Der Erfolg der Böhsen Onkelz aus Sicht der KoWi...

Dieses Thema im Forum "Talk" wurde erstellt von GRRRR!!, 03. September 2003.

  1. GRRRR!!

    GRRRR!! W:O:A Metalmaster

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    Da ich ja gerade kräftig für meine Zwischenprüfung lerne, wollte ich mal mein angesammeltes Wissen ein bisschen anwenden. Und wie geht das besser, als bei unserem Lieblingsthema „Böhse Onkelz“. Ich hab mich schon immer gefragt, wie es eine relativ „harte“ Kapelle schafft, auf Platz eins der deutschen Charts zu gelangen. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Es liegt an den herrlich plumpen, relativ dummen und ziemlich einfach strukturierten Texten…
    Man muss sich einfach nur etwas mit den Untersuchungen befassen, welche die „Hovland-Gruppe“ um 1948 gemacht hat. Die Yale-Sudie hat sich mit dem Einfluss der Aussage, der Kommunikationsquelle und der Persönlichkeit der Rezipienten befasst, gehört also zu den stimulusorientierten Ansätzen der Kommunikationsforschung. Da eine ausführlichere Beschreibung hier den Rahmen sprengen würde, nur eine kurze, stichpunktartige Zusammenfassung. Wer mehr darüber erfahren will, dem sei das Buch „Kommunikationswissenschaft“ von Roland Burkart ans Herz gelegt. Es enthält auch interessante Theorien zu „Gewalt und Medien“ und sowieso sollten sich alle, die immer schreien „Die Medien haben zu viel macht!“ mal das Kapitel über Massenmedien und Massenkommunikation durchlesen.
    Aber zurück zum Thema. Zwar sind nicht alle Ergebnisse der Hovland-Gruppe anwendbar, ich werde sie aber der Vollständigkeit halber trotzdem aufführen:
    Merkmale der Aussage
    Einseitige vs. Zweiseitige Argumentation
    Hier wird gesagt, dass es langfristig mehr Erfolg verspricht, wenn man in der eigenen Argumentation beide Standpunkte beleuchtet.
    Auf die Onkelz wohl kaum anwendbar, die sind sehr einseitig…

    Anordnung der Argumente
    Das zuerst präsentierte Argument hat eine stärkere Wirkung, wenn der Rezipient nicht interessiert und nicht informiert ist.
    Das zuletzt präsentierte Argument hat eine stärkere Wirkung, wenn der Rezipient sowohl interessiert, als auch informiert ist.
    Man kann mal davon ausgehen, dass Onkelz-Fans in der Regel informiert UND interessiert sind, was allerdings auch egal ist, denn die Texte sind ziemlich kurz.

    Explizite vs. Implizite Schlussfolgerungen
    Implizite Schlussfolgerungen (die der Rezipient selbst tätigen muss), sind wirksamer, wenn das Thema nicht komplex ist, es vertraut ist, der Rezipient persönlich betroffen ist oder der Kommunikator unglaubwürdig ist
    Explizite (werden gleich mitgeteilt) sind wirksamer, wenn das alles nicht der Fall ist.
    Die Onkelz bieten in ihren Texten keine Schlussfolgerungen an. Ist auch nicht nötig, da das Thema nicht komplex ist, es vertraut ist und der Rezipient oft persönlich betroffen ist (die Fans schwören ja da drauf, dass die Onkelz so tolle Texte schreiben, die genau das aussagen, was ihre Fans denken)…

    Furchterregende Appelle
    Geringer Furchtanteil: wenig Aufmerksamkeit
    Mittlerer Furchtanteil: Aufnahmebereitschaft höher
    Hoher Furchtanteil: vermindert wieder die Aufnahmebereitschaft
    Dazu kenn ich die alten Texte der Onkelz nicht gut genug…


    Merkmale der Komminkationsquelle
    Glaubwürdigkeit
    Sachkenntnis und Vertrauenswürdigkeit sind wichtig
    Dürften die Onkelz haben, bzw. wird ihnen von den Fans attestiert

    Attraktivität
    Attraktivität = wahrgenommene Ähnlichkeit zwischen Quele und Publikum
    Eindeutig bei den Onkelz gegeben…

    Und jetzt kommt das wichtigste Merkmal für den Erfolg der Onkelz:
    Persönlichkeitsmerkmale der Rezipienten
    Intelligenz
    hohe Intelligenz: werden eher durch rationale und logische Argumentationen beeinflusst
    niedrige Intelligenz: werden eher durch irrationale und unlogische Argumentationen beeinflusst
    Wenn man sich mal die Texte der Onkelz anguckt, dürfte klar werden, zu welcher Kategorie der durchschnittliche Onkelz-Fan gehört…

    Motivfaktoren
    Menschen mit niedriger individueller Selbsteinschätzung (empfinden sich persönlich unzureichend, sozial gehemmt) sind leichter zu überreden als Menschen mit hoher Selbsteinschätzung oder besonders aggressive Menschen
    „In der Gruppe sind wir stark…“
     
    Zuletzt bearbeitet: 07. September 2003
  2. Cheldar

    Cheldar W:O:A Metalhead

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    ned schlecht der text...

    trifft zumindest teilweise auf meine Tantchen Fans im Freundeskreis zu... (nein, eig zum großen teil)
     
  3. Thordis V.

    Thordis V. W:O:A Metalgod

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    Die Untersuchungen selbst wären auch mal interessant zu lesen, und zwar alle Ergebnisse und Erkenntnisse :)
     
  4. Schlossvippach

    Schlossvippach W:O:A Metalhead

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    der text ist wirklich prima - gut erarbeitet, gut geschrieben. und: wahrscheinlich (hab keine ahnung von komwi) auch das, was die dozenten lesen wollen.

    allerdings: er ist leider - was natürlich nicht vermieden werden kann, denn ich kann ja nicht erwarten, dass du alles onkelz songs kennst (was ich auch nicht von mir sagen kann) - etwas eindimensional geraten.

    natürlich hast du sicherlich recht, wenn du sagst, dass die von dir aufgeführten gründe dafür verantwortlich sind, dass die onkelz erfolgreich sind - aber das ist eben nur ein teil der wahrheit.

    gerade in neuerer zeit haben die onkelz:

    1. längere texte
    2. texte, die auch ich als intelligent bezeichnen würde (leider nur wenige, dass ist mir klar)
    3. wenn ich auch da wieder mich als bespiel nehmen darf: eine breitere fangruppe, als manch einer denkt, denn ich hoffe ja nicht, in die fangruppe gesteckt zu werden, die du im text als die der onkelz ausweist - desweiteren kenne ich glaub ich zu wenig dumme menschen, um dumme onkelz fans zu kennen (kenne ausser mir zwei, beide studieren mit mir (der eine biologie, der andere wirtschaftsgeographie, ich studiere physik)...

    da keine ausarbeitungen jedoch auf die erfolgsgründe anspielen, sind diese 3 punkte allenfalls randnotizen - was die erfolgsargurmentation betrifft (der erfolg stellte sich ja schon zur zeit von heilige lieder (auf welcher sich aber auch schon sehr interessante lieder befinden) anfang der 90ger ein) gebe ich dir recht.


    falls du dich vielleicht noch ein bißchen mit den texten beschäften möchtest, höre mal zum vergleich erst in die lieder (a) und dann in die lieder (b) rein... könnte interessant sein...


    (a):
    kneipenterroristen
    mexico
    wilde jungs

    (b):
    noreia
    bin ich nur glücklich, wenn es schmerzt
    zu nah an der wahrheit

    übrigens:
    viel glück bei den prüfungen....
     
  5. GRRRR!!

    GRRRR!! W:O:A Metalmaster

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    Wie gesagt, ich kann da "Kommunikationswissenschaft" von Roland Burkart empfehlen. Da sind die Ergebnisse der Hovland-Gruppe etwas ausführlicher dargestellt (Natürlich nix zu den Onkelz :)). Ist halt nur nen bisschen teuer (35 EUR), aber sehr interessant und "einfach" geschrieben. Bietet vor allem gute Einblicke in die Massenkommunikationsforschung.
     
  6. Thordis V.

    Thordis V. W:O:A Metalgod

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    Ist das auch für einen Laien gut verständlich ?!
     
  7. GRRRR!!

    GRRRR!! W:O:A Metalmaster

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    Eigentlich schon...als ich mich rangesetzt habe, hatte ich von der Materie keine Ahnung :D
    Also er wirft nicht mit Fachwörtern um sich oder so...ich würd aber trotzdem empfehlen, mal vorher reinzugucken, bevor du dir das kaufst.
     
  8. rotnroll666

    rotnroll666 W:O:A Metalmaster

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    Höhö.... :D
    Die sind glaub ich nur albern ;-)
     
  9. Thordis V.

    Thordis V. W:O:A Metalgod

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    Na ja, ich les auch medizinische Fachliteratur ohne weiteres ;)
    Also dürft ich das wohl auch packen.
     

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