Fazit, Lob und Kritik nach dem zweiten Besuch

Dieses Thema im Forum "W:O:A 2011<br>Lob & Kritik / praise & criticism" wurde erstellt von Günni, 11. August 2011.

  1. Günni

    Günni Newbie

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    Moin,

    ich hab 'nen ausführlichen Festivalbericht verfasst, aus dem ich Obengenanntes extrahiert habe und einfach mal per copy/paste hier hineinpacke, denn dafürs war's ohnehin gedacht:

    Mein Wacken-Fazit: Ich hatte größtenteils wieder den Eindruck, einem durchdachten und wohlorganisierten Festival beizuwohnen. Ich hatte außer dem üblichen Sonnenbrand und einer kleinen Beule durch den Stiefel eines weniger rücksichtsvollen Crowdsurfers nichts auszustehen und konnte mich meist ganz dem angenehmen Teil solch einer Großveranstaltung widmen. Auf Fragen etc. reagierten alle Offiziellen, mit denen ich in Kontakt kam, freundlich, im Publikum ließen sich viele skurrile und amüsante Gestalten ausmachen, die Grundstimmung war fröhlich und entspannt, der Umgang miteinander trotz aller Verschiedenheiten dementsprechend. Die Bandauswahl war diesmal so stark, dass ich mir mehr Gruppen angeschaut habe als noch im Jahr zuvor. Das bedeutete aber auch einen relativ eng gesteckten Zeitplan, so dass für mich zu meinem mal stärker, mal weniger stark ausgeprägten persönlichen Bedauern kaum bis keine Zeit blieb, sich ein paar unbekanntere Künstler auf der Zeltbühne anzuschauen, über die verschiedenen Campingplätze zu schlendern und Leute kennenzulernen und das Rahmenprogramm in Form von Wrestling-, Titten- und Comedyshows, Mittelaltergedöns, Biergartenauftritten etc. mitzunehmen. Klar, das ist eigentlich ein Luxusproblem und bedeutet im Umkehrschluss, dass wirklich zu keiner Sekunde Langeweile aufkam, aber ich empfand das Gebotene als ziemlich überfrachtet und denke, etwas weniger wäre mehr. Warum nicht ein bisschen was weglassen und dafür einer weiteren Erhöhung des Eintrittspreises entgegenwirken? Zu spät, ich weiß. Ich bezweifle aber, dass das die richtige Entwicklung ist. Erfreulicherweise hatte man diesmal auf die peinlichen und albernen Circle-Pit- und Wall-of-Death-Verbote verzichtet, an die sich letztes Jahr eh niemand gehalten hatte.

    Meine persönlichen Highlights waren SODOM (die aber gleichberechtigt zu KREATOR als Headliner hätten auftreten sollen), MAYHEM mit Attila Csihar und KREATOR. Unvergesslich natürlich auch OZZY OSBOURNE und JUDAS PRIEST, vermutlich meine ersten und letzten Male, dass ich diese live zu Gesicht bekam.

    Positiv erwähnen möchte ich die Aufteilung des Infields mit seinen drei Bühnen. Ohne nervige Wellenbrecher etc. war eigentlich immer genügend Platz, auch bei den ganz großen Namen. Als sehr angenehm erwies sich auch die Leinwand vor den Infields. Stichwort sanitäre Anlagen: Saubere Wasserklos und Waschbecken sowohl vorm als auch im Infield zur kostenlosen Nutzung – das ist großartig! Stichwort Ernährung: Wenn ich nach Wacken fahre, ist das für mich mein Urlaub und da möchte ich nicht, um Geld zu sparen, kalte Dosenravioli fressen, mit Gaskochern herumhantieren oder einen Grill mitschleppen. Ich plane also ein, mir täglich etwas von dem überteuerten Festivalessen zu gönnen. Wäre ich ein Meatfreak, hätte ich zu günstigen Preisen Bratwurst etc. im Dorf essen können, so blieben für mich dort aber lediglich – sehr empfehlenswerte – Pommes frites. Aber dann gibt es da ja noch den Wackinger-Bereich, wo man den Schlangenfraßbuden auf dem normalen Festivalgelände perfekt ausweichen und in uriger Atmosphäre ganz hervorragendes vegetarisches Essen bekommt! Ein ganz besonderer Gruß an dieser Stelle an die bezaubernde Dame vom Vegetarix-Stand, die ich an irgendjemanden erinnert habe, aber vergessen habe, zu fragen, an wen (vielleicht auch besser so). Da war man wirklich mit viel Spaß bei der Arbeit und hatte auch zu fortgeschrittener Stunde und angesichts wahrer Besoffski-Horden immer ein Lächeln und einen lockeren Spruch auf den Lippen. Solche Stände, oder eben auch die Knobibrot-zum-Selberbelegen- oder Ofenkartoffeln-mit-Champignons-Geschichten etc., tragen dazu bei, dass mein Magen nicht nur durch durchdringende Bässe und Flüssigbrot auf seine Kosten kommt. Weiter so! Fairerweise möchte ich aber noch erwähnen, dass es mit Seitan-Gyros auch schmackhaftes Essen in den herkömmlichen Buden gab und zudem vegetarisches „Soulfood“ angeboten wurde, das ich aber nicht gekostet habe.

    Ach ja, was die Security, die einen am Eingang zum Infield abgetastet hat, betrifft, hab ich noch eine nette Anekdote parat: Als ich am Donnerstagabend hinein wollte, begutachtete man kritisch meine Kleidung, bis es plötzlich hieß: „Falsches T-Shirt!“ Zunächst dachte ich ernsthaft, man erlaubte sich gerade einen Spaß mit mir und wies darauf hin, dass heute definitiv nicht der 1. April sei, doch als man auch noch einen zweiten Sicherheitstypen hinzuzog, wurde mir langsam klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Des Rätsels Lösung: Man hielt mein T-Shirt der schweizerischen Thrasher CORONER für ein Shirt der Neonazi-Marke „Thor Steinar“ – warum auch immer?! Schließlich handelte es sich mitnichten um einen unidentifizierbaren, x-mal verschlungenen Schriftzug einer Extreme-Metal-Band, sondern um recht deutlich lesbare Buchstaben. Ich wurde zur Seite beordert, wo man sich das Shirt noch einmal in Ruhe anschaute, Einsicht hatte und sich entschuldigte. Insofern alles gut und ich freue mich ja, dass man Nazideppen offensichtlich aussortieren will, aber wer Lesen kann, ist eindeutig im Vorteil... Immerhin hatten wir damit für die Tragedauer meines Shirts einen schönen Running-Gag, haha.

    Das bringt mich aber zu meinen Kritikpunkten, zunächst die beiden größten:

    Es passt meines Erachtens nicht zusammen, nach Thor Scheißar Ausschau zu halten, andererseits aber so eine gehypte Kackband wie FREI.WILD, die sich bewusst ein Image als missverstandene Opfer ihrer rechtsradikalen Jugendsünden aufgebaut hat, damit kokettiert, um sich als zweite ONKELZ aufzuspielen und trotzdem ihre völkische Südtirol-Scheiße schlimmer als im Musikantenstadl trällert und einer rechten, demagogischen Partei nahe steht, auch noch ein Forum zu bieten und zu ihrer allgemeinen Akzeptanz beizutragen, indem man sie wiederholt auf die Bühne stellt.

    Selbiges gilt für BURZUM. Varg Vikernes ist eine ganz arme Fackeln, ein verurteilter Mörder, ein scheiteltragender Neonazi. Trotzdem wird in Wacken von viel zu vielen Spacken ohne Ende Werbung für dieses Arschloch gelaufen und an den T-Shirt-Ständen seine Shirts verkauft. Manche sind sogar so doof und nähen sich einen BURZUM- neben einen MAYHEM-Aufnäher oder gehen mit BURZUM-Shirts zum MAYHEM-Gig. Wenn ihr konsequent gegen Nazischeiße vorgehen wollt, untersagt endlich das Tragen und den Verkauf von BURZUM-Artikeln. Das wäre ein eindeutiges Signal und würde den einen oder anderen vielleicht endlich einmal zum Nachdenken anregen, der in der momentan vorherrschenden allgemeinen Akzeptanz keine Veranlassung dazu sieht.

    Soweit meine Hauptkritikpunkte. Kleinere sind:

    Bei aller guten Organisation: Es wäre trotzdem schön zu wissen, auf welchem Campingplatz man sich befindet. Dass irgendwelche Deppen und Souvenirjäger die Bezeichnungen gleich am ersten Tag abreißen, ist kacke, dann nichts Neues aufzustellen und die Leute orientierungslos umherirren zu lassen, aber auch. Lasst euch da doch bitte etwas einfallen.

    Was soll diese Metal-Bibel-Scheiße? Man hat sich ja daran gewöhnt, dass im Dorf religiöse Freaks herumlaufen. Dass nun aber auch noch mit offizieller Unterstützung missioniert und dieses bescheuerte „Metal-Bibel“-Projekt ins Leben gerufen wurde, finde ich völlig daneben. Religion ist reine Privatsache und auf einem Metal-Festival hat sowas nichts, aber auch gar nichts zu suchen.

    Die sanitären Anlagen habe ich ja schon gelobt. Wenn da aber ohnehin ständig Personal danebensitzt, könnte dieses doch aber auch ab und zu mal die Seifenspender auffüllen (wozu gibt es diese denn sonst?) und darauf achten, dass auch wirklich alle Klotüren von außen aufgeschlossen wurden. Schade fand ich diesmal übrigens, dass es bei den Bezahlklos an den Duschcamps keine Waschbecken mit Spiegeln mehr gab. Das war letztes Jahr ein sehr angenehmer Luxus. Ach ja, und dass man an den Wasserstationen permanent mit einer Hand einen Knopf gedrückt halten muss, damit Wasser fließt, verhindert natürlich eine vernünftige Nutzung, die über Kanister- und Flaschenauffüllen hinausgeht. Danke an dieser Stelle an diejenigen, die mir mit Kabelbinder ausgeholfen haben, die den Knopf dauerhaft fixierten. Könntet ihr da nicht ’ne vernünftige Lösung schaffen?

    Zu guter Letzt: Die Preise. Runter damit, sie sind am Rande des Erträglichen. Ein kleiner Becher Wasser im Infield 3,- EUR? Das ist Wahnsinn und kaum zu rechtfertigen.

    Nachtrag: Ich habe mir natürlich nur einen Bruchteil dessen, was das Wacken Open Air zu bieten hatte, angesehen. Fast immer spielten mehrere Bands gleichzeitig und neben den bereits erwähnten Acts habe ich die A-capella-Metaller VAN CANTO, die NWOBHM-Chikas GIRLSCHOOL (Samstag 12:00 Uhr im Zirkuszelt – einen mieseren Platz im Billing hat man für die Ladies nicht finden können?!) und die britischen Oldschool-Thrasher ONSLAUGHT schlicht verpasst. Auch hätte ich mir unter anderen Umständen beispielsweise gern angesehen, wie Andy Brings die RAMONES covert oder Horrorikone Doug „Pinhead“ Bradley einen Besuch abgestattet. Aber auch so finde ich eigentlich, gut was mitgenommen zu haben, alles ging einfach nicht...
     
  2. Metalmaus2

    Metalmaus2 W:O:A Metalhead

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    Vorab guter Bericht ;)
    Will aber erstma nur auf einen Punkt eingehen.

    Im Forum steht immer was von "offiziell".
    Die waren auf dem MetalMarkt. Die haben Geld für den
    Stand bezahlt. Offiziell wäre für mich, wenn denen das
    umsonst geboten worden wäre und im Programmheft beworben
    worden wäre.

    Witzig fand ich die auch nich, so oder so.

    Edit: <= FromTheToedden
     
  3. FromTheToedden

    FromTheToedden W:O:A Metalmaster

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    => http://www.metal-bibel.de/

    "Die Festivalleitung fragte an..."

    ok *koppschüttel*
     

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