Reviews zu den Metalbattles Nord und Süd

Dieses Thema im Forum "Official / Offiziell" wurde erstellt von Promotusse, 19. Juli 2006.

  1. Promotusse

    Promotusse Newbie

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    vielleicht hat der ein oder andere irgendwo ein Live Review zu den Battles gefunden... und könnte das hier vielleicht auch für andere zum nachlesen posten...???

    http://www.myrevelations.de/cgi-bin/reviews.pl?dvdreviews&review_detail_live&207

    SYSTEM FAILED haben gerufen und die Massen kamen und enterten den eigens gecharterten Bus für dieses Happening. Die Rheinland-Pfalz-Gewinner des Metal Battle konnten tatsächlich geschätzte 50 Fans und Freunde mobilisieren, sie zu diesem wichtigen Konzert zu begleiten. Samstags mittags gings los und manch einer konnte schon kurz nach 13 Uhr einen beachtlichen Promillewert vorweisen. Meine Weinigkeit und meine Liebste hielten uns aus Gründen der professionell-kompetenten Berichterstattung jedoch zurück (is natürlich völliger Quatsch, ich war gesundheitlich ein wenig angeschlagen) und genossen das bunte Treiben um uns herum. Nach ewig langer Fahrt inklusive Stau wurde nach unserer Ankunft im Freistaat Bayern erstmal die City unsicher gemacht. Aschaffenburg hat auch so ne Art Löhr- Center und wenigstens da werden wir manchen Leuten (u.a. einem äußerst symphatischen Musikerpärchen) noch etwas länger in Erinnerung bleiben. Um 19 Uhr öffneten sich dann die Pforten des Colos-Saals für das gemeine Fuß-Volk. Die Location sollte sich im Laufe des Abends als sehr geeignet für das Event herausstellen.
    Ganz im Gegensatz zum Schweinestall letztes Jahr war es hier nämlich scheinbar möglich einen ordentlichen Sound hin zu bekommen. Geht doch! Wobei mir erneut von diversen Musikern ein mieser Monitorsound attestiert wurde. Manches ändert sich wohl doch nicht.Doch trotz dieses Umstands konnte man sämtlichen Bands eine Spitzenleistung bescheinigen.
    Jede Band war meines Erachtens in Topform und spielte auf einem Niveau, dass man nicht zwangsläufig mit Undergroundbands in Verbindung bringen würde.
    Los gings mit INFINIGHT aus dem Saarland. Die Jungs spielten ihre Version von bodenständigem Power Metal und das mit Schmackes. Wenn es auch musikalisch nicht meine Baustelle war, so kann ich doch sagen, dass die Jungs ihre Sache äußerst souverän durchgezogen haben. Kompetente Mucker inklusive einem Sänger der noch Eier hat. Wenn Power Metal, dann so! Aber dann... der Grund unserer Anwesenheit, SYSTEM FAILED, enterte die Bretter, die das Wacken bedeuten und groove-moshte sich den Arsch weg, dass es nur so eine Freude war. Zumindest war es für alle Mitgereisten ein Spaß, denn ansonsten ließen sich vielleicht 5 Nasen dazu "herab" zu einer fremden Band abzugehn. Zugegeben, auf Dauer wirkt die Musik der Andernacher Lokalhelden zu eintönig (echt Jungs, mehr Abwechslung bitte), aber gerade live ziehen die Herren ordentlich die Wurst vom Teller. Da kommt Freude auf, da darf gehüpft, gepogt und haargeschüttelt werden (un nich gekickboxt! Fühlt euch ruhig angesprochen, all ihr Chuck Norris Fans!). Posen können die Herren auch wie die "Alten" und so hatten die fünf mit ihrem groovigen, mit Moshparts durchzogenem Thrash Metal erstmal die Nase vorn. Zumindest bei mir. Wer konnte da schon ahnen, was noch alles auf einen zukommen sollte.
    STEREOPILOT aus Baden-Württemberg zum Beispiel, die mit ihren hart rockenden Alternativklängen eigentlich so gar nicht ins "Billing" passen wollten. Die meisten der anwesenden Zuschauer sahen das ähnlich und bewegten sich kaum bis gar nicht. Schade, denn verdient hätten sie es allemal. Schöne (< schon ham wa den Haken, hehe), atmosphärische (New-) Rocksongs. Untermauert von einem soliden Rhythmusfundament, gespickt mit wirklich tollen Riffs und gekrönt von einem wirklich guten Sänger, der jedoch etwas zu arrogant rüberkam. Wenig Publikum hin oder her; das sollte die Show nicht beeinflussen. Sollte man nichtsdestotrotz aber dranbleiben, könnte groß werden.
    Von null Bewegung vor der Bühne hin zu beängstigenden Massenbewegungen gen Bühne. EBOLA aus Bayern hatten es SYSTEM FAILED gleich getan und ebenfalls einen Bus voller Fans mitgebracht, die auch gleich ans Eingemachte gingen. Das aber leider völlig rücksichtslos und teilweise zu brutal. Nennt mich Pussy, aber das war unangebracht. Wenn die halbe Halle plötzlich Opfer diverser Spinner wird läuft irgendwas schief. EBOLA selber hatten ebenfalls mächtig Spaß inne Backen und ließen auch den Schreiber eures Vertrauens nicht völlig kalt. Ihr glücklicherweise mal nicht trendiger Thrash ließ auch meinen Fuß manchesmal wild wippen. Die Band gab größtenteils Vollgas und auch auf der Bühne war posen angesagt. Gerade der Frontmann wusste bewegungstechnisch (und stimmlich) vollends zu überzeugen. Nit schlecht, die Herren.
    SOLEILNOIR aus Hessen stießen einige Leute zunächst mit Sicherheit erstmal vor den Kopf. Mit einem Intro (und ich sach noch: n Intro bei der kurzen Spielzeit...ne, du) und einer stimmungsvollen Beleuchtung knallten die vier Musiker dem Mob ihre Mucke entgegen und die hatte es in sich. Man stelle sich eine äußerst interessante Mischung aus TOOL und MUDVAYNE vor. Die Mucke wäre damit grob umschrieben. Wenn der Frontmann dieser Formation aussieht wie eine Mischung der TOOL und MUDVAYNE-Sänger, dann wird's so richtig strange. Der lief nämlich nur mit schmuddeliger, schwarzer Armybuxe rum, wirbelte die langen Dreads völlig ekstatisch durch die Luft und präsentierte seinen dreckigen aber offensichtlich trainierten Oberkörper. Das Gesicht (ebenfalls dreckverschmiert) zuckte von einer Grimasse in die nächste und das wichtigste bei einem Sänger war ebenfalls äußerst seltsam. Anders, aber gut, würd ich ma sagen. Halt eben auch wie ne Mischung aus... na ihr wisst's ja jetzt. Seine Mitmusiker hingegen boten ein Bild das die Gesamtperformance doch ein wenig trübte. Denn das war es letztendlich: eine Gesamtperformance. (Daher auch kaum Ansagen (die wenigen die sie machten schätzungsweise auch nur wegen des Wettbewerbs)) Diese Band würde ich gerne mal über die Dauer eines ein bis eineinhalbstündigen Gigs sehn. Seeeehr cool.
    Sachsen ging diesmal mit den extrem technischen Tod Metall Klängen von DIVINE X an den Start und meine Herren... diese Buben ballerten ein Brett in den Colos-Saal, das sich gewaschen hatte. Teils äußerst brutaler, fast schon in Grind-Regionen vorstoßender, verspielter Death Metal, der, aufgrund des spielerischen Niveaus, einige Unterkiefer ziemlich zackig Richtung Boden klappen ließ. Ein mächtigst abgrunzender Sänger rundete diesen Auftritt ab... doch was war das? Urplötzlich schlichen sich extrem ruhige, atmosphärische Parts in das Gemetzel und an dem Punkt verloren die Jungs wieder Punkte. Ich mag es generell wenn Musiker etwas Neues versuchen, aber das hier klang zu konstruiert und zerstörte den natürlichen Fluss der Songs. Zudem fehlte es dem Sänger an der nötigen Stimme, um das was er da vorhatte (zumindest live) umzusetzen. Hätten die fünf diese Spielereien weggelassen, oder es geschafft sie passender in ihr Death- Korsett zu quetschen, wäre es ein Fest gewesen. So war es "nur" gut. Schade.
    Anschließend spielten Kreator... sorry, THE UNCHALLENGED aus Thüringen für die nach Metal lechzende Meute (...naaaaja) und ernteten für ihre Vorstellung leider nur etwas mehr als Höflichkeitsapplaus. Dabei ging der technisch-einwandfreie Thrash Metal der vier 80er Relikte (der Sänger ärgert sich bestimmt jeden Tag, dass die Zeit damals nicht stehen geblieben ist) richtig gut nach vorne los. Erinnerte er doch permanent an eine geile Mischung aus Kreator (hauptsächlich aufgrund des Gesangs, der frappierend an Mille erinnerte) und Death. So altbacken das jetzt in Verbindung mit der Optik der Mucker klingt, so frisch und aggressiv kam es dann hingegen. Anscheinend war die Mucke nicht moshkompatibel (da meist scheißeschnell) genug für Aschaffenburg, anders ließen sich die verhaltenen Reaktionen eigentlich nicht erklären. An dieser Stelle vielen Dank an Werner, der gemeinsam mit mir wenigstens versucht hat Stimmung zu machen. Anyway, ich fand's cool.
    THE UNCHALLENGED hatten ihr Set gerade beendet, da zog sich die Jury auch schon zur Beratung zurück. In der Zwischenzeit heizten die Vorjahresgewinner GORILLA MONSOON dem Rest der Meute ein und das wieder so geil wie schon beim Landesentscheid in Andernach. Ich habe leider keine Ahnung, wie es vor dem Metal Battle 2005 war, aber 2006 sind Gorilla Monsoon eine arschtight rockende Band mit vier schweinecoolen Posern, die genau wissen wie es geht. Nach vorne treibender Stoner-Schweine-Doom- watweißich-Rock, der, genau wie die vier Gorillas, einfach für die Bühne gemacht ist. Well done, boys!
    Bevor dann gegen 1 Uhr (?) die Gewinner-Band bekannt gegeben wurde, gab es erstmal eine unglaubliche Nachricht zu vermelden. LORDI, die finnischen Monsterrocker, hatten den zeitgleich stattfindenden, und nur unschwer größeren, Eurovision Song Contest mit großem Vorsprung gewonnen. Ein großer Schritt für die Welt der Rockmusik - Hell Yeah! Herzlichen Glückwunsch! Bei der Verkündung der Sieger des Metal Battle präsentierte sich Chef-Juror Enno Heymann wieder mal als Sadist erster Güte, indem er das Prozedere länger zog als nötig. Schlingel!
    Als er schließlich den Namen der Gewinner verkündete stutzten nicht wenige im Saal. INFINIGHT werden den Süden Deutschlands beim diesjährigen Wacken Open Air vertreten. Ich glaube, ich spreche vielen aus der Seele, wenn ich jetzt sage: "Häh???" Sorry, Jungs, das ist keine Kritik, aber euch hatten glaube ich die wenigsten auf der Rechnung und nicht nur ich musste später noch mal nachfragen, wer denn bitte INFINIGHT überhaupt sei. Wie dem auch sei, Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg in Wacken.


    Verfasser: David Lang
     

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