Metaller-Gedankenwelt

Dieses Thema im Forum "Talk" wurde erstellt von MetallKopp, 26. September 2012.

  1. MetallKopp

    MetallKopp W:O:A Metalmaster

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    Moin Leute!
    Ich hab ja nun ein wenig länger nix geschrieben, aber Rudi ist aus seinem Sommerschlaf erwacht :D
    Was ich von den diversen Bestätigungen halte, habe ich ja schon in den jeweiligen Threads gepostet. Geht gut los! Beim Durchstöbern der ganzen Posts seit meinem letzten Besuch (Holla) sind mir wieder einige Diskussionen aufgefallen, die es (nicht nur) hier im Forum in dieser oder ähnlicher Form schon seit Jahren gibt. Nun haben mich die diversen Äußerungen hier einfach zum Nachdenken angeregt, und ich möchte einiges davon mal einfach so zum Besten geben. Niemand soll das als Kritik verstehen, oder als Handlungsvorschrift, neinnein. Das ist nur mein Beitrag in Form von Gedankengängen. Mein lieber Libbelah würde wieder sagen, ich scheiße gewaltig klug und labere mir einen ab und ihm an die Backe (hat er auch Recht!), aber das kann ich nunmal und mach es auch gern. Also labern. :D
    Heute geht’s mir um die ganze Diskussion, was eigentlich Metal ist, was zum Metal gehört, was speziell aufs Wacken gehört und welche Bands im Sinne des Metal große Acts sind.
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    Dieses Bild findet man in verschiedenster Ausprägung, mit verschiedenen Bands, an diversen Stellen im Netz. Was sofort auffällt ist, dass viele hier im Forum einige Bands auf keinen Fall zum Metal zählen würden. Dabei sind wir auch schon direkt zum Kern des Pudels vorgedrungen: Es scheint nämlich unter einigen Metallern oder einigen, die sich dafür halten, Mode zu sein, nur das als Metal anzuerkennen, was man selbst als solchen definiert. Eine mögliche Erklärung dafür habe ich auch schon: weithin bekannt ist, dass der Metal als Musikrichtung gerade in den letzten zehn Jahren stark im Kommen war und seinen Zenit noch nicht überschritten hat. Metal ist aber mehr als eine Musikrichtung: die „Alten“ werden mir zustimmen wenn ich sage, Metal ist ein Lebensstil. Metal ist laut sein, frei sein, unangepasst sein, unbequem sein. Metaller zu sein, bedeutete früher, dass einem auf der Straße mit dem Finger hinterhergezeigt wurde. Der ist böse, der ist Satanist, der ist ein Unruhestifter. Und man selbst begegnete dem mit einer „Fuck you“-Einstellung. Diese alten Spießer verstanden halt den Weg nicht, den man ging.
    Das Ausleben dieses Lebensstils kann einen natürlich dazu bringen, „Fuck you“ zu allem zu sagen, was einem nicht schmeckt. Aber diese Sonderstellung als ein „Anderer“ ermöglicht einem auch eine differenziertere Sichtweise auf viele Dinge. Sollte sie jedenfalls.
    Denn wie viele Leute fanden bitte in den Anfängen des Heavy Metal (Led Zeppelin, Uriah Heep, Def Leppard, Deep Purple, Black Sabbath,…) „unsere“ Musik so richtig Scheisse? Genau, die meisten! Auch das Rock-Business konnte mit der neuen Härte nicht viel anfangen.
    Und heute? Heute erlebe ich in den Worten denselben Konservationismus wie damals. Nur dass die Bewahrer heute nicht Glamrocker, Punks oder sonstwas sind, sondern – Metaller (oder die, die sich so nennen). Wenn wir nun hergehen und Ableger, Besonderheiten und neue Musikstile abzulehnen, macht uns das doch genauso zu Spießern wie die Leute, die früher mit dem Finger auf uns gezeigt haben. Anstatt also zu behaupten, Metalcore, Nu Metal, Rammstein, oder sonstwas wäre kein Metal und gehöre nicht aufs Wacken – sollte man sich lieber fragen, ob sich der Metal nicht weiterentwickelt und man selbst stehen geblieben ist.
    Man kann darüber sagen was man will, Rammstein ist der erste erfolgreiche Hard’n’Heavy-Export aus Deutschland gewesen. Herrje, 2001 bin ich zu Besuch auf nem amerikanischen Zerstörer gewesen, und als man hörte, die Deutschen sind da, was lief da sofort in der Messe? Genau, Rammstein! Es mag nun nicht der Geschmack von jedem sein, es mag nicht echter True Heavy Metal sein (was ist das heute schon?), aber der Erfolg gibt Rammstein das Recht, als Mega-Act angekündigt zu werden. Und die harte Ausrichtung der Band rechtfertigt auch den Auftritt auf einem Metal-Festival. Allen „für mich sind die aber kein Mega-Act“-Unkenrufen zum Trotz.
    Genauso Deep Purple. Hallo? DP haben mitgeholfen, den Grundstein zu dem zu legen, was wir heute Metal nennen! Also. Nicht nur ein Auftritt, gleich auch noch eine Runde Geschichtsunterricht kostenlos.
    Und was ist mit Metalcore, Deathcore, Wasauchimmercore? Ich denke, das ist alles progressiv (Gruß an Chu) und einer der Zweige, die nun mal vom Metal abstammen. Das ist ein Teil der Entwicklung, genau wie Pagan, Speed, Melodic, Death, Black Metal sich nach und nach ausgeprägt haben und nicht bei jedem auf Gegenliebe stoßen. Niemand würde heute hingehen und behaupten, Black Metal sei kein Metal weil er ja nicht trve und heavy ist ^^
    Schlussendlich das Wacken: Das Wacken ist konzipiert gewesen als Festival von Metallern für Metaller. Wie immer in der Musik, bestimmt auch hier der Geschmack die Richtung. Mit der Zeit scheinen die Organisatoren gut zu spüren, was die große Mehrzahl der Wacken-Fans wollen. Sonst wäre Wacken nicht so gewachsen und nicht immer ausverkauft.
    Man steht vor einem Dilemma, denn ein kleines Festival hat nun einmal ein gaaaanz anderes Flair wie ein großes (Daher auch das allgegenwärtige Gefühl, Wacken hätte viel von dem verloren, was es früher ausmachte. Klar, es entwickelt sich! Was erwartet Ihr?). Was also tun, wenn die Fangemeinde wächst? Klein bleiben und das Risiko eingehen, dass irgendwann alle Tickets direkt am Starttag des Vorverkaufs weg sind? Oder wachsen und das Flair des Kleinen gezwungenermaßen abstreifen, aber mehr Fans die Möglichkeit geben, es mitzuerleben? Tjaaaaaaaaa.
    Ich finde, Wacken hat nach wie vor eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. In der Größe gibt es kein Festival, das so charmant ist. Und ich kenne noch Zeiten, da waren weniger als halb so viele Leute da wie heute.
    Viel Gelaber. Was ist also die Moral von der Geschicht? Nun, ich bin kein Moralprediger. Ich werde nur selbst hingehen, mir den ganzen neuen Scheiss unvoreingenommen reinziehen, entscheiden, was gut ist und was ich Scheisse finde (und das kund tun), mich über alte Helden freuen, mich über neue Helden freuen, bei einigen Spaß-Acts abfeiern und für mich nutzlosen Kram links liegen lassen.
    Was ich nicht mehr tun werde, ist Leute, die nicht in mein kleines altes verkrustetes Metal-Weltbild passen, für mich in mein Kopp aus der Metal-Gemeinschaft auszuschließen. Vielleicht sind die die neue Richtung. Vielleicht sind es auch nur Spacken. Wer bin ich, das zu entscheiden? Bin ich der Metallgott? Hab ich den Metal erfunden? Nein.
    Ich bin nur ein kleiner Metaller der überzeugt ist, dass sein Weg für ihn der richtige ist. Und für andere ist ein anderer Weg richtig. Das sollte man respektieren. Und aufhören, Bands künstlich kleinzureden, nur weil es nicht genau die Metal-Richtung ist, die man selbst mag.

    In diesem Sinne – don’t stay true: stay heavy.
     
  2. Axel2

    Axel2 W:O:A Metalmaster

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    Teufel auch...jetzt, wo du's sagst... :eek:
     
  3. Tobes

    Tobes W:O:A Metalhead

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    Ich kann dem eigentlich im großen und ganzen auch zustimmen.

    Ich sehe das mit der Entwicklung der verschiedenen Stile allerdings etwas anders:
    Du hast schon richtig geschrieben, dass es mit der Musik auch diese "Idee"/den Lebensstil dahinter gibt. Der ist zwar auch innerhalb der verschiedenen Metalstile anders, aber grobgesehen immernoch gleich und hat sozusagen den selben Kern. Wenn ich dann einen neuen Stil auf diesem Kern entwickel, musikalisch wie vom lifestyle, dann habe ich halt immernoch diesen Kern und "bin immernoch Metal".

    Wenn ich nun aber eine neue Metalart nicht nur auf Metal aufbaue, sondern auch auf anderen Musikstilen und den Lebensweisen die dazugehören, habe ich auch ein Ergebnis das weiter weg ist von "Metal". Wenn ich nun also ein Crossover entwickle, wo dann Hardcore reinkommt, hab ich am Ende zwar immernoch ordentlich Metal dabei, aber halt auch genug Hardcore-Anteile. Damit ändert sich dann der Metallifestyle den ich mitgebracht habe natürlich in Richtung Hardcore. Da habe ich dann eine etwas andere Art zu Leben, sich anzuziehen oder benehmen oder was weiß ich.

    Damit will ich jetzt keinesfalls Crossover oder speziell auch Metalcore schlecht machen, Metalcore mag ich sehr, aber man muss halt eigentlich schon (mein Deutschlehrer hätte mich dafür getötet) dazusagen das es "weniger pur" Metal ist.
    Genauso ist ja Whiskey-Cola kein Whiskey oder kein SoftDrink mehr, sondern eben ein Longdrink und wird auch ruhig mal von Whiskeyliebhabern verschmäht. (Gibt es Colaliebhaber, Colaverkostungen etc.?)
    Auf diese Weise werden dann halt Merkmale oder Arten usw. verdrängt und ersetzt. Es ist halt kein Metal mehr, sondern Metal mit X. Ich denke das ist es, was sehr vielen Leuten bei der Geschichte aufstößt.
    Subjektiv hab ich auch das Gefühl, dass Subgenres die diese Einflüsse aus z.b. Hardcore, Hip-Hop, oder jetzt auch Trance haben, deutlich öfter die "kein Metal"-Keule abkriegen.

    Man hat meiner Meinung nach also schon auf eine gewisse Weise immer weniger Metal, je weiter man weggeht vom harten Kern, wo auch immer der jetzt ist. Die Frage ist dann, wieviel man denn haben möchte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. September 2012
  4. MetallKopp

    MetallKopp W:O:A Metalmaster

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    Ah, mhkay, vielen Dank erstmal für Deinen Beitrag, über den ich sehr froh bin. Genau darum ging's mir ja, und nicht um eine fixe und unverschiebbare Meinung anzubringen, sondern um meinen Horizont zu erweitern.

    Ich finde, bei den vielen vielen unterschiedlichen Stilrichtungen kann man nicht 100% einwandfrei sagen, dass der eine oder andere weniger oder mehr Metal ist. Wir müssen da auch differenzieren, ob wir Heavy Metal meinen, also im engeren Sinn Musik nach dem Vorbild der ursprünglichen NWOBHM (dann müssten viele der moderneren Metal-Richtungen rausfallen, so auch Thrash oder Death) oder eben Metal im weiteren Sinne, der die vielen Stilrichtungen umfasst. Bei den vielen Unterschieden zwischen den einzelnen Stilen, die ja wirklich deutlich sind, wer will da eindeutig sagen, wo jetzt eine bestimmte andere Musikrichtung mit reingespielt hat und wo man lediglich puren Metal weiterentwickelt? Ursprünglich war Heavy Metal ja auch eine Vermischung von Hardrock- und Punk-Elementen mit einer neuen Härte.

    Dann kommt ja noch ein ganz anderes Thema hinzu. Einerseits gibt es viele Newcomerbands, die eindeutig einem Stil zuzuordnen sind, die sozusagen genau diese Schule spielen (zB Horizon Divine). Wie oft hört man aber, wenn Bands nach ihrem Stil interviewt werden "Ja, das ist so ein Mix aus X, Y, Z, und ach ja, gelegentlich ist ganz viel A dabei". Bekanntes zu kombinieren und zu etwas Neuem zu machen war in der Musik ja schon immer verbreitet.

    Hmmmm, nur wann hat man sich dann denn vom ursprünglichen Stil abgespalten? Selbst bei populären Bands, die für die meisten eindeutig Metal sind, ist die Zugehörigkeit oft umstritten. Nimm zB mal Machine Head, da gibts Leute die sagen, das ist Thrash. Dann gibts wieder Leute, die sie im Neo-Thrash sehen (also mit starken Crossover- und Hardcore-Einflüssen!), analog glaubt man sie dem Groove Metal (überschneidet sich da vielleicht auch) zugehörig.

    Complicateeeeed!
     
  5. MetallKopp

    MetallKopp W:O:A Metalmaster

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    Oh, achja, das ist natürlich nur die Facette der Stilrichtung. Die Frage der Lebenseinstellung ist ne ganz andere.
    Black Metaller mit Herz und Seele wäre allerdings auch nix für mich ^^
     
  6. Quark

    Quark W:O:A Forumsstammgast

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    Chemie war nie mein stärkster Punkt, und jetzt weiss ich auch wieder warum.

    Ausserdem: Der Tabel von Mendeljev (of hoe je 't ook uitspreekt) war immer 'n Killer für mich.

    Wird wohl immer so bleiben. (fürcht ich)
     
  7. Libbelah

    Libbelah W:O:A Metalhead

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    Du scheißt gewaltig klug, laberst dir einen ab und mir an die Backe. :o
     
  8. Libbelah

    Libbelah W:O:A Metalhead

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    DAS ist gelogen!
     
  9. MetallKopp

    MetallKopp W:O:A Metalmaster

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    Klär mich bitte auf. Wen hab ich vergessen?
     
  10. Tobes

    Tobes W:O:A Metalhead

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    Scorpions ? Oder vergess ich da nu auchnoch wen ?^^ Zumindest sind das immer die größten deutschen Bands an die ich so schnell denke.

    Ich wollte mich jetzt auch nicht zusehr auf irgendeine Stilrichtung und feste Teile derer untereinander einschießen, ein Thrasher wird ja sicherlich nicht sagen das Death kein Metal seie^^. Es ging mir da eher um die schon entfernteren Einflüsse.
     
  11. MetallKopp

    MetallKopp W:O:A Metalmaster

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    Fuck, ja, Scorpions. Dieses Jahr in Wacken noch gesehen. Son Scheiss. Heut morgen fiel es mir auch wie Schuppen aus den Haaren :D
     
  12. hada

    hada W:O:A Metalhead

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    Die gibt es ja noch nicht so lange, da kann man die schon mal vergessen :o:o:D
     
  13. Alimente

    Alimente W:O:A Metalhead

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    accept....:p
     

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