Kritik an der Hilfsbereitschaft seitens der Polizei

Dieses Thema im Forum "W:O:A 2013<br>Lob & Kritik / praise & criticism" wurde erstellt von Kai Schneider, 06. August 2013.

  1. Kai Schneider

    Kai Schneider Newbie

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    Nach ein paar Tagen des Nachdenkens habe ich mich jetzt nun doch entschlossen, einen "Fall" zu posten, der sich auf dem Festival zugetragen hat und der mich gelinde gesagt sehr verärgert hat.

    Folgender Sachverhalt, zugetragen direkt vor dem Rammstein-Konzert:

    ein junges Mädchen wurde, weil es ihr in der abartigen Menschenmasse zu unwohl wurde, innerhalb eines BECK´S-Standes gehievt, damit sie sich ein wenig erholen kann. Dort saß sie dann relativ lange hinter dem Gitter.

    Da ich den Vorgang erst ein wenig später mitbekam, kann ich nicht sagen, wer sie da hingesetzt hat, auf jeden Fall saß sie da. Irgendwann kamen auch zwei Sanitäter und kümmerten sich kurz um das Mädchen, um dann relativ schnell wieder zu verschwinden. Ich dachte zunächst, die kommen gleich wieder, was aber nicht geschah. Das Mädchen saß aber dennoch weiterhin an derselben Stelle, die Situation verbesserte sich ganz offensichtlich nicht bei ihr. Hilfe bekam sie von niemandem, waren alle zu beschäftigt, es nahm keiner mehr Notiz von ihr.

    Als mir das alles langsam etwas zu lange dauerte und ich ausgebildeter Ersthelfer bei uns in der Firma bin und ich gelernt habe, nicht einfach wegzusehen, wenn ich das Gefühl habe, da stimmt was nicht, bin ich zu ihr hin und habe sie angesprochen. Ich habe sie gefragt, ob sie aus dem Bereich ganz raus möchte, weil sie ganz einfach gesagt Angst hatte, wieder in die Menschenmassen zurückzugehen. Sie hat es dann auch bejaht und gesagt, es wäre ihr lieber, hier rauszugehen.

    Da ich in Anbetracht der Menschenmengen jedoch allein niemals eine Chance gehabt hätte, sie da rauszubringen, bat ich die Beschäftigten an dem BECK´S-Stand, Hilfe zu holen, schließlich sind die ja mit dem Sicherheitsdienst verbunden, wie ich annahm.

    Ab diesem Zeitpunkt geschahen Dinge, die mich heute noch in Rage bringen: die Beschäftigten am Stand, zugegebenermassen viel zu tun, machten mir klar, dass sie jetzt keine Zeit hätten und ausserdem seien die Sanitäter ja schon dagewesen. Als ich denen erklärt habe, dass das schon sein möge, es dem Mädchen aber immer noch nicht besser geht und sie direkt zu mir gesagt hat, sie möchte raus hier, hat sie das net wirklich umdenken lassen. Kurzum: keine Hilfe von den Beschäftigten.

    Also, Plan B gefasst: selber Unterstützung holen.

    Mich also durch die Menschenmassen geschoben und zum Glück 20 Meter weiter tatsächlich eine Polizeistreife gefunden! Also gleich hin und denen den Vorfall geschildert. Hier jedoch das eigentliche Debakel erlebt: die zwei Beamten, eine junge Frau, ein junger Mann, schäkerten ausgelassen mit Festivalbesuchern rum, ich hatte Mühe, dass die mir überhaupt zuhören. Was sie da jetzt machen sollen, war die Gegenfrage. Sanis seien ja schon dagewesen. Ich denen dasselbe erklärt wie den BECK´S-Beschäftigten. Hat sie nicht interessiert. Das Mädchen würde sich schon wieder erholen und sie könnten nicht jedem solchen Vorfall nachgehen. Damit ging das ausgelassene Gespräch mit den Festivalbesuchern weiter und ich stand da wie doof. Kam mir richtig toll vor. Ich hab bestimmt 5 Mal versucht, sie dazu zu bewegen einfach mit mir nochmal zu dem Mädchen hinzugehen und nochmal mit ihr zu sprechen, doch ich wurde komplett im Regen stehen lassen.

    Ich hab mir dann den Namen des Beamten geben lassen und habe mich zur zentralen Polizeiwache auf dem Festgelände durchgekämpft, während Rammstein mit dem Konzert begannen.

    Dort angekommen, das selbe Geschehen wieder: ich erzählte meine Geschichte, doch es interessierte auf gut deutsch gesagt keine Sau. Man würde nochmals mit dem Beamten reden. Super! Tolle Antwort, das nutzt dem Mädchen viel!! :mad::mad:

    Ich wollte dann mit dem Schichtleiter der Polizei reden, mich an eine höhere Kompetenzstelle wenden, doch man ließ mich nicht und wimmelte mich wieder ab. Ich hätte handgreiflich werden müssen, um überhaupt erst in die Nähe eines kompetenteren Beamten zu kommen... (!)

    Nach derlei Ignoranz hab ich dann letztendlich aufgegeben, ich kam nicht weiter. So hab´ ich mich wieder von dannen gemacht, das Konzert war inzwischen schon großteils vorbei und ich kämpfte mich mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch wieder zu meinen Kumpels durch, wo ich erstmal Dampf abließ.

    Das Traurigste an der Geschichte ist für mich, dass ich keinerlei Hilfe bekam, mir hätte es schon gereicht, wenn die Beamten mit mir nochmals zu dem Mädchen gegangen wären, um nochmals mit ihr zu reden und sie ggflls. aus der "Gefahrenzone" zu bringen, was nur mit amtlicher Hilfe möglich gewesen wäre, in meinen Augen. Bei dem Gedränge hätte mich keiner freiwillig durchgelassen.

    Ich hatte das Gefühl, dass mich keiner ernst nahm. Klar, man ist auf W:O:A, Rammstein spielen und man hat einen Bierbecher in der Hand. Der dreht halt am Rad, den kann man nicht ernst nehmen. So war mein Eindruck, wie man mir begegnete.

    Dieser Vorfall macht mich heute noch stinkesauer, ob der vielen Ignoranz und Mißachtung, die mir entgegengebracht wurde. Da willste jemandem helfen, doch alle behandeln dich wie einen total besoffenen Headbanger, der´s nicht mehr blickt. Noch nicht mal mitkommen tut man und schaut sich das mit eigenen Augen an :mad:

    Ich würde es sehr begrüßen, wenn man diesen Vorfall bei einer Nachbesprechung nochmals näher beleuchtet und dies in Zukunft bessser macht. Wenn jemand schon Hilfe sucht, sollte man sie demjenigen auch zukommen lassen, denn für solche Fälle ist die Polizei, Security etc. auch da. Ganz vorsichtig ausgedrückt würde ich da sogar schon von unterlassener Hilfeleistung sprechen....

    Ich habe das Mädchen später übrigens nochmals gesehen, ihr ging´s dann wieder besser, was ja die Hauptsache ist.

    Aber der ganze Ablauf stimmt mich eben traurig und wütend...

    Sowas sollte nicht passieren, meiner Meinung nach.

    Soweit mein Anliegen. Es wäre schön, wenn sowas nicht nochmals passieren würde!
     
    Zuletzt bearbeitet: 06. August 2013
  2. Toffi Fee

    Toffi Fee W:O:A Metalgod

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    Verstehe ich das richtig? Nachdem Du vergeblich bei immer höheren Instanzen nach Hilfe ersucht hast, bist Du zu Deinen Kumepls zurückgegangen? Wieso nicht zu dem armen verängstigten Mädchen? :confused:
     
  3. Wetter

    Wetter W:O:A Metalhead

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    Mmh.

    Ich weiß nicht. Für mich liest das, als ob du da ein "Problem" gesehen hast, was keines war.

    Das Mädchen war in Sicherheit. Es wollte legendlich nur "raus", was aufgrund des vollen Konzertes ja nur quer durch die Leute geht. Wennse Angst hatte - tja nu... wo war das Problem jetzt zu warten, bis es zu Ende ist? Danach müssen doch eh alle gehen. Es gab schließlich keine Gesundheitsgefährdung bei ihr, somit war das ganze kein Drama Wert.

    Das die Polizei/Getränkebuden da eher deinteressiert waren, ist zwar unschön. aber nur ein Mädchen durch die Massen zu boxen, obwohl sie nach den Konzert immer noch raus kann, ist halt eine Sache, die nicht unbedingt als "musst gemacht werden" angesehen werden musst. Dafür gibst echte Notfälle und das war bei den Mädchen halt nicht der Fall. Sorry für dich.
     
  4. Kai Schneider

    Kai Schneider Newbie

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    Ist so nicht ganz richtig. Da sie am selben Stand war wie meine Kumpels und ich, hab ich sie dort dann wieder gesehen. Allerdings nicht gleich wieder, da es dort so viele Leute hatte, dass ich zunächst nicht bis ganz zu ihr durchkam... ;-)
     
  5. Heisenmü

    Heisenmü W:O:A Metalgod

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    wie alt war die denn geschätzt? :o
     
  6. Kayser

    Kayser Member

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    Wobei da eher die Security zuständig sein sollte...
     
  7. wackensani

    wackensani Newbie

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    Hallo Kai.

    Was soll denn eine San-Streife deiner Meinung nach tun?
    Auftrag ist ganz klar, Verletzte, akut Gefährdete (Bewusstlose), etc. zu suchen bzw. Hilfe zu leisten.
    Wenn ein Besucher physisch erst mal unbeschädigt ist, besteht kein zwingender Grund einzugreifen.
    Eine psychische Beeinträchtigung wie z.B. eine Angst-Psychose ist durch ungeschultes Personal fast nicht zu erkennen, schon gar nicht zu behandeln - und zu dem muss man auch sagen - dürfen die Sanis den Besucher dann dort wegbringen? Ist das sein Wille?
    Solange der Besucher diesen Willen klar äußern kann - dann sollte es auch möglich sein, sich selbst zu entfernen - ggf. ein paar Kumpels zu bitte, diesen zu begleiten.
    Sanis als Eskorte in solch einem Fall einzusetzen, erscheint mir zweifelhaft....
    Stell Dir mal vor, 40m weiter kommt es zu einem Unfall, jemand verletzt sich - und die Sanis sind gebunden, weil sie die "zu betreuende Person" ja nicht in noch mehr Getümmel allein lassen können....
    Wie wäre dann der Tenor der umstehenden? Unterlassene Hilfeleistung? Gefährdung?....
    Du siehst vielleicht, das viele Dinge von zwei Seiten betrachtet werden können.

    Ich stimme Dir zu, das der Fall ganz klar suboptimal gelaufen ist - und die Polizei vielleicht statt shakern auch anders tätig werden könnte - aber meiner Meinung nach ist die klar das Aufgabengebiet der Pol/Sec, denn Prävention ist dort gefragt.....

    Wie heisst es so schön: Wenn zwei sich prügeln, dann bekommt die POL den Gewinner und der Sani den Verlierer - die Sanis werden (leider fast zwangsweise) eigentlich erst dann aktiv, wenn es jemandem wirklich schlecht geht - Prävention ist Selbtschutz und wenn ich evtl. labil bin, dann sollte ich mich ggf. mit Freunden etwas weiter vom Trouble entfernt aufhalten....

    Aber ich möchte Deinen Einsatz dennoch loben - ich finde es gut, das Du das auf Dich genommen hast!!!! Respekt.
     
  8. strelok

    strelok Newbie

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    immer dasselbe... wenn man aus dem Publikum raus will, und es einem zu viel los ist, gibt es 2 methoden.
    eine setzt genug durchsetzungsvermögen voraus. und erfordert etwas mehr gewicht auf den rippen. -> Durchboxen
    die zweite setzt vertrauen in Mitmenschen voraus. nennt sich -> Crowdsurfing, damit wird man an der bühne von den secus wieder rausgefischt und kann dann seitlich weg...
    beide Optionen standen Dir zur verfügung, um dich alleine rauszuboxen hatte es anscheinend gereicht.

    und aus erfahrung(meine freundin ist knapp 1,60), wenn man leute anspricht alias "lasst uns durch, wir wollen nur raus" lassen die einen in die richtige richtung durchaus laufen...
     
  9. brainfreeze

    brainfreeze Newbie

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    Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass egal wie dicht das Gedränge ist, Leute ohne Probleme nach hinten durchgelassen werden. Besonders wenn man denen ansieht dass sie grade aus dem Pit humpeln oder völlig erschöpft sind.
     
  10. Kai Schneider

    Kai Schneider Newbie

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    Ich geb´ Euch ja Allen irgendwo Recht!

    Was mich halt echt geschockt hat, war die abweisende Haltung seitens ALLER, die ich um Hilfe gebeten habe.

    Und wenn die Polizei schon da ist, haben die eben nicht rumzualbern, sondern da zu sein, wenn jemand deren Hilfe braucht. Wenigstens könnten sie ihm ihre Aufmerksamkeit für ein paar Minuten schenken und ihn nicht einfach dumm dastehen lassen und ihn fast schon veralbern! Irgendwo hört der Spaß auf! :mad:

    Was das Durchboxen angeht: ich habe leider nun mal nicht etwas mehr auf den Rippen und was das Crowdsurfing angeht, das verlang´ mal von jemandem, der ohnehin grad schon Angstzustände hat. Das kannst wohl vergessen...

    Ich will niemanden in die Pfanne hauen, der Job ist sicherlich nicht einfach. Aber einfach nur zuhören und den Anderen ernst nehmen, das wäre eben schon schön...
     
  11. HGT

    HGT Member

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    Öhhh...dir ist schon klar, dass so eine Situation immer vorkommen kann? Selbst wenn ihr jemanden mit nem Beinbruch durch die Gegend tragt kann es sein das in 40 Metern ein weiterer Unfall passiert? Was macht ihr denn dann?
    Ich nehme doch an den einen den Umständen entsprechend abschließen und sich dann um den anderen kümmern bzw. andere Sanis sich um den neuen Fall kümmern lassen.
     
  12. Die Polizei ist dein Freund und Helfer.
    Diese Phrase kommt nicht von von ungefähr. Das ist ein Teil des Aufgabengebiets. Mit großer Stärke kommt große Verantwortung. Bevor man sich da in der Dienstzeit einen Plausch erlaubt geht man halt mal mit, auch wenn im Endeffekt Garnix is.

    Aber ich habe im letzten Jahr am eigenen Leib erleben müssen dass Wacken auch für die Polizei eine einzige Sause ist. Man kommt mit einem ernsten Anliegen und wird dann von zwei Polizisten veralbert. Na danke!
     
  13. Sorrownator

    Sorrownator W:O:A Metalhead

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    Ein wenig kann ich das bestätigen. Als wir von der Bändchen-Ausgabe auf unseren Camp-Platz kamen, kam uns eine Gruppe Polizisten auf Quads entgegen, die ihre Maschinen immer wieder laut aufheulen ließen. Zwei am Ende der Gruppe diskutierten gerade darüber, wie man wohl am meisten Spaß mit "den Dingern" haben kann. Klar soll man irgendwo auch Spaß haben, aber ich glaube nicht ein einziger in der Gruppe hatte wirklich Augen für den Camping-Platz, was bei mir die Frage aufwirft, warum man überhaupt auf Streife fährt?
    Und ohne jetzt etwas unterstellen zu wollen: Die Herren wirkten alle noch SEHR jung, als ob sie gerade in Ausbildung oder kurz danach wären und jetzt einfach mal richtig dick Spaß haben wollten auf ihrem ersten großen Wochenend-Einsatz. Kann natürlich sein, dass ich mich hier täusche, aber wenn man so hier liest scheint sich der erste Eindruck ja nicht gerade als falsch heraus zu stellen.
     
  14. HGT

    HGT Member

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    Dürften die üblichen Verdächtigen Bereitschafts-Neulinge aus Eutin sein. Hoch motiviert, abgeklärt und souverän :ugly:

    Die Quad-Jungbullen waren in der Tat eher mit cruisen u.a. beschäftigt. Natürlich könnte man das auch als "Präsenz zeigen" deuten :D

    Kurioserweise guckten sie immer ein wenig erschrocken wenn einer der wenigen erfahrenen Ordnungshüter sie in eine andere Richtung delegierte. Konnte man von unserem Platz des öfteren bequem beobachten :angel:
     
  15. Herr Jott

    Herr Jott W:O:A Metalhead

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    Quintessenz: weils ein Mädel war, wolltest du den weißen Ritter spielen, und keiner half dir dabei.
     

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