Religionsfreiheit vs Bildung

Dieses Thema im Forum "Talk" wurde erstellt von E'Lell, 21. November 2010.

  1. E'Lell

    E'Lell W:O:A Metalmaster

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    Vielleicht wird mir der ein oder andere den Vogel zeigen und sagen, "ist doch keine Frage!"
    Aber für mich/uns ist es halt eine. Insofern…

    Ich hole aus: Wie relativ bekannt und offensichtlich sein sollte, bin ich bekennender und praktizierender Ungläubiger. Aus einem sehr locker evangelischen Haushalt kommen bin ich zwar konfirmiert, aber irgendwann volljährig aus dem Verein ausgetreten.

    Nun ist es so, dass wir für Sohnemann nach der Grundschule eine weiterführende suchen. Notenmäßig ist dabei alles im Lot: wer in vier Jahren zweimal lernt und einen Durchschnitt von 2 hinlegt, sollte gymnasiumreif sein. So weit so gut.

    Jetzt haben wir vor Ort vier Möglichkeiten: Hauptschule, Realschule, Gesamtschule und Gymnasium. Das Problem: Letzteres ist in Trägerschaft der *trommelwirbel* evangelischen Kirche!

    Das heißt in NRW: Es gibt keine Abwahl des Fachs Religion (was wir in der Grundschule gemacht haben; zum Teil aus Protest, weil die Gewichtung auf das Fach uns zu massiv erschien: Für Reli fielen jeden Monat Stunden aus um in die Kirche zu latschen. Es wurden Test geschrieben – in Englisch in all den Jahren nicht ein einziger; das gleiche galt für Hausaufgaben), man droht sogar mit dem Verweis von der Schule, wenn man von dem gesetzlicher Recht gebraucht hat – alles mit Absegnung des Bildungsministeriums!
    Religionsfreiheit, Recht auf Bildung – alles wird mit Füßen getreten!
    Und für uns stellt sich jetzt die Frage, beißen wir in den sauren Apfel und bieten unserem Sohn die (wahrscheinlich) beste Bildung und kacken auf unsere Prinzipien oder sagen wir, auch die GS bietet das Abi an, geh dahin? Aber auch mit dem Wissen, dass er nie in Bayern oder BW studieren kann, da die das Abi (so er es denn machen sollte) nicht anerkennen, auch wenn wir ja inzwischen ein Einheitsabi haben.

    So ein Aufreger nebenher: In der neue eröffnete Mensa stehen Ledersessel, Kühltruhen vom Rotary Club und die Sponsortafel am Eingang zeigt deutlich wohin die Reise geht. Auf der anderen Seite, müssen die anderen Schulen schauen, wie sie am Kacken bleiben; haben auseinanderfallende Holzbänke und müssen teilweise auf Eltern zurückgreifen um den Unterricht überhaupt auf die Reihe zu kriegen um die Fehlstunden nicht ins unermessliche steigen zu lassen.

    So Meinungen, Ratschläge, Erfahrungen! Bitte :)
     
  2. NymE

    NymE W:O:A Metalhead

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    Eine Meinung, da erstens keine Erfahrung und zweitens Ratschläge etwas sind, wovon man sehr bewusst und umsichtig Gebrauch machen sollte.

    Euer Recht, Atheismus zu leben gilt ja auch insofern für euren Sohn, dass dieser sagen kann: Ich glaube an Gott und möchte religiös leben.

    Aus diesem Grund finde ich es nicht schlimm, wenn er auf eine religiös angehauchte Schule kommt. Mal blöd gesagt: Die Chance, dass er danach Mönch wird, liegt quasi bei Null. Die meisten von uns hatten Religionsunterricht - manche mehr, manche weniger. "Geschadet" hat es wohl so gut wie niemandem.

    Da finde ich die Rotary-Geschichte schon eher bedenklich. Aber auch hier gilt: Das muss euer Sohn kennenlernen, und sich seine eigene Meinung bilden. Wenn auch vielleicht erst in einigen Jahren. Zunächst wird ihn das wohl erst mal nicht tangieren.

    Ich denke, dass ein gesunder Dialog in der Familie der Dreh- und Angelpunkt ist. Schafft durch Gespräche ein Bewusstsein für gewisse Problematiken bei eurem Sohn, und teilt ihm mit, warum ihr gewisse Dinge so seht wie ihr sie seht. Ohne ihm dabei diese Ansichten "aufzuzwingen". Entschuldigung, ist ein hartes Wort, aber ich hoffe, ihr wisst wie ich das meine.

    Euer Sohn sollte irgendwann soweit sein, bewusste und reflektierte Entscheidungen treffen zu können - für sich selbst! Denn Relgionsunterricht und Spenden vom Rotaryclub sind sicher nicht die größten "Fallen" im Leben, denen er sich noch zu stellen hat.

    Entscheiden muss aber letztendlich er. Nur dann steht er auch wirklich dahinter.

    Möglicherweise wählt er einen anderen Weg, als ihr das getan habt. Aber anders funktioniert es in meinen Augen nicht.

    Und ganz davon ab: Religionsunterricht ist imho sogar hilfreich, für Religionsfreiheit. Denn nur, wer die Religionen und ihre Hintergründe kennt, kann über selbige nachdenken und seine eigene private Religionsvorstellungen leben und eine wirklich freie Entscheidung treffen. Lernt er es nicht in der Schule, lernt er es von euch - was "privater Religionsunterricht" wäre.


    Deshalb: Ab auf's Gym - und die möglichen Problematiken und Stolperfallen mit Sohnemann besprechen. Dann wird er ganz bestimmt gut mit allem klarkommen.

    My 5 cents.
     
  3. bier_baron

    bier_baron W:O:A Metalmaster

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    nyme hat alles gesagt.

    ich würde ihn auch eher auf die schule mit dem bestmöglichem bildungsangebot schicken, fürs leben bringt es ihm mehr.

    und bei freier religionswahl die wir ja heute haben ist die chance meiner meinung nach hoch, bei einer evangelischen schule als "ungläubiger" wieder rauszukommen.
     
  4. WarriorPrincess

    WarriorPrincess W:O:A Metalmaster

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    Abi wird überall in Deutschland anerkannt, egal ob auf Gymnasium erworben oder an der Gesamtschule oder auf anderem Bildungsweg (Soll auch Erwachsene geben, die ihr Abi nachholen und dann studieren...) Das Ding heißt "Allgemeine Hochschulreife" und nicht "Hochschulreife, beschränkt auf Bundesländer X, Y und Z" !
    Trotzdem würd ich die Schulwahl nicht daran festmachen, ob man Reli abwählen darf oder nicht, sondern die beste wählen! (Zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass man deswegen einer staatlichen Schule verwiesen wird, höchstens wenns ne Privatschule ist, dann wird es aber bestimmt auch ne staatliche Alternative geben! - Mein Tipp: sprecht mal mit der Grundschullehrerin, die kann da garantiert weiterhelfen!)
     
  5. E'Lell

    E'Lell W:O:A Metalmaster

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    Ich weiß nicht, wie es zZ ist. Fakt ist aber, dass bis vor ein paar Jahren Abiturienten meiner ehemaligen Schulen in diesen beiden Ländern auf Grund dieser Tatsache abgelehnt wurden.
    Einer freien evangelischen die Mathe und Englisch ausfallen läßt um mit den Kindern die Kommunion ihrer Mitschüler zu besuchen?
    Denke nicht, dass die die richtige Ansprechpartnerin ist ;)

    Nochmal kurz: Mir geht es nicht um die Teilnahme am Religionsunterricht! Ich habe bis zum nachgeholten Abi auch mitgemacht! Mir geht es primär um das Brechen des Grundgesetztes und um den Zwang, wenn er irgendwann mal sagt, nee, ich möchte nicht mehr.
    Wenn er sagt, was in dem Schinken steht ist total toll, kann ich auch damit leben; muß es ja sogar. Aber ich lasse ihm die frei Wahl; die Schule tut dies nicht!
    Sicher hat wohl noch keinem der Religionsunterricht geschadet (es sei denn, er wurde in einem kath. Internat abgehalten). Aber ich bezweifel, dass er auch schon viel geholfen hat.
     
  6. bier_baron

    bier_baron W:O:A Metalmaster

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    ich finde das ist der saure apfel in den mann beissen muss, die richtige ausbildung muss sein.
     
  7. E'Lell

    E'Lell W:O:A Metalmaster

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    Das ist ja die Frage ;)

    Und: ist ein GS Abi die "falsche" Ausbildung?
     
  8. bier_baron

    bier_baron W:O:A Metalmaster

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    mh...es ist zumindest nicht das niveau würd ich sagen, und auf dem gymnasium lernt man etwas;)

    ich bin nu genauso wie du (konfirmiert, aber kein glaube), ich hätte ihn aufs gym geschickt.
     
  9. Zaubererbruder

    Zaubererbruder W:O:A Metalhead

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    Da geb ich jetz auch mal meinenSenf dazu.

    Ich bin zwar katholisch getauft und nicht evangelisch, aber das sollte keinen Unterschied machen.

    Dazu sag ich gleich dass ich auch gefirmt bin, aber mitlerweile auch darüber nachdenke den Verein da zu verlassen.

    Naja, ich denke auf alle Fälle auch dass ihr lieber das Gymnasium wählen solltet.
    Zum einen weil ich in Bayern auch bis zum Ende mit Religionsunterricht überlebt habe. Ich fand es sogar sehr interessant, da man auf der einen Seite ja die ganzen Moralischen Grundsätze unserer Gesellschaft immer in schönen Gschichten vermittelt kriegt und auf der anderen Seite sich ja schön Solidarisch mit den Religionskritikern und gegen die Gottesbeweise stellen kann, wenn man denn so will. Wird ja wohl nicht so sein dass sie deinen Sohn runter schmeissen, nur weil er sich aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligt indem er Fragen aufwirft, die den Lehrer bisschen stören.
    Ausserdem musste man bei uns Ethik belegen, wenn man keine "richtige" Religion mehr gelehrt haben wollte, also hast du die Stunden und änlichen Stoff eh.

    Zum anderen aus einem ganz praktischen Grund: Ich denke, es ist einfacher von einem Gymnasium auf die GS zu wechseln, wenn einen der ganze Verein anpisst, als anders herum. D.h. wenn dein Sohn in der 10ten merkt dass er doch lieber Abi aufm Gymi machen will könnte das schwer werden.
    Wenn er aber zum gleichen Zeitpunkt merkt dass er wegen der Religionsfreiheit (die ja auf der Schule nicht so gegeben ist) lieber auf die GS geht, könnte das einfacher sein.
    Zumindest vermute ich das mal. Aber darüber könnt ihr auf alle Fälle mal mit nem Lehrer oder so sprechen, sowas sollten die euch sagen können.
     
  10. METi

    METi W:O:A Metalmaster

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    Ich würd auf meine eigenen Prinzipien scheissen und ihn aufs Gym schicken.

    Meine eigene einstellung dazu wäre mir nicht wichtig genug um ihm nicht die best mögliche ausbildung zu ermöglichen.

    Wenn er nachm Abi zu den selben Prinzipien findet wie ihr is gut, wenn nicht findet er halt eigene mit denen er leben kann.
     
  11. E'Lell

    E'Lell W:O:A Metalmaster

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    Laut Zeugnis (und meinem unbescheidenen Eindruck ;) ) ist seine Sozialkompetenz so gestärkt, dass er sich nicht von einem Verein von alkoholisierten Autofahrern (Hallo Frau Käßemann! :D) belehren lassen muß ;)
    Die bei uns als Alternative gedachte Philosophie wird gar nicht angeboten. Aussage eines Lehrers: Das Läge nicht im Interesse des Trägers :o

    Sicherlich. Aber ich möchte ihn eigentlich nicht auf eine Schule packen mit der Aussicht, ggf. in ein paar Jahren zu wechseln.

    Ach ja: auch katholische Meinungen sind erwünscht :o :D
     
  12. Zaubererbruder

    Zaubererbruder W:O:A Metalhead

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    Ja, das hab ich ja auch nich behauptet. Aber für kleine Kinder is es trotzdem schön, geschichten zu hören.
    Märchen sind ja auch dazu da, bestimmte Botschaften an das Kind zu bringen, nur schön verpackt :p
    Das is natürlich ne beschissene Aussage.
    Niemand möchte dass, aber diese entscheidung wird er irgendwann selbs treffen, und ich denke es macht nicht viel unterschied ob er nun auf der GS merkt dass er was anderes will, oder auf dem Gymi.
    Ich glaub du denkst nur, dass die warscheinlichkeit dass er weg will auf dem Gymi eher gegeben is, weil du dir nicht so gut vorstellen kannst dass er sich die Sache, dass er nicht von der Reli-lehre wegkommt, nicht so lang geben wird.
     
  13. E'Lell

    E'Lell W:O:A Metalmaster

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    Nee, das eigentlich nicht!
    Aber in all den Vorstellungen verschiedenster Schulen kommt von den Direktoren immer wieder "er/sie kann ja wechseln" - und das finde ich weniger gut. Wenn dann durch!

    Und bitte: mehr Satzzeichen - ich hab den Absatz fünf mal gelesen um ihn zu verstehen :D:D:D ;)
     
  14. Zaubererbruder

    Zaubererbruder W:O:A Metalhead

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    stimmt, da hat mindestens ein Komma gefehlt :p

    Ja stimmt schon, ohne wechseln durch zu kommen wäre schon das idealste, lässt sich aber nich erzwingen.
    Und ich glaub, dass das auch ein Grund ist sich durch den Reli-Unterricht zu schleppen: weil man seine Freunde an der Schule hat, weil man die Lehrer schon kennt usw. Da sind die zwei Stunden in der Woche echt nich so des Problem.

    Ach ja: wenn die Lehrer mal sagen, dass es vllt besser ist, wenn er wechselt: die wissen auch nich alles.
    Den Eltern von nem Kumpel wurde 3mal ans Herz gelegt dass er auf der Realschule besser aufgehoben wäre. Er hat dann ein Abi mit 2,5 oder so gemacht, und studiert jetz mit mir eine Naturwissenschaft...
    Er is sehr froh dass seine Eltern nich gehört haben. Manche zünden später. lieber mal ne wiederholung riskieren. (hat mir auch nich geschadet, des eine Jahr...)
     
  15. Linda

    Linda W:O:A Metalmaster

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    E'Lell kann dein Sohn denn überhaupt einfach so auf dieses Gym. wechseln, wenn er konfessionslos ist? (nehme ich jetzt mal an, dass er es ist) Könnte ja auch sein, dass vorausgesetzt ist, dass er evangelisch sein muss?
    Ansonsten würde ich aber auch für die bessere Bildung plädieren.
    Zu meiner damaligen Zeit gab es in Thüringen zum Glück weder Ethik noch Religion. Nach meinem Umzug nach Bayern musste ich damals auch den Ethikunterricht besuchen, der lustigerweise da wir nur 3 Leute waren, mit denen, die die katholische Religion besucht haben, zusammengelegt wurde. :rolleyes: Ok ich war damals schon älter und konnte das verkraften, aber dein Sohn wird den Reli-Unterricht auch schon irgendwie überstehen ;)
     

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