ein um an Wasser für den
    Kaffee zu kommen und die Kaffeemaschine schaltete ihre Heizplatte auf
    Maximalleistung und fraß sich schließlich durch die Küchenplatte in
    den Mülleimer der zu brennen begann. Durch die Rauchentwicklung
    lösten die Rauchmelder aus und wollten über den CC eine Alarmmeldung
    an die Feuerwehr schicken, was aber wegen der Manipulationsversuche
    und der erfolgten Sperrung des Systems mißlang.

    Ich wollte nun also von Hand löschen und holte einen Eimer. Leider
    hatten die Sensoren am Wasserhahn mittlerweile eine Fehlfunktion und
    schalteten immer dann ab, wenn man dem Hahn zu nahe trat. Umgekehrt
    lief das Wasser, wenn man sich entfernte. So öffneten alle vernetzten
    Hähne ihre Ventile und bald war der Boden im ganzen Haus pitschenaß.
    Ich wollte also im Keller den Haupthahn zudrehen und ging hinunter.
    Die Tür zum Keller war vom CC verriegelt worden. Keine Chance.

    Also wieder hoch. Jetzt waren die Wassersprenkler an der Decke
    angegangen und versuchten den Kabelbrand im Schrank und den
    angrenzenden Wänden zu löschen, was aber ja nicht glücken konnte da
    das Wasser den Brandherd nicht erreichte. In der Küche schmolz
    mittlerweile die Dunstabzugshaube wegen der Hitze der Herdplatten weg
    und fiehl glühend zu Boden. Dabei entzündete sie die Holzdielen,
    durchbrannte diese und knallte schließlich in die Waschküche und dort
    in den vollen Wäschesammler.

    Um größeres Unheil zu verhindern wollte ich an den
    Hauptsicherungskasten um die Stromzufuhr zu unterbrechen. Dabei
    stolperte ich über einen wildgewordenen Staubsauger und schlug der
    Länge nach hin. Aber ich berappelte mich wieder und brach den
    Sicherungskasten auf. Sämtliche Sicherungen waren durchgebrannt. Der
    CC mußte also schon auf Notstrom umgestellt haben. Keine Chance, das
    abzustellen. Das Aggregat stand schließlich im verriegelten Keller.

    Meine Frau war inzwischen durch den Krach wach geworden und kam aus
    dem Schlafzimmer, dessen Tür, bedingt durch die zahlreichen
    Kurzschlüsse, einen Einbruchsversuch registrierte und zuschlug. Dabei
    schubste die Tür meine Frau gegen mich und zusammen flogen 278 Kilo
    durch die geschlossene Wohnzimmerscheibe ins Freie in den Pool.
    Sogleich ging im Garten laute Musik an und bunte Beleuchtung. (Bei
    unseren Parties springt öfter mal jemand in den Pool)

    Daß wir nicht ertranken, verdanken wir unseren Nachbarn, die durch
    den Krach geweckt, zu uns eilten. Sie riefen auch die Feuerwehr.

    Die kam zwar schnell, konnte aber bis auf die Grundmauern nichts mehr
    retten. Der Keller steht noch. Und mit ihm der CC, der
    Centralcomuter. Allerdings verweigerte sich der Keller drei Monate
    lang jedem Aufbruchversuch. Wir hatten ihn seinerzeit als Bunker
    auslegen lassen weil das sicherer ist.

    Und so bestellte der CC weitherhin jeden Tag Unmengen an Gemüse, Obst
    und Getränken bei den umliegenden Händlern, weil der nicht mehr
    existente Kühlschrank ja leer ist und Nachschub forderte.

    Die Polizei kommt auch drei, vier Mal pro Tag und registriert
    Einbruchsversuche. Inzwischen lachen wir aber alle darüber.

    Gestern schließlich kam ein Mann aus den USA. Ein Spezialist.
    Zusammen mit der Bundeswehr hat man den Keller geöffnet und den
    Centralcomputer herunterfahren können. Nach einigen Minuten konnte
    der Spezialist auch feststellen was die Ursache der ganzen
    Katastrophe war.

    Die fup94(u7448).dll in Windows XP homesecurity war beschädigt.

    Ich habe schon 7 Kilo abgenommen.
     
  2. wackenmike

    wackenmike W:O:A Metalmaster

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    na denn man ranhalten evtl nimmste ja noch mehr ab ;) :D :D :D :D

    ne is ganz lustig die story
     
  3. Baskerville

    Baskerville W:O:A Metalgod

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    Das Ende vor schon irgendwie voraussehbar, aber wenigstens konsequent.;)
     

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